Freyr gleich Ullr ?

Ich glaube, ich habe relativ selten zum Thema Asatru, der nordischen Mythologie und was ich damit zu tun habe geschrieben und das wird sicher noch mal irgendwann der Fall sein.

Hier und heute geht mir mir aber in erster Linie um die beiden nordischen Götter Ullr und Freyr, sowie deren „Connection“, denn ich glaube mittlerweile, dass diese beiden so unterschiedlichen Götter eine uralte und, möglicherweise in den Mythen bereits unbekannte, Verbindung haben. Aber eins nach dem anderen…

Vorweg: Die nordische Götterwelt an sich ist ziemlich zerfasert. Wir haben klassische Gegensatzpaarungen, wir haben Ein-Prinzip Götter, ein paar Hybride und Welten voll von Gegenspielern und / oder Verbündeten. Ich habe mich schon oft gefragt, wieso das so ist und warum sich das nicht im Laufe der Jahrhunderte „bereinigt“ hat, wie in Griechenland, oder im alten Rom, deren Grundstock an Göttern ja quasi identisch ist mit der nordischen Götterwelt.

Möglicherweise liegt es daran, dass im Norden keine „Eroberung“ stattgefunden hat, sondern eine Symbiose. Natürlich ist es nur Vermutung, aber es wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass dem Asen/Wanen-Krieg ein reelles Aufeinandertreffen 2er (möglicherweise fast identischer) Kulturen voranging. Die indorgermanischen Einwanderer wären somit dann im Norden mit dem bereits ansässigen Volk eine Verbindung eingegangen, was in den anderen Teilen Europas möglicherweise nicht so stattgefunden hat. Manche sagen auch, dass der Norden von 2 indogermanischen Wellen mit zeitlichem Abstand bevölkert wurde und die Symbiose daher sogar eher eine logisch zwingende war….

Wie auch immer, die Wanen haben seltsamerweise den Krieg gewonnen, den Asen aber dennoch -nach Friedensverhandlungen und einem Geiselaustausch- die Herrschaft überlassen. Ein Zückerli in den Mythen ist, dass die Wanen mit den Geiseln (Hönir und Mimir) der Asen nicht zufrieden waren, Mimir köpften und Hönir mit dem Schädel zurück nach Asgard schickten. Die Reaktion der Asen: es gab keine.  Für mich wiederum ein klare Machtdemonstration der Wanen ggü. der Asen.

Waren die Asen also nur geduldete Herrscher? Und waren die „Geiseln„, die den Asen gegeben wurden (Freyr, Freya) vielleicht sogar eher eine Art Berichterstatter, Kontrolleure, oder gar Bewacher/Bewahrer des Friedensvertrags? Das könnte sogar einen eigenen Beitrag wert sein… ich denke drüber nach…

Aber hier geht es jetzt erstmal um Ullr und Freyr.

Ullr:

Ullr ist ein alter Gott, der offenbar nur in Skandinavien verehrt wurde in den Regionen nördlich von Oslo und Ostschweden. Heutzutage wird er als Gott des Bogenschießens, des Skilaufens, des Winters, der Jagd und des Todes gesehen. Er ist aber auch bekannt als Gott der Rechtsordnung und der Eide, Schutzgott des Zweikampfs, auch Ackerbau- und Weidegott.

Er steht für Klarheit, Gerechtigkeit, Geschicklichkeit und Treffsicherheit. Er ist einer der Bewahrer des Thingfriedens und er ist der Herr der Eiben (Bäume). Man nennt Ullr auch der Schild-Ase.

Ullr ist der Sohn eines Frostriesen und der Asin Sif – somit also ein Stiefsohn von Thor und man sagt, Ullr sei schön von Angesicht und kriegerisch von der Gestalt. Nachdem Skadi (eine Riesin) etwas unglücklich die Ehehfrau von Njörd und im Anschluß diese Verbindung gelöst wurde, ist sie die Verbindung mit Ullr eingegangen. Ein perfektes Paar.

Man sagt dass Ullr, nachdem Odin seine Ehre befleckt hatte (durch die Verführung der Asin Rindrfür kurze Zeit die Herrschaft von Odin übernommen hat. Ullr wurde dann aber von Odin verjagt und wieder auf seinen Platz verwiesen.

Ullr soll ein eher grausamer, aber durchaus gerechter  Gott sein, der den Winter liebt und von den Kriegern beim Kampfe angerufen wird.

