Havamal heute – 1. Spruch

Der Ausgänge halber bevor Du eingehst, stelle Dich sicher, denn ungewiss ist, wo Widersacher im Hause halten.

Beim ersten Lesen des Spruches war ich sofort in der alten Zeit. Man kommt als Fremder / Reisender in einen unbekannten Ort und betritt die Halle, um sich und sein Anliegen vorzutragen. Natürlich fühlt man sich unwohl, sieht sich die Leute vielleicht etwas genauer an und eruiert mögliche Fluchtwege. Was sollte dieser Spruch mit der heutigen Zeit zu tun haben, in der man in relativer Sicherheit unterwegs sein kann?

Doch letztlich passt dieser Spruch perfekt in diese Tage, denn mal abgesehen von den martialischen Gedanken, die sich aufdrängen sind die Gefahren nicht kleiner geworden. Warum?

Wer bitte kennt denn nicht die Situation, dass der Kollege in der Arbeit, mit dem man sich so gut versteht, einem in einem Meeting plötzlich in den Rücken fällt? Oder ein eigentlich enger Freund hinter Deinem Rücken über Dich lästert? Die Gründe sind einfach… sei es nun Selbstschutz, Narzißsmus, oder einfach nur die Möglichkeit von sich selbst abzulenken.

In meiner Wahrnehmung haben sich solche Momente sogar noch gehäuft in den letzten Jahren. Das mag natürlich subjektiv sein.

Dieser Spruch will uns genau darauf aufmerksam machen. Sei nicht zu vertrauensvoll, schraube Deine Erwartungen runter, verlasse Dich nicht auf andere, denn jeder, wirklich jeder könnte einen Dolch hinter dem Rücken verstecken. Sei also vorbereitet und achte auf die Kleinigkeiten, halte Dir immer einen Ausweg bereit.

Möglicherweise klingt das ein wenig paranoid, doch denkt einfach mal darüber nach. Sicher ist ein wirklicher Freund, mit dem man vieles erlebt und durchlebt etwas anderes. Aber bedenkt der vielen oberflächlichen Bekanntschaften und Menschen, die euch mit einem einnehmenden Charme unbewusst auf ihre Seite bringen. Fragt euch einfach selbst, ob ihr – und hier muss ich dann doch wieder auf die alte Wikinngerzeit zurückgreifen – diesen Mensch neben euch in einem Schildwall stehen haben wollt.

Ich glaube, das macht vieles klar und lässt euch – so einige mehr oder minder intensive Beziehungen – hinterfragen.

In diesem Sinne.

Jahresrückblick 2018

Das Problem ist, ich kann mich kaum noch an dieses Jahr erinnern. Das liegt nicht daran, dass ich an Demenz, Alkoholismus oder Amnesie leide, sondern schlicht daran, dass

  1. nichts von Belang,
  2. aber dafür viel zu viel passiert ist.

Wie bereits in einem anderen Beitrag erwähnt, habe ich den Eindruck, dass ich fast genau an dem Punkt aus diesem Jahr aussteige, wo ich es begonnen habe. Das Jahr war eine Schleife und ganz sicher keine Gute, soviel ist mir bereits klar und das wird sich auf den letzten Metern in diesem Jahr auch nicht mehr ändern.

Es gibt etwa eine Handvoll konkrete Dinge, die ich tatsächlich bedauere:

  • so gut wie NO MARTIAL ARTS dieses Jahr. Anfangs war es keine Zeit, am Ende eine andauernde Schwere. Das mag wie eine Ausrede klingen und möglicherweise ist es das auch sogar. Rückblickend hätte ich mich wirklich – zumindest unregelmäßig/gelegentlich aufraffen können/müssen – im Nachhinein ist das aber immer leicht zusagen. Ich bin beinahe täglich die Form gelaufen und habe das Training meiner Tochter meiner genutzt um zumindest halbwegs im „Gefühl“ zu bleiben. Natürlich ist das nicht dasselbe wie regelmäßiges Training und genau das ist ein Umstand, den ich 2019 ändern werde.
  • kein neuer Job. Irgendwann im Frühjahr 2018 hatte ich die Möglichkeit das Unternehmen zu wechseln und mein Job-Profil zumindest in eine etwas andere Richtung zu drücken. Ich habe es seinerzeit -nach langem hin und her- ausgeschlagen. Einerseits waren es die Veränderungen in meinem  jetzigen Unternehmen die mich – wenn nicht motiviert- so zumindest neugierig gemacht haben, zum anderen war es die Kollegialität und der Geruch nach einer Möglichkeit mich persönlich weiterzuentwickeln. Heute weiß ich, dass ich mich schlichtweg habe einlullen lassen.
  • Gewichtsreduktion. Hier habe ich völlig versagt. Ausgehend von etwas über 90 kg lag mein Ziel zum Jahresende bei 81 kg Körpergewicht. Das ist mein normales Kampf- und Wohlfühlgewicht. Aktuell bin ich bei einer dreistelligen Anzeige auf der Waage angelangt, was nett formuliert bedeutet: ich habe mein Ziel verfehlt. Ich bin ein Frust- und Stressfresser. Und bis auf meinen Norwegen-Urlaub im August, war der Rest des Jahres fast ausschließlich von Stress und Frust geprägt. Das Blöde ist jetzt eigentlich nur, dass es nicht so aussieht, als ob sich das im nächsten Jahr ändern wird. Hier setze ich als Gedankenstütze einfach mal den Begriff: Initiative.
  • weniger Konsum. Stellenweise hat es ganz gut funktioniert, doch im Resümee ist dies lediglich ein weiteres Ding, das ich nicht geschafft habe. Dieser Punkt schließt sich quasi nahtlos an die oberen 3 Punkte an.

Zusammengefasst ist es Disziplinlosigkeit und eine gewisse Form von Schwäche, die mich dieses Jahr begleitet haben. Sicherlich den Umständen geschuldet, aber ganz sicher auch der fehlenden Willenskraft die genannten Dinge anzugehen und mir selbst die nötigen Freiräume zu schaffen, um auch die Kraft dafür zu haben.

Es sagt sich immer leicht und letztlich klingt ja auch alles logisch. Die Umsetzung aber ist schwer und ich gehöre zu den Typen, die es Tag für Tag aufschieben um dann irgendwann zu erkennen, dass das Jahr beinahe rum ist. Willenskraft ist ein Schlagwort, Disziplin das andere.

Soviel zu den berufsbedingenten Ausfällen… was ich diesen Ausfällen allerdings entgegensetzen konnte ist meine Familie. Trotz des Stresses und der gesundheitlichen „Strapazierung“ habe ich versucht jeden Moment mit meiner Family zu genießen. Dies ist mir über das Jahr hinweg erstaunlich gut gelungen. Natürlich habe ich es nicht immer geschafft meinen Job vollständig abzugrenzen, aber das ist wohl einfach menschlich.

Neben all den Dingen, die nicht wirklich gelungen waren in diesem Jahr, gab es aber auch ein / zwei wirklich positive Sachen:

  • Im Sommer war ich Land meiner Ahnen –  in Norwegen. Ich habe eine Hytta im Gebirge Südnorwegens gemietet und mich nach der Anreise gefragt, ob ich es wirklich 2,5 Woche in völliger Abgeschiedenheit mit meiner Familie aushalten könnte. Ja, es war möglich und zugegebenermaßen war es die beste Zeit in diesem Jahr die ich hatte. Dieser Urlaub hat mich geerdet, die Kraftreserven wieder aufgestockt und mir für den Rest des Jahres Halt gegeben. Gut, in den letzten Tagen bin ich wieder an die Grenzen gekommen, aber immerhin hat es für eine ganze Weile ausgereicht.
  • Ich habe in diesem Jahr gelernt auch für die kleinen Dingen dankbar zu sein. Ja, ich weiß, eigentlich WEIß MAN, dass man genau das sein sollte. Aber mal ehrlich – wer ist es denn wirklich? Durch all den Stress und dem Ausgelutscht sein war ich wirklich dankbar dafür, dass meine Tochter mich jeden Abend so genommen hat, wie ich war. Eine spontane Umarmung kann allen Dreck abperlen lassen. Ein Abendessen mit der Familie ist regelrecht heilsam und nach einer ätzenden Arbeitswoche an einem Samstag Morgen mit einer kalten Tasse Kaffee und einem geschmacklosen Muffin in der Turnhalle zu hocken um eine Gürtelprüfung (Karate) zu erleben ist tatsächlich einfach nur wunderbar… also: im Nachhinein…

Auch wenn ich nun am Ende des Jahres an beinahe derselben Stelle angekommen bin, an der ich eingestiegen bin, hat es mich zumindest etwas weitergebracht. Auch wenn nicht die gefühlten „großen Veränderungen“ eingetreten sind, hat es etwas in Schwung gebracht.

