Im Soge des Zuckerbergs

Ich sag mal so: ich mag ja dieses ganze Social Media Kram. Im Grunde bin ich seit Beginn der ganzen Spielereien dabei. Aus diesem ganzen Fundus an Social Media-Plattformen sind im Laufe der Zeit genau 3 übrig geblieben, mit denen ich mich mehr oder weniger regelmäßig beschäftige: facebook, Instagram, WhatsApp.

Nebenher habe ich noch meinen Twitter-Account, einen kleinen Tumblr-Blog und rutsche gelegentlich mal durch G+, aber mehr ist nicht mehr übrig geblieben. All das kurze Aufflackern hier und da, sei es nun diaspora, Vero, Eyeem, Snapchat, Pinterest, Foursquare, flickr, etc. pp. habe ich kurz mitgemacht, genutzt und irgendwann wieder fallengelassen. Teilweise ohne Grund, aber oftmals mit Grund und geringe Userzahlen haben mich dabei eher nicht gestört. Oftmals war es das Fehlen einer vernünftigen App, oder der Dienst bedient eine Nische, in die ich nicht mehr gehörte. Oft war es auch die fehlende Interaktionsmöglichkeit (die möglicherweise mittlerweile implementiert wurde). 

Ich denke, Ihr seht schon das Dilemma…

Diese Trias bestehend aus facebook, Instagram und WhatsApp gehören mittlerweile alle zum Zuckerberg-Konglomerat. Ob ich es nun wollte oder nicht, hat sich der gute Mark, mit seinem scheinbar wirklich guten Näschen, alle Dienste reingesaugt, die über großes Potential verfügen. Zu recht, denn WhatsApp ist DER Standardmessenger und Instagram DER Standard-Bilderdienst.

Und eigentlich könnte alles ganz cool sein, wenn nicht unser Mark anfangen würde seine drei Dienste umzubauen.

 

 

 

 

 

Aber was heißt das im Detail?

Jeder, der facebook und Instagram nutzt, wird in den letzten Monaten einige Änderungen festgestellt haben. Was mich wirklich wirklich nervt ist die Tatsache, dass ich mit Werbung zugeballert werde. Das funktioniert im Sinne des Unternehmens wirklich gut. Es ist egal, ob ich nach Socken, Mützen oder einem neuen Tiefschutz für mein Training suche, ich kann mir sicher sein im nächsten Feed entsprechende Werbung zu finden. Wilde Werbungen kommen seit Anfang des Jahres dazu. Irgendwelche Indianer, die meine Zukunft kennen, prügeln sich mit Bosekopfhörern um die schönsten Hotels in Südsibirien. Schlimm.

Für WhatsApp sind ja auch diverse Änderungen angekündigt worden, bisher ist mir noch nichts aufgefallen. Viel wurde gemunkelt, über Werbenachrichten und direkte Kommunikation mit irgendwelchen Chatbots von Firmen war die Rede – eine entsprechende api wäre wohl in der Entwicklung… letztlich macht der Mark das doch eh!

Bezeichnend war seine Anhörung vor dem SENAT in den USA letztes Jahr. Zwischenzeitlich war ich mir nicht sicher, ob dort der echte Mark sitzt, oder nur ein Bot. Wir werden es wohl nie erfahren. Doch geändert hat sich seither nichts… nun ja, fast nichts, denn Mark hat seine Pläne einfach weitergetrieben, denn facebook, Instagram und WhatsApp beginnen zu verschmelzen.

Allen möglicherweise positiven Nachrichten (wie end2end-Verschlüsselung) zum Trotz, bedeutet es letztlich, dass Mark alle Userdaten aus facebook, Instagram und WhatsApp zusammenfügt und in seinem Zuckerberg horten kann.

Gut. Ich habe sowieso den Verdacht, dass er das schon längst macht und entsprechend nutzt. Denn der Sinn eines Unternehmens ist es Gewinn zu erwirtschaften. Und der einzige Wert von Zuckerbergs Unternehmen sind unsere Daten.

Und für viele sind es nicht nur Daten, es sind aufgezeichnete Leben (!).