Gerade in Norwegen und Schweden gibt es viele Orte, die nach Ullr benannt wurden,in Norwegen sogar drei Orte die in Verbindung mit Freyr (z.B. Ulsaaker-Froisaaker in Halingdal). Das alles lässt die Vermutung zu, dass Ullr – wenn nicht für geraume Zeit der Wichtigste – so doch ein äußerst wichtiger Gott war, der offenbar durchaus eine Zeit lang in direkter Konkurrenz zu Odin stand.

 

Freyr:

Von Freyr wissen wir, dass er mit seiner Schwester als Geisel von den Wanen zu den Asen entsendet wurde und dort – ohne großen Aufstand, Widerrede oder Ärger – einer der höchsten Götter wurde und die schönste der 9 Welten zugesprochen kam: Albenheim, oder etwas neuer und möglicherweise christlicher: LICHTalbenheim.

Ich habe Freyr früher eher als Frohnatur gesehen, der blumenpflückend über die Wiese hüpft und gerne mal die ein oder andere Dise verführt, sich aber aus kriegerischen Themen weitestgehend raushält. Freyr ist im Allgemeinen als Fruchtbarkeitsgott und Gott der Liebe bekannt. Wenn man von Freyr hört, denkt man zuerst an goldgelbe Weizenfelder und an seine wohl wunderschöne Schwester Freya – was somit vermuten lässt, dass auch Freyrs Aussehen nicht von schlechten Eltern sein dürfte. Zudem sieht man ihn auf alten Darstellungen und kleinen Anhängern mit erigiertem Phallus im Scheidersitz hocken – womöglich als Bezug zur Fruchtbarkeit und zur Liebe.

Dieses Bild hat sich mittlerweile komplett gedreht, Freyr ist für mich wesentlich mehr.

Freyr ist AUCH der Fruchtbarkeitsgott und der Gott der Freude, Liebe, der Natur, des Strahlens und allem weiteren, was man so damit verbindet. Ja, bei Freyr ist es durchaus möglich, dass er blumenpflückend durch Weizenfelder hüpft und Schmetterlinge beobachtet. Freyr ist aber auch Krieger, Held, Gott der Treue, Ehre, Herrschaft und Gerechtigkeit, Schutzgott, Eidgott, Gott des Zweikampfes, Gott der lichten Zeit, aber auch – Gott des Jahreswechsels und der Ruhe.

Freyr gilt als Anführer der Heerschar der Asen, als Krieger par Excellence. Zudem steht er in diesem Bezug auch, oder vor Allem,  für Ehre, Treue und auch für eine gewisse Art an Schicksalsergebenheit. Sofern die Geschichte unbekannt ist, will ich sie mal kurz zusammenfassen. An Ragnarök ziehen sich die Wanen komplett aus den Kämpfen zurück. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Wanen als Naturgötter die Neuschaffung der Welt nach Ragnarök organisieren wollen, oder müssen. Freyr ist der einzige Wane, der sich an der letzten Schlacht nicht nur beteiligt, nein, er ist derjenige, der sich dem geifernden Surt stellt, der bereits seit Beginn aller Zeit am Rande von Ginnungagap steht und mit seinem Feuerschwert auf die andere Seite giert, wartet, damit Ragnarök endlich losgeht.

Und dann steht da Freyr. Als einziger der Vanen. Bewaffnet mit einem Hirschgeweih. Wohlwissend, dass er damit den Surt nicht besiegen kann. Ein ehrenhafter und treuer Held.

Freyr ist einer jener Götter, dem man nicht eine Horde von Nachkommen nachsagt. Nachdem er sich von seiner Schwester trennen musste fristete er weitestgehend alleine sein Dasein in Albenheim und auf den Banketten der Asen. Zudem gibt es auch nicht viele Menschengeschlechter, die sich auf einen Abkömmling Freyrs berufen. Meines Wissens ist es lediglich das schwedische Herrschergeschlecht der Ynglinger und ein Teil der Ladejarle in der Trondelag. Auch in den Mythen ist hier nichts zu finden. Man kann also davon ausgehen, dass der gute Freyr seine Kräfte durchweg bewusst und zielgerichtet eingesetzt hat.