Was bedeutet das nun für das kommende Jahr? Ich bin mir nicht sicher. Fakt ist, dass die berufliche Achterbahnfahrt so weitergeht wie bisher. Ich muss mich also entweder damit arrangieren und einen Weg finden damit klar zu kommen, oder ich muss persönliche Konsequenzen walten lassen. Aktuell neige ich zu den Konsequenzen, benötige aber ein vernünftiges und vor Allem für meine Family tragbares Backup.

Für mich Privat wird 2019 ein Jahr der Stabilisierung. Meiner großen und in 2018 völlig verschmähten Liebe zur Kampfkunst werde ich auf jeden Fall wieder Leben einhauchen. Die zurückliegende Abstinenz verspricht mir für die ersten Wochen wieder einige Schmerzen… nun gut… ich will es ja nicht anders… 😉

Das Thema Gesundheit und Ernährung habe ich ebenfalls völlig außen vor gelassen. Wie oben beschrieben habe ich mich hier wirklich gehen lassen, was meine allgemeine  Verfassung, meine Gesundheit und letztlich natürlich meine Waage auch entsprechend honoriert hat.

Mehr „quality time“. Auch so ein Schlagwort. Meine quality time 2018 war in Norwegen und in der Familie. 2019 will ich das ausweiten und mehr quality time im Jahr planen und  durchziehen. An Norwegen hat mir die Ruhe, die Nähe zur Natur und die rauhe, klare Kraft gefallen, es war reinigend. Ich will versuchen zumindest diese Ruhe und die Nähe zur Natur mit meiner Family in den (freien) Alltag zu bringen.

Ehrlich sein ist nicht leicht. Ich denke hierbei nicht an die klassische Lüge, sondern eher an all das, was man hinunterschluckt, unbewusst vorgaukelt oder einfach nicht so meint. Ehrlichkeit ist ein generelles Problem heute. Vielleicht war es das auch immer, keine Ahnung. Ich will auf jeden Fall versuchen ehrlicher zu sein – vor Allem mir selbst gegenüber. Ein Ja muss ein Ja sein – und ebenso ein Nein eben ein Nein. Diese Larifari-Arschlecker-Mentalität, die mir beinahe täglich begegnet ist einfach zum Kotzen und insbesondere in diesem, ablaufenden Jahr, habe ich eine völlige Aversion dagegen entwickelt – mir wird regelrecht schlecht, wenn ich das mitbekomme… und da ich nicht verurteilen kann, was ich (möglicherweise unbewusst) selber mache, will ich mehr darauf achten, was ich sage, wie ich es sage und ob ich es auch so meine. was mich zum letzten Punkt bringt:

Achtsamkeit. Gut, ich halte mich selber prinzipiell für einen achtsamen Menschen. Ja klar, der eigene Eindruck mag auch mal täuschen, ich weiß, habe aber auch kein Problem damit. Achtsamkeit ist etwas, an dem man täglich arbeiten muss. Auch das gelingt mir mal mehr, aber auch mal weniger gut. Dennoch will ich versuchen, von meiner Basis aus,  Unachtsamkeit nicht mehr zu tolerieren. Vielleicht liegt es am Alter und an der viel beschworenen Altersradikalität, aber mich nervt das nur noch.

Sooo… Mehr habe ich zu dem abgelaufenen Jahr nicht zu sagen und mehr Voraussicht auf 2019 wage ich aktuell nicht.

Also… ich werde berichten. In diesem Sinne! Guten Rutsch und ein in jeder Hinsicht erfolgreiches Jahr 2019.

Tao Te King – Kapitel 9

Nun, nach ziemlich genau einem Jahr, geht es weiter mit dieser kleinen Reihe. Und wie es die Götter offenbar wollen beschreibt dieses Kapitel -wie zum Hohn- zumindest einen Teil der Dinge, die im noch laufenden Jahr gewirkt haben / wirken… ich hätte mir das Büchlein des Alten aus China bereits früher wieder greifen sollen…

Aber lest selbst, ich denke hier wird sich jeder selbstreflektierende Mensch schnell wieder erkennen:

(Richard Wilhelm)

Etwas festhalten wollen und dabei es überfüllen:
das lohnt der Mühe nicht.
Etwas handhaben wollen und dabei es immer scharf halten:
das läßt sich nicht lange bewahren.
Mit Gold und Edelsteinen gefüllten Saal
kann niemand beschützen.
Reich und vornehm und dazu hochmütig sein:
das zieht von selbst das Unglück herbei.
Ist das Werk vollbracht, dann sich zurückziehen:
das ist des Himmels Sinn.

 

(Gia Fu-Feng & Jane English)

Plötzlich innehalten ist besser als bis zum Rand zu füllen. Schärfe die Klinge übermäßig, und die Schneide wird bald stumpf. Gold und Jade füllen die Halle, wer kann sie sicher aufbewahren? Ruhm und Reichtum machen stolz, wer als man selbst ist zu tadeln?

Ziehe Dich zurück, wenn die Leistung vollbracht ist. Dies ist der Weg des Himmels.

 

(Liu De Ming)

Etwas festhalten und übertreiben, ist nicht so gut, wie es sich selbst zu überlassen. Wenn man es zugleich poliert und schärft, kann man es nicht lange beschützen. Gold und Jade gefüllte Paläste, kann niemand bewachen. Reich und geehrt, und doch hochmütig, liefert man sich seinem Unglück aus.

Nach vollbrachtem Werk das Selbst zurückziehen, das ist der Weg des Himmels.

So einfach und einleuchtend diese Zeilen sind, so schwer sind sie einzuhalten. Was hier relativ schlicht und anschaulich erläutert wird ist der Fakt, dass man die Dinge nicht überreißen sollte. Mit dem Passus der Reichtümer auch, dass man nicht an Dingen hängen, sich binden sollte.

Was so logisch klingt ist für uns (leider) nur schwer zu verstehen… vielleicht sogar, wenn es denn verstanden wird, schwer zu akzeptieren… und noch schwerer umzusetzen. Ich gehöre zum Beispiel zu den Typen, die sich selbst mehr abverlangen als gut ist. Krank zur Arbeit zu gehen ist dabei einer meiner Fehler, sich nicht genug Ruhezeiten zu schenken, gesund zu essen und mehr auf sich zu achten ein weiterer. Diese Liste könnte ich quasi endlos fortführen und ich frage mich öfter mal, ob es mein persönlicher Fehler, oder ein Fehler unseres Systems ist.

Wenn ich der einzige Mensch in unserer Gesellschaft wäre der so ist, wäre die Antwort schnell gefunden. Doch ich bin es nicht. Somit schlussfolgere ich, dass es ein Fehler des Systems ist.

Was kann ich also tun, um das – zumindest für mich – zu ändern?

Es gibt genug Tage im Jahr, an denen ich einfach aufgeben, meine Sachen packen und handgehäkelte Taschen an einem Strand auf Jamaica verkaufen möchte. Es gibt Tage, da beneide ich den Baggerfahrer, dessen Aufgabe darin besteht ein Loch zu baggern. Möglichst genau und gemäß irgendwelchen Plänen – wohl wissend, dass dies eine maßlose Unterschätzung des Berufs ist.

Jedoch habe ich Verantwortung. Einerseits mir selbst, andererseits, und das wiegt um einiges schwerer, meiner Familie gegenüber. Dies ist der einzige Grund, warum ich mich jeden Tag aufs Neue dem täglichen Schwachsinn hingebe. Somit bleibt mit genau nur Eines zu tun: den Fehler zu erkennen, zu verstehen und für mein Leben einen Virus programmieren, der mit die Freiheit und das Durchhaltevermögen schenkt, mich nicht von dem System vollständig einvernehmen zu lassen.

Doch wie soll das gelingen? Laotse gibt uns die Lösung direkt mit: Nach vollbrachtem Werk zurückziehen, das ist der Weg des Himmels.

Den Scheitelpunkt erkennen, wenn etwas vollbracht ist, ist der Knackpunkt an der Geschichte. Das geht nur mit Achtsamkeit, sich selbst, aber auch anderen Gegenüber. Zu erkennen, ab wann das Band überrissen wird und dann gut sein zu lassen.

Das Bedarf viel Trainings und Disziplin. Beides Dinge zu denen ich im letzten Jahr einfach zu faul war. Das ständige Überreißen hat mich müde, mürbe und in gewisser Weise lethargisch gemacht. Etwas, an dem ich künftig wieder intensivst zu arbeiten habe.