Eines Tages aber, Odin war unterwegs oder anderweitig beschäftigt, schlich sich Freyr auf den Hlidskjalf, Odins Thron, an dem er alle 9 Welten im Blick hat. Freyr sah sich um und erblickte eine Riesin namens Gerdr in die er sich sofort verliebte. Er entsandte seinen Diener Skirnir um sie zu freien und schenkte ihm zu Schutz sein Schwert (ein wahres Wunderwerk, das quasi alleine kämpfen konnte) und sein Schlachtross. Nach einigem hin und her (Gerdr zierte sich dann doch etwas) wurde der Bund geschlossen. Freyr wartete also mit seinem Verlangen und seiner Liebe auf die richtige Frau, um den Bund einzugehen. Auch hier kommt der Treueaspekt klar zum Ausdruck.

Freyr gilt auch als Eidgott, denn der Bund zweier Menschen wurde auf seinen Namen geschlossen. Nicht nur aufgrund der Fruchtbarkeit, sondern auch -und vielleicht vor Allem- aufgrund seines Treueaspektes.

Interessanterweise ist da der Sidekick auf sein Schwert in der Überlieferung. Die Götter wissen, ebenso wie wir, relativ genau was an Ragnarök passieren wird. Dennoch handeln sie nicht dahingehend Ragnarök zu verändern, oder gar zu verhindern. Man könnte von Dummheit, oder einem gewissen Fatalismus sprechen. Im Sinne von Freyr gehe ich in erster Linie von dem Aspekt Ehe, Liebe und Frieden aus. Frei nach dem Motto, nutze Deine Zeit für die wichtigen Dinge und kümmere Dich nicht um das, was unabwendbar ist. Denn was nutzt Dir Dein Schwert, wenn Dein Tod unweigerlich kommen wird? Genau.

Das Hirschgeweih lässt Freyr in die Richtung des keltischen Cernunnos rücken und legt die Vermutung nahe, dass es hier eine gewisse Verwandtschaft gibt und Freyr wesentlich älter ist, als die Asen/Vanen Geschichte.

Freyr gilt als äußerst gut aussehend, wird in Summe aber recht unterschiedlich dargestellt. Blond ist die erste Assoziation aufgrund seines Sommeraspektes. Er wird aber auch als rot- oder dunkelhaarig bezeichnet. Der gepflegte, gestutzte Bart scheint eines seiner Markenzeichen zu sein., das sich durch die Geschichten durchzieht.

Freyr wird häufig von heidnischen Kampfsportlern angerufen, was wohl auf seinen Disput mit dem Bruder seiner Frau zurückzuführen ist, den er mit einem Fausthieb hätte töten können… „hätte“, wohlgemerkt. Ein Zeichen dessen, das er sich wohl nicht zu unüberlegten Handlungen hat wirklich hinreißen lassen.

 

Die Verbindung von Freyr und Ullr:

Freyr und Ullr bilden für mich ein klassisches Gegensatzpaar, ähnlich wie Baldr und Hödr. Während sich Freyr wohl um die helle Zeit des Jahres gekümmert hat, ist es Ullr, der die dunkle Seite repräsentiert.

Ansonsten sind die Überschneidungen zu prägnant, um sie zu ignorieren. Beide sehen gut aus, sind offenbar ausgezeichnete Kämpfer und gelten als Götter der Weide und des Ackerlandes – was ja bei beiden für eine Art Fruchtbarkeitsaspekt spricht. Beide gelten als Eidgötter – wenn auch für unterschiedliche Arten und beide haben eine Riesin zur Frau. Weder von Ullr noch von Freyr ist eine ausschweifende Existenz bekannt, es scheint fast so, als ob beide sich weitestgehend aus den typischen asischen Festen und Gelagen heraushielten und eher für sich blieben.

Beide haben für kurze Zeit den Thron Odins inne und beide gelten als gerechte Herrscher. Sowohl Ullr als auch Freyr werden dem vernünftigen Kampf zugerechnet und beide scheinen bereits älter zu sein, als man von den Asen im Allgemeinen vermutet.

Ullr wirkt auf mich ein wenig wie die mürrische, düstere Version des Freyr und möglicherweise gab es in den vor-asischen Zeiten tatsächlich diese Dublette. Freyr zuständig für den Sommer, Ullr zuständig für den Winter.

Sicherlich gibt es Unterschiede, die möglicherweise erst in späteren Zeiten hinzugefügt wurden. Freyrs Schiff und sein Kampfeber zum Beispiel, Ullrs Fortbewegung auf Skiern und seine Vorliebe für Pfeil und Bogen… was für mich aber eher nebensächlich ist.

Für mich sind beide zumindest auf eine gewisse Art zwei Seiten einer Münze und bilden somit eine Symbiose, die logisch ist.