Kapitel 9 erinnert mich unter anderem auch eine Geschichte des Buddha. Siddharta wackelt nach Jahren der Askese und Selbstkasteiung an einen Fluß. Er hatte erkannt, dass dieses Extrem nicht zu einem Ende des Leidens führt. Er trinkt etwas und zur gleichen Zeit fährt ein Boot den Fluß hinab in dem wahrscheinlich ein Musiklehrer mit seinem Schüler sitzt und ihm sagt:

“ Spannst Du die Saite zu fest, wird sie reißen, spannst Du sie zu locker, gibt sie keinen Ton. Erst das rechte Maß lässt die Saite voll erklingen.“  

Oder so ähnlich. Das rechte Maß ist es, was uns zu vollständigen Menschen werden lässt. Dies in einer Welt voller Extreme zu finden ist schwer. Doch man kann daran arbeiten.

In diesem Sinne!

Havamal heute – Einleitung –

Das Hávámál

Das Hávámál, des Hohen Lied, oder die Sprüche des Hohen sind eine Sammlung von etwa 164 Strophen / Sprüchen, die offiziell zur Lieder-Edda gehören. Sie werden dem nordischen Gott Odin zugesprochen, der den Menschen mit den Sprüchen eine Art Verhaltens-Kodex in die Hand gegeben hat, damit sie ehrenhaftes und erfolgreiches Leben führen können.

Wann das Hávámál entstanden ist, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Snorri Sturluson beim Niederschreiben der Edda natürlich 1. auf älteres Material zugriff und 2. vieles aus mündlichen Überlieferungen erstmals schriftlich erfasst hat.

Zudem ging es ihm nicht wirklich um den Inhalt der Geschichten und Überlieferungen, sondern in erster Linie um die Reimtechnik der alten Skalden – er wollte mit der Edda in erster Linie ein Lehrbuch für künftige Skalden, Dichter und Sänger erschaffen.

Das soll die Leistung von Snorri Sturluson keinesfalls schmälern, dank seiner Arbeit sind uns zumindest ein Teil der nordischen Göttersagen, Geschichten und Regelwerke erhalten geblieben!

Dennoch muss man einfach darauf hinweisen, dass Snorris Anliegen bei der Zusammenstellung der EDDA nicht der Erhalt des Inhalts war, sondern die Erstellung eines Lehrbuchs. Ebenso muss darauf hingewiesen werden, dass Snorri Christ war. Ich möchte nicht unterstellen, dass die Schriften christianisiert wurden, dennoch findet sich am Schluss der Völuspa ein durchaus christlicher Aspekt wieder. Demzufolge kann man durchaus annehmen, dass auch andere Passagen zwar nicht umgeschrieben, aber wohl beeinflusst sind.

Warum dieses Skript?

Man kann sich natürlich die Frage stellen, welchen Sinn und Wert ein schriftlich erfasstes Regelwerk in Reimform aus dem 11./12. Jahrhundert hat, das in seiner Form sogar noch viel älter ist. Welchen Einfluss kann denn ein solches Reimwerk auf die Menschen der heutigen Zeit haben?

Mal abgesehen von der Zeitspanne, die zwischen der Erstellung und heute liegt, hat sich der Mensch an sich nicht wirklich verändert. Unsere Umstände haben sich geändert, wir sind vermeintlich fortgeschrittener, unsere “Arbeit” hat sich verändert und wir sind nicht mehr darauf angewiesen auf Vikingr zu fahren, oder Land zu bestellen.

Aber wir als Mensch haben uns effektiv nicht verändert. Aus diesem Grund gibt es auf dieser Welt einige Werke, die eine über die Jahrtausende geltende Gültigkeit haben. Die zehn Gebote, die Sagen des Altertums, die Aufzeichnungen über den Buddha, das Tao te King, die Schriften von Konfuzius, oder auch Sun Tzes die Kunst des Krieges.

Zu diesen Werken zählt auch das Hávámál. Das Hávámál ist insofern interessant, da es einem europäischen Kulturkreis entspringt, der ein oder andere Leser wird dadurch möglicherweise einen anderen, oder schnelleren Zugang zu diesem Werk finden.

Aber sei es drum… der eigentlich Grund für dieses Skript ist der folgende:

Ich bin tierisch genervt.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Sozialgesellschaft in den letzten, sagen wir: 25 Jahren mächtig gedreht hat. Opportunisten, Gierhälse und Messerwetzer gab es natürlich auch schon damals, jedoch habe ich heute den Eindruck, dass es beinahe schon zum „Guten Ton“ gehört sich selbst über andere zu erheben, Mitmenschen zu denunzieren und niederzumachen, sich auf Kosten anderer zu bereichern, etc.

Die Anzahl der beruflichen und auch privaten Burnouts ist dramatisch angestiegen, ebenso die Anzahl derer, sich “möglichst nicht auffallen” wollen und alle mögliche unternehmen, um in ihrem kleinen Refugium alles in Ordnung zu halten.

Herz- und Hirnschläge ab einem Alter von etwa 30 Jahren gehören heutzutage zur Normalität, mit Magengeschwüren, Bluthochdruck und/oder Fettleibigkeit kämpft gefühlt jeder Dritte.

Lästereien, Gehässigkeiten, üble Nachrede, Dolchstöße, direkte Verbalattacken… es ist teilweise unfassbar, was man in einem durchschnittlichen Unternehmen mitbekommen muss. Oftmals erscheint mir der Schritt zur körperlichen Gewalt nur noch ein Kleiner zu sein, um nicht zu sagen, er wäre längst überfällig. Ein falsches Wort, eine falsche Bewegung und es wäre soweit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dies in meiner aktiven beruflichen und privaten Rest-Zeit leider noch miterleben muss.

Ich hatte immer das idealistische Bild, dass in einem Unternehmen alle Mitarbeiter in einem großen Gemeinschaftsprojekt an dem Erfolg des Unternehmens arbeiten. Mittlerweile denke ich eher, dass jeder Mitarbeiter an seinem eigenen persönlichen Erfolg arbeitet und dabei jede Art von Ehre, Moral, Loyalität, guten Umgangsformen und Gemeinschaft als lästig und störend ansieht…. sofern es seiner egoistischen Sache nicht dienlich ist.

Ich beziehe mich stark auf das Arbeitsumfeld, es sei mir verziehen. Hier verbringe ich den größten Teil meiner Zeit und habe leider keinen direkten Einfluss auf die Unternehmens- … „Philosophie“. Ich kann hier nur in meinem kleinen Umfeld so agieren, wie ich es für richtig halte.

In meinem Privatleben kann ich – den Göttern sei Dank – darauf achten, meine Zeit mit den richtigen Menschen und Taten zu verbringen und ein Arschloch entsprechend aus meinem Umfeld zu entfernen.

Ein Arbeitskollege von mir zeichnet immer das Bild von Managern mit Messern zwischen Zähnen in den Raum und ich glaube, dass er damit ein gutes Bild gewählt hat. Jedoch beschränkt sich das nicht mehr “nur” auf Managern in Führungsebenen, sondern auf jede Art von Arbeitnehmern und wahrscheinlich auch Arbeitgebern.

Als ich meine ersten Schritte in einem beruflichen Umfeld machte, habe ich mich immer gefragt, mit welchem meiner Kollegen möchte ich in einem Schützengraben liegen, wenn ich denn müsste. Oder, da wir das Hávámál behandeln: mit welchem meiner Kollegen möchte ich in einem Schildwall stehen. In den ganzen 20 Jahren beruflicher Aktivität sind es genau 2. Und mit beiden arbeite ich nun seit gut 7 bis 8 Jahren nicht mehr zusammen… die Wege haben sich einfach getrennt.

Ich glaube, dass wir etwas verloren haben. Nichts mystisches, oder religiös-esoterisches, sondern den einfachen Fakt, dass wir uns gegenseitig brauchen um voran zu kommen. Schriften, wie das Hávámál, können uns dabei helfen nicht die Orientierung zu verlieren und uns in schwierigen Situationen den Weg weisen.

Auch wenn ich mich größtenteils auf das Arbeitsumfeld beziehen werde bin ich davon überzeugt, dass diese kleinen Lehrsprüche auch für das Privatleben sinnvoll sind. Der Leser möge seine eigenen Schlüsse ziehen.

Ich beginne nicht heute, dies hier ist lediglich die Einleitung, eine Art Einführung in das Warum dieser Beitragsreihe. Ebenso wie das Tao Te King (an dem ich schon ewig nicht mehr geschrieben habe) in einer eigenen Kategorie zu finden ist, werde ich auch das Hávámál in einer Eigenen ablegen. So die Götter wollen, erfolgt demnächst der erste Spruch… 🙂

In diesem Sinne!