 

Soviel mal dazu. Für mich ist das eine logische Erklärung… was nicht heißt, dass dies richtig sein muss. Wie seht ihr das?

Zwischenbericht

Das erste Quartal dieses Jahres ist beinahe rum, daher wird es Zeit für einen Zwischenbericht, einen Statusbericht sozusagen.

Das durchaus enervierende Jahr 2018 setzt sich fast nahtlos 2019 fort und legt sogar noch eine Schippe drauf. Aber ich will auch nicht jammern, dazu verleitet so ein Umstand ja nur allzu gerne, ich will lieber darüber berichten, was ich geändert habe, gerade ändere und ändern werde!

Ich werde euch also eine Art Checkliste zu Verfügung stellen, anhand derer ihr den Fortschritt / oder auch Rückschritt beobachten könnt. Updates folgen in stiller Regelmäßigkeit. here we go!

Was ich geändert habe:

  • Facebook- und Instagramkonto gekündigt / gelöscht.  Klar, das dauert halt etwas, bis „die Löschung“ durch ist. Das ist quasi „des Zuckerberg’s Hoffnung“, dass man in der Zwischenzeit doch wieder zurückkehrt…
  • Von Altlasten befreit. Ich habe es endlich geschafft den (wirklich extrem zugedröhnten) Keller auszuräumen und mich von alten Lasten generell zu befreien. Die Erleichterung setzt erst jetzt langsam ein.

Was ich gerade ändere:

  • Tatsächlich schaffe ich es wieder halbwegs regelmäßig ins Fitnessstudio. Zwar „nur“ 1x die Woche bisher, aber immerhin.
  • Bisher habe ich es nicht wieder in den Trainingsraum meiner Lieblingskampfunst geschafft, aber der Termin steht (kommende Woche) und alles steht auf GRÜN!
  • Weg von der 60 Stunden Arbeits-Woche auf ein normales, akzeptables Pensum. Ich arbeite gerne, auch gerne hart, aber es soll sich auch lohnen. Aktuell tut es das nicht.
  • Meditation ist gut, um die Erdung nicht zu verlieren. Ja, es ist nicht leicht die innere Ruhe zu finden. Es ist auch nicht leicht, die Zeit dafür zu finden. Ich halte mich da mittlerwiele an den Spruch eines alten Zen/Chan-Meisters, dessen Name ich nicht kenne: „Alle Menschen sollten 1x am Tag 10 min meditieren. Es sei denn man hat keine Zeit, dann sollte man 1 Stunde meditieren.“ Gut. Eine Stunde täglich packe ich nun nicht, aber es sind zwischen 10 und 20 Minuten alle paar Tage.
  • Lesen. Ich lese wieder mehr. Gerade in den letzten Monaten haben die Bücher auf meiner Kommode (dort parke ich die „to read“ Bücher) ziemlichen Staub angesetzt. Nun… jetzt sind sie wieder davon befreit.
  • Zeit für Musik. Ich habe früher mal Gitarre in einer Band gespielt, liebe – neben dem Extremen Metal – Jazz, Swing und generell die Musik der 20er und 30er Jahre, und habe diese Mucke immer gerne gehört. Vor Kurzem habe ich mal wieder meinen alten Plattenspieler aktiviert, meine Plattensammlung nach dem Aufräumen des Kellers wieder griffbereit platziert und genieße wieder in stiller Regelmäßigkeit die Freuden der Musik. Zudem stocke ich nach und nach meine Vinyl-Sammlung auf.

Was ich ändern werde:

  • Nahrung. Gerade die letzten stressigen Monate habe ich mich tagsüber echt übel ernährt. Dem will ich einen Riegel vorschieben und mich wieder auf die Basics konzentrieren. Good stuff, you know?
  • Mehr qualitiy time. Mit Musik, Buch und Meditation habe ich schon einen guten Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber meinethalben nicht genug.  Mehr Zeit mit der Family, mehr Zeit in der Natur und mehr Zeit für Dinge, die mich wirklich interessieren.
  • Kleidungsstil. Ich will weg von den instant- und modernen Klamotten, keinen Bock mehr auf Sneakers-Scheiß, die sowieso nach 4 Wochen kaputt sind, auf T-Shirts, die ohnehin nach einer Wäsche die Form verlieren, oder Hemden, die sich so stark verziehen, daß man sich hinein“drehen“ muss. Das Krasse ist ja eigentlich, dass es mittlerweile egal ist, wo man seine Klamotten kauft, oder welcher Markenschnipsel eingearbeitet wurde. Also auch sogenannte „Marken“-T-Shirts und Hemden sind echt Dreck. Letztens ist mir eine fast neue  G-Star Jeans beim Anziehen zerrissen. Unfassbar. Also „back to quality stuff“ mit leichter Orientierung an den 20er Jahren. Meiner favorisierten Zeit. Und das hat nichts mit Preis oder Marke zu tun.
  • Umorientierung. Möglicherweise ist es „gefährlich“ so etwas in einem öffentlichen Blog zu schreiben, aber egal. Mit geht es nicht um einen irgendeinen neuen Job, mir geht es darum herauszufinden, was denn das Richtige für mich ist. In dem derzeitigen Zustand fühle ich mich nicht mehr wohl. das war eine Zeit lang cool, mittlerweile ist es nicht mehr meins. Das hat diverse Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehe. Es geht um mich und um das, was mich wirklich erfüllt und letztlich natürlich auch glücklich macht. Ich denke, dies ist ein langwieriger Prozess, der erst kürzlich gestartet wurde und sicher nicht nächste Woche abgeschlossen ist. Aber ich bin neugierig drauf.
  • Umbau des Blogs. Ich werde den Blog hier umbauen, entschlacken und die Themenbereiche verändern. Das passiert in Kürze.

Soviel mal dazu. Ich denke die Liste werde ich regelmäßig aktualisieren und posten. Und ich bin gespannt, ob und wie sie sich verändert wird und vor Allem, WAS denn dann genau unter dem Punkt „was ich verändert habe“ stehen wird.

Sehr cool, ich freu mich…. 🙂

 

Havamal heute – 2. Spruch

Heil dem Geber! Der Gast ist gekommen.

Wo soll er sitzen? 

Atemlos ist, der unterwegs sein Geschäft erledigen soll.

Ein Spruch, der sich auf die Gastfreundschaft bezieht, auch im geschäftlichen Sinne, was den Spruch hier schon wieder interessant macht, denn offenbar haben unsere Ahnen Gastfreundschaft ggü. Reisenden auch mit Handel verbunden.

Gut, andererseits, warum hätte man damals auch reisen sollen? Zum Spaß sicher nicht, wie es heute der Fall ist. Letztlich wird es nur drei Gründe gegeben haben: Raubzug/Krieg, Handel und Botengänge. Und besonders die letzten beiden Gründe sind mit dem Spruch abgedeckt. Man sollte also als Gastgeber den Gast freundlich empfangen und ihm die nötige Zeit geben sein Anliegen vorzubringen.

„Heil dem Geber“ wäre somit als eine Aufforderung des Allvaters an die Menschen zu sehen, gute Gastgeber zu sein. Gastfreundschaft ist nicht umsonst eine der Tugenden unserer Ahnen gewesen.

„Wo soll er sitzen?“ sehe ich als deutliche Aufforderung vorsichtig zu sein. Ist es ein Freund, Verwandter oder Bekannter besteht kein Grund ihn nicht direkt ins „Innere“ ins „Private“ zu lassen. Wäre der Gast ein Fremder wäre es wahrscheinlich besser ihn erstmal ans Feuer zu setzen, an einen Platz, wo man ihn im Auge hat und ihn sein Anliegen erstmal vortragen zu lassen. Natürlich mit dem nötigen Respekt und Freundlichkeit.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder? Nun, leider nein. Ich musste es insbesondere in den letzten 1,5 Jahren mehrfach erleben, dass dies eben nicht so ist. Ich möchte hier gar nicht ins Detail gehen. Respekt und Achtung vor dem Anderen gibt es leider immer weniger. Möglicherweise ist dies auch nur mein Blick auf die heutigen Umstände, ich würde mich freuen, wenn es so wäre.

„Atemlos ist, der unterwegs sein Geschäft erledigen soll“ bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. In so einer „atemlosen“ Situation, kann viel missverstanden werden, Details vergessen oder unterschlagen werden, nur um den Besuch schnell hinter sich zu bringen.

Ich persönlich ziehe es vor, mir zumindest in Ruhe das Anliegen des Besuchs anzuhören. Was dem dann folgt steht ja erstmal auf einem anderen Blatt, aber es kann auch aus einem vorerst unangenehmen Besuch durchaus etwas Sinnvolles  entstehen. Und hier kommt dann wieder der Passus „wo soll er sitzen“ zum Tragen: treffe ich ihn in der Cafeteria, zum Essen oder doch gleich Besprechungsraum?

So, ich denke ihr wisst, worauf ich hinaus möchte… behandelt euren Gegenüber mit Respekt und Anstand und nehmt euch die Zeit sein Anliegen anzuhören.

Bei einem Aboverkäufer, Spendensammler oder sonstigen Typen, die gelegentlich mal an der Tür stehen ist das natürlich etwas anderes… aber auch denen kann man mit einem respektvollen „Nein, danke!“ deutlich seinen Standpunkt mitteilen.

In diesem Sinne!

 

Im Soge des Zuckerbergs

Ich sag mal so: ich mag ja dieses ganze Social Media Kram. Im Grunde bin ich seit Beginn der ganzen Spielereien dabei. Aus diesem ganzen Fundus an Social Media-Plattformen sind im Laufe der Zeit genau 3 übrig geblieben, mit denen ich mich mehr oder weniger regelmäßig beschäftige: facebook, Instagram, WhatsApp.

Nebenher habe ich noch meinen Twitter-Account, einen kleinen Tumblr-Blog und rutsche gelegentlich mal durch G+, aber mehr ist nicht mehr übrig geblieben. All das kurze Aufflackern hier und da, sei es nun diaspora, Vero, Eyeem, Snapchat, Pinterest, Foursquare, flickr, etc. pp. habe ich kurz mitgemacht, genutzt und irgendwann wieder fallengelassen. Teilweise ohne Grund, aber oftmals mit Grund und geringe Userzahlen haben mich dabei eher nicht gestört. Oftmals war es das Fehlen einer vernünftigen App, oder der Dienst bedient eine Nische, in die ich nicht mehr gehörte. Oft war es auch die fehlende Interaktionsmöglichkeit (die möglicherweise mittlerweile implementiert wurde). 

Ich denke, Ihr seht schon das Dilemma…

Diese Trias bestehend aus facebook, Instagram und WhatsApp gehören mittlerweile alle zum Zuckerberg-Konglomerat. Ob ich es nun wollte oder nicht, hat sich der gute Mark, mit seinem scheinbar wirklich guten Näschen, alle Dienste reingesaugt, die über großes Potential verfügen. Zu recht, denn WhatsApp ist DER Standardmessenger und Instagram DER Standard-Bilderdienst.

Und eigentlich könnte alles ganz cool sein, wenn nicht unser Mark anfangen würde seine drei Dienste umzubauen.

 

 

 

 

 

Aber was heißt das im Detail?

Jeder, der facebook und Instagram nutzt, wird in den letzten Monaten einige Änderungen festgestellt haben. Was mich wirklich wirklich nervt ist die Tatsache, dass ich mit Werbung zugeballert werde. Das funktioniert im Sinne des Unternehmens wirklich gut. Es ist egal, ob ich nach Socken, Mützen oder einem neuen Tiefschutz für mein Training suche, ich kann mir sicher sein im nächsten Feed entsprechende Werbung zu finden. Wilde Werbungen kommen seit Anfang des Jahres dazu. Irgendwelche Indianer, die meine Zukunft kennen, prügeln sich mit Bosekopfhörern um die schönsten Hotels in Südsibirien. Schlimm.

Für WhatsApp sind ja auch diverse Änderungen angekündigt worden, bisher ist mir noch nichts aufgefallen. Viel wurde gemunkelt, über Werbenachrichten und direkte Kommunikation mit irgendwelchen Chatbots von Firmen war die Rede – eine entsprechende api wäre wohl in der Entwicklung… letztlich macht der Mark das doch eh!

Bezeichnend war seine Anhörung vor dem SENAT in den USA letztes Jahr. Zwischenzeitlich war ich mir nicht sicher, ob dort der echte Mark sitzt, oder nur ein Bot. Wir werden es wohl nie erfahren. Doch geändert hat sich seither nichts… nun ja, fast nichts, denn Mark hat seine Pläne einfach weitergetrieben, denn facebook, Instagram und WhatsApp beginnen zu verschmelzen.

Allen möglicherweise positiven Nachrichten (wie end2end-Verschlüsselung) zum Trotz, bedeutet es letztlich, dass Mark alle Userdaten aus facebook, Instagram und WhatsApp zusammenfügt und in seinem Zuckerberg horten kann.

Gut. Ich habe sowieso den Verdacht, dass er das schon längst macht und entsprechend nutzt. Denn der Sinn eines Unternehmens ist es Gewinn zu erwirtschaften. Und der einzige Wert von Zuckerbergs Unternehmen sind unsere Daten.