Erkenntnisse Update 2

Oha, mein letzter Beitrag ist nunmehr etwa… pfff…  MONATE her, so dass ich fast schon einen Jahresrückblick schreiben könnte… aber: man soll ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben (in meinem Fall wohl eher: bewerten), daher hebe ich mir dieses Resümee für einen späteren Zeitpunkt auf.

Um aber diesem Beitrag etwas mehr Inhalt zu geben, als ein einfaches „Hallo, ich lebe noch!“ nutze ich mein altes (längst überholtes) Versprechen, endlich den 2. Teil des Erkenntnisse-Beitrags zu schreiben. Here we go:

Seinerzeit bin ich von 7 Punkten ausgegangen, die ich mir regelmäßig vornehmen wollte.

  1. Gib einem Menschen Macht (versetze ihn unter Druck) und es zeigt sich sein wahrer Charakter.
  2. Der erste Eindruck ist (fast) immer richtig.
  3. Die Definition von Heimat
  4. Übergänge und Lebensabschnitte
  5. Gesundheit ist das höchste Gut
  6. Minimalismus als Sucht
  7. Veränderungen sind nicht immer gut, aber manchmal leider nötig

Bereits im ersten Teil habe ich diese Punkte dann teilweise zusammengefasst und beantwortet, hier würde ich sogar noch einen Schritt weiter gehen.. .aber legen wir doch einfach mal los:

Nicht auf das Jahresresümee vorgreifen wollend muss ich allerdings doch darauf hinweisen, dass 2018 ein äußerst unruhiges Jahr war. Interessant in weiten Teilen, aufreibend, aber auch spannend – es ist viel passiert, was nicht heißt, dass es irgendwie nach Vorne ging. 2018 würde ich eher als Umweg werten, mit dem ich an einer ähnlichen Stelle aussteigen werde, wo ich Ende 2017 losgefahren bin. Gut, dann ist es eben so.

  1. Gib einem Menschen Macht (versetze ihn unter Druck) und es zeigt sich sein wahrer Charakter.
  2. Der erste Eindruck ist (fast) immer richtig.

Ich denke die beiden Punkte können wir mittlerweile übergehen. Es ist so. Ausnahmen gibt es immer mal wieder, jedoch kann ich diese an einer Hand abzählen und habe immer noch genug Finger übrig um meinen Kaffeebecher problemlos halten zu können.

3. und 4. Die Definition von Heimat // Übergänge und Lebensabschnitte

Nach viel hin und her hat sich dann letztlich doch der Eindruck gefestigt, dass Heimat nur bedingt mit etwas mit Staatsbürgerschaft zu tun hat. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass das Blut einen gewissen Ruf ausübt und uns Menschen fühlen lässt, wo er sich wohlfühlt, und wo nicht. Der genetische Abdruck in uns lässt sich nicht verleugnen, er ist ja quasi eine Ansammlung von den Erfahrungen, Lebensumständen und Geschichten unserer Ahnen. Und wenn es Orte gibt, an denen ich mich zu Hause fühle, dann ist es in und bei meiner Familie, und dort wo Meer und Berge sind. Das mag nun äußerst seltsam klingen, doch wer schon einmal in Norwegen war, weiß was ich meine.

Wie ich bereits in einem älteren Beitrag geschrieben habe, ist mein Verhältnis zu Österreich sehr ambivalent. Ist dieses Ländchen Heimat? Ja. Und nein. Aber es gibt Fakten, um die ich nicht herumkomme. Ich weiß schlicht und einfach, dass ich mein Leben nicht in Deutschland beenden werde. Es ist ein inneres ziehen, eine seltsame Sehnsucht, die ich nicht fassen kann. Nun, da ich die Geschichte meiner Familie kenne, ist es nicht mehr ganz so seltsam… aber wie dem auch sei… also neben dem Wissen, dass Deutschland nicht meine Endstation ist, ergibt sich automatisch die Frage: ja was ist denn dann die Endstation?  Und hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es Österreich sein könnte, das Land, dessen Name auf meinem Personalausweis steht. Über die Gründe hierzu lasse ich mich gerne in einem späteren, bereits geplanten, Beitrag aus.

Und letztlich bezugnehmend auf den zweiten Teil des Abschnittes „Übergänge und Lebensabschnitte“: Im Moment geht etwas zu Ende. Eine sehr lehrreiche und anstrengende Phase. Wie lange es noch dauert und wann der genaue Zeitpunkt ist, keine Ahnung. Und evtl. schwappt mich das bereits im Anschluss befindliche Neue über die Landesgrenzen. Ich bin da offen.