Und für viele sind es nicht nur Daten, es sind aufgezeichnete Leben (!).

Eines ist mal sicher, jeder, der sich mit Social Medias beschäftigt und diese nutzt, ist sich darüber im Klaren / sollte sich darüber im Klaren sein, dass das was er postet offen liegt und genutzt werden kann – sei es nun erlaubt, oder nicht. Jeder mit solchen Accounts lebt sein Leben auf irgendeine Art und Weise „öffentlich„!

So, aber zurück zum Thema. Ich sag’s ganz offen: ich habe damit ein Problem. Oft habe ich mich gefragt, wieso ich ausgerechnet diese drei Dienste gewählt habe. Natürlich war es eine Art Gruppenzwang: die Leute, mit denen ich kommunizieren wollte, waren und sind hier anzutreffen. Es war auch Bequemlichkeit, denn die zugehörigen Apps sind einfach gut designt und eingängig gestaltet. Und zum Dritten sind sie performant. Man hat keine großen Ladezeiten, kann schnell durch die Timeline scrollen, etc.

Lediglich WhatsApp fand ich schon immer doof. Ich stehe hier eher auf die Google-Systeme. Mit Hangouts hat Google einfach etwas Großes geschaffen. Aber trotz Zigmillionen Google-Accounts und Android Smartphones nutzt es kaum einer.

Allo zum Beispiel ist ein Traum von Messenger. Doch nach einer erfolglosen Phase und einigen Umbauten geht er im März offline. Unglaublich!

WhatsApp ist einfach scheiße. Ich nutze es, weil es jeder benutzt. Sogar berufliche Kommunikation läuft über den Dreck von App und hier knüpft sich ein großer Kritikpunkt an: der Zuckerbergsche Datenriese sammelt mit der Zusammenlegung auch meine berufliche Kommunikation UND VERKNÜPFT diese mit dem privaten Mist, den ich online so treibe. Gut, ich muss WhatsApp ja nicht nutzen… und hier beißt sich die Schlange und so…

Ich habe daraufhin mal mein eigenes Nutzerprofil erstellt und mich gefragt wie und warum ich die 3 Apps überhaupt nutze:

facebook: nutze ich als eine Art Newsticker. Hier habe ich Seiten zu Themen abonniert, die mich einfach interessieren. Norwegische Nachrichtensender, österreichische Parteien, die News von Borussia Mönchengladbach, Info-Seiten zu chinesischen Kampfkünsten etc. etc… zudem bin ich Mitglied in der einen oder anderen Gruppe. Paleo-Ernährung, Fußball, Musik, Tanz  (ja, ich tanze tatsächlich Lindy Hop und das sogar gerne), Norwegen, Österreicher im Ausland, etc. etc. und dann nutze ich facebook noch zur Veranstaltungsplanung. Ob es nun Konzerte sind, Volksfeste, Swing-Events, völlig wurscht.

Ich nutze facebook NICHT zur Kommunikation, oder zum Posten von denkwürdigen Alltagsfotos.

Instagram: bei Instagram habe ich sogar 2 Accounts. Eines nutze ich ähnlich wie facebook, nur eben mit Bildern, zudem hat Instagram die charmante Funktion eine Art Bildertagebuch möglich zu machen, was ich sehr sehr cool finde. Mein 2. Account ist ein privater Account den ich für Selfies nutze. Nicht aus narzisstischen Gründen, sondern aus einem Tick heraus. Ich habe irgendwann mal angefangen mehr oder weniger unregelmäßig nen Selfie zu machen. Einfach um mal zu sehen, wie sich was im Laufe der Zeit so verändert. Nie für die Öffentlichkeit, sondern nur für mich. Instagram hat den Spaß massiv vereinfacht. Insgesamt ist Instagram der Dienst, den ich derzeit am Häufigsten nutze.

WhatsApp: nutze ich zumeist (aus Zwang) beruflich, privat nur wenn ich muss.

 

Aber was bedeutet das nun für meine Zukunft mit diesem 3 Apps?

my facebook future: no real change. Ich nutze die App nicht auf dem Smartphone und surfe vielleicht 1-2x die Woche mit meinem Book drüber, um mal grob durch die Gruppen zu gucken und ein paar News zu lesen. Aktiv bin ich hier schon länger nicht mehr. Leider gibt es zu fb keine wirkliche Alternative, werde mich aber dennoch künftig mehr bei tumblr und ggf. bei Google+ herumtreiben.

my Instagram future: Schade. Echt schade. Ich mochte / mag Instagram wirklich sehr, dennoch werde ich mich hier zurückziehen und eine Alternative suchen. Eventuell kehre ich zu flickr zurück, mal sehen wie sich der Dienst in den letzten Jahren so entwickelt hat.

my WhatsApp future: Es gibt keine. Mit meiner kleinen Family kommuniziere ich über Allo und Hangouts. Freunde und Bekannte werde ich informieren, meine große Familie werde ich versuchen von einem Umzug zu überzeugen. Und berufliche Kommunikation über WhatsApp werde ich einstellen. Drecks-App.

 

Soooviel dazu. Wenig technisch, viel eigene Meinung – wenig politisch, viel Innenansicht. Mal abgesehen von dem Geschriebenen wird mir der Facebook-Konzern zunehmend dubios. Die Politik von Mark Zuckerberg ist mir hier nicht ganz klar, allerdings geben die gebrochenen Versprechen erstmal gegenüber der Entwickler und der zukünftigen Unabhängigkeit der Dienste einen klaren Hinweis auf das, wo es hinausläuft. Die aktuelle Werbeflut in bei fb und Instagram ist ja vorerst nur der Anfang und ich mag mir nicht ausmalen, wohin das alles letztlich führen soll. End2End Verschlüsselung hin oder her, letztlich geht es hier um die Zusammenlegung von 3 unterschiedlichen User-Profilen zur Erstellung eines Gesamtprofils. Ich hatte beispielsweise einen klaren Grund für die Auswahl von 3 Diensten – selbst wenn ich alles hätte über fb laufen lassen können. Mit der Bündelung ist dieser klare Grund allerdings obsolet. Und somit bin ich raus, mein lieber Mark – ich habe leider kein Foto mehr für Dich.

In diesem Sinne, meine Lieben!

 

Havamal heute – 1. Spruch

Der Ausgänge halber bevor Du eingehst, stelle Dich sicher, denn ungewiss ist, wo Widersacher im Hause halten.

Beim ersten Lesen des Spruches war ich sofort in der alten Zeit. Man kommt als Fremder / Reisender in einen unbekannten Ort und betritt die Halle, um sich und sein Anliegen vorzutragen. Natürlich fühlt man sich unwohl, sieht sich die Leute vielleicht etwas genauer an und eruiert mögliche Fluchtwege. Was sollte dieser Spruch mit der heutigen Zeit zu tun haben, in der man in relativer Sicherheit unterwegs sein kann?

Doch letztlich passt dieser Spruch perfekt in diese Tage, denn mal abgesehen von den martialischen Gedanken, die sich aufdrängen sind die Gefahren nicht kleiner geworden. Warum?

Wer bitte kennt denn nicht die Situation, dass der Kollege in der Arbeit, mit dem man sich so gut versteht, einem in einem Meeting plötzlich in den Rücken fällt? Oder ein eigentlich enger Freund hinter Deinem Rücken über Dich lästert? Die Gründe sind einfach… sei es nun Selbstschutz, Narzißsmus, oder einfach nur die Möglichkeit von sich selbst abzulenken.

In meiner Wahrnehmung haben sich solche Momente sogar noch gehäuft in den letzten Jahren. Das mag natürlich subjektiv sein.

Dieser Spruch will uns genau darauf aufmerksam machen. Sei nicht zu vertrauensvoll, schraube Deine Erwartungen runter, verlasse Dich nicht auf andere, denn jeder, wirklich jeder könnte einen Dolch hinter dem Rücken verstecken. Sei also vorbereitet und achte auf die Kleinigkeiten, halte Dir immer einen Ausweg bereit.

Möglicherweise klingt das ein wenig paranoid, doch denkt einfach mal darüber nach. Sicher ist ein wirklicher Freund, mit dem man vieles erlebt und durchlebt etwas anderes. Aber bedenkt der vielen oberflächlichen Bekanntschaften und Menschen, die euch mit einem einnehmenden Charme unbewusst auf ihre Seite bringen. Fragt euch einfach selbst, ob ihr – und hier muss ich dann doch wieder auf die alte Wikinngerzeit zurückgreifen – diesen Mensch neben euch in einem Schildwall stehen haben wollt.

Ich glaube, das macht vieles klar und lässt euch – so einige mehr oder minder intensive Beziehungen – hinterfragen.

In diesem Sinne.