5. Gesundheit ist das höchste Gut und 6. Minimalismus als Sucht

Während ich zu Punkt 6 nichts mehr zu schreiben / sagen habe, möchte ich Punkt 5 näher beleuchten:

Wie eigentlich immer ist meine Gesundheit so ziemlich das Letzte, auf das ich achte. Ich bewege ich zu wenig und ich esse zu viel und dann auch noch das Falsche. Sicher gibt es kurze Phasen, da achte ich drauf, aber letztlich ist es Augenwischerei. Ich mache mir etwas vor, ich bilde mit etwas ein. Ich bin zu fett und faul, arbeite zu lang und schlafe zu wenig. Ich nehme zu viele Kopfschmerztabletten und die darauf resultierende Überempfindlichkeit meines Magens beschwichtige ich mit Magentropfen. Und zu guter letzt bin ich voll auf Nasenspray. Ich weiß genau woran es liegt, bin aber zu stoisch, um das zu ändern. Meine Mutter sagte früher immer, dass dann irgendwann der Büffel ausbricht. Das ist bis dato nur wenige Male in meinem Leben passiert, führte aber immer zu einem kompletten Neuaufbau. Mag sein, dass es wieder passiert, aber vielleicht kommt mir ja das Leben zuvor…. denn wie im vorherigen Abschnitt schon geschrieben: es riecht nach Veränderungen.. und somit geht es weiter zu Punkt 7:

7.Veränderungen sind nicht immer gut, aber manchmal leider nötig, oder der Büffel in uns

Mütter sind schon irgendwie cool, sie sind in der Lage gewisse Eigenarten mit einfachen Worten auf den Punkt zu bringen. Für mich war es der „Büffel“. Mit diesem Büffel habe ich mein Leben nicht oft, aber doch öfter, ziemlich durcheinandergewirbelt. Es waren Phasen einer gewissen Reinigung, eines sich Trennens von alten, festgefahrenen und vor Allem belasteten Dinge. Natürlich waren diese Büffel-Phasen schmerzhaft, aufreibend und extrem anstrengend. Aber rückblickend immer gut. Es gibt Zeiten, da denke ich in diesem Zusammenhang an Shiva, den alten Hindu-Gott. Er zerstört Altes um Neues entstehen zu lassen. Wie passend.

Sicherlich bin ich heute nicht mehr ganz so impulsiv wie früher. Ich bin in der Lage mir länger auf die Zunge zu beißen und manches nicht mehr ganz so persönlich und ernst zu nehmen. Um so explosiver erscheinen dann ungewohnt laute Reaktionen von mir. In der heutigen Situation spitzt sich die Lage langsam aber sicher zu. Natürlich verstehe ich das, wenn die Nerven blank liegen und ungewöhnliche Aufgaben plötzlich auf dem Schreibtisch liegen. Wenn dies aber mit Aggression, Vorwurf und Beleidigung einher geht, wird nach und nach eine Grenze überschritten und im gleichen Zug somit erweitert, die schlicht und einfach nicht überschritten werden darf. Und genau das beobachte ich / muss ich leider in meinem direkten Umfeld beobachten. Und der Büffel fängt an zu schnauben.

Auch wenn es mich nicht direkt betrifft, hat so etwas natürlich Auswirkungen auf die Kollegialität, das Arbeitsumfeld, auf das Leben an sich. Was immer wieder unterschätzt wird, ist der Fakt, dass man mehr wache Zeit auf der Arbeit verbringt, als zu Hause und / oder mit Freunden. Schon alleine deshalb sollte das Arbeitsumfeld ein Ort sein, an dem man sich in gewisser Weise wohlfühlen darf. Bestimmt gibt es Unternehmen wo das möglich ist, da bin ich von überzeugt. Es gibt ganze Länder, die eine solche Arbeitskultur pflegen, man schaue einfach mal nach Skandinavien. Dort geht es seltsamerweise.

 

Resümee

Eigentlich gibt es keins. Ich beschreibe Situationen, keine Maßnahmen, keine Veränderungen. Ich schreibe über Dinge, die gemacht werden „müssten“, ich aber nur selten in der Lage bin zu tun. Es ist irgendwie frustrierend. Aber auch beruhigend. Seltsam oder?