Eines ist mal sicher, jeder, der sich mit Social Medias beschäftigt und diese nutzt, ist sich darüber im Klaren / sollte sich darüber im Klaren sein, dass das was er postet offen liegt und genutzt werden kann – sei es nun erlaubt, oder nicht. Jeder mit solchen Accounts lebt sein Leben auf irgendeine Art und Weise „öffentlich„!

So, aber zurück zum Thema. Ich sag’s ganz offen: ich habe damit ein Problem. Oft habe ich mich gefragt, wieso ich ausgerechnet diese drei Dienste gewählt habe. Natürlich war es eine Art Gruppenzwang: die Leute, mit denen ich kommunizieren wollte, waren und sind hier anzutreffen. Es war auch Bequemlichkeit, denn die zugehörigen Apps sind einfach gut designt und eingängig gestaltet. Und zum Dritten sind sie performant. Man hat keine großen Ladezeiten, kann schnell durch die Timeline scrollen, etc.

Lediglich WhatsApp fand ich schon immer doof. Ich stehe hier eher auf die Google-Systeme. Mit Hangouts hat Google einfach etwas Großes geschaffen. Aber trotz Zigmillionen Google-Accounts und Android Smartphones nutzt es kaum einer.

Allo zum Beispiel ist ein Traum von Messenger. Doch nach einer erfolglosen Phase und einigen Umbauten geht er im März offline. Unglaublich!

WhatsApp ist einfach scheiße. Ich nutze es, weil es jeder benutzt. Sogar berufliche Kommunikation läuft über den Dreck von App und hier knüpft sich ein großer Kritikpunkt an: der Zuckerbergsche Datenriese sammelt mit der Zusammenlegung auch meine berufliche Kommunikation UND VERKNÜPFT diese mit dem privaten Mist, den ich online so treibe. Gut, ich muss WhatsApp ja nicht nutzen… und hier beißt sich die Schlange und so…

Ich habe daraufhin mal mein eigenes Nutzerprofil erstellt und mich gefragt wie und warum ich die 3 Apps überhaupt nutze:

facebook: nutze ich als eine Art Newsticker. Hier habe ich Seiten zu Themen abonniert, die mich einfach interessieren. Norwegische Nachrichtensender, österreichische Parteien, die News von Borussia Mönchengladbach, Info-Seiten zu chinesischen Kampfkünsten etc. etc… zudem bin ich Mitglied in der einen oder anderen Gruppe. Paleo-Ernährung, Fußball, Musik, Tanz  (ja, ich tanze tatsächlich Lindy Hop und das sogar gerne), Norwegen, Österreicher im Ausland, etc. etc. und dann nutze ich facebook noch zur Veranstaltungsplanung. Ob es nun Konzerte sind, Volksfeste, Swing-Events, völlig wurscht.

Ich nutze facebook NICHT zur Kommunikation, oder zum Posten von denkwürdigen Alltagsfotos.

Instagram: bei Instagram habe ich sogar 2 Accounts. Eines nutze ich ähnlich wie facebook, nur eben mit Bildern, zudem hat Instagram die charmante Funktion eine Art Bildertagebuch möglich zu machen, was ich sehr sehr cool finde. Mein 2. Account ist ein privater Account den ich für Selfies nutze. Nicht aus narzisstischen Gründen, sondern aus einem Tick heraus. Ich habe irgendwann mal angefangen mehr oder weniger unregelmäßig nen Selfie zu machen. Einfach um mal zu sehen, wie sich was im Laufe der Zeit so verändert. Nie für die Öffentlichkeit, sondern nur für mich. Instagram hat den Spaß massiv vereinfacht. Insgesamt ist Instagram der Dienst, den ich derzeit am Häufigsten nutze.

WhatsApp: nutze ich zumeist (aus Zwang) beruflich, privat nur wenn ich muss.

 

Aber was bedeutet das nun für meine Zukunft mit diesem 3 Apps?

my facebook future: no real change. Ich nutze die App nicht auf dem Smartphone und surfe vielleicht 1-2x die Woche mit meinem Book drüber, um mal grob durch die Gruppen zu gucken und ein paar News zu lesen. Aktiv bin ich hier schon länger nicht mehr. Leider gibt es zu fb keine wirkliche Alternative, werde mich aber dennoch künftig mehr bei tumblr und ggf. bei Google+ herumtreiben.

my Instagram future: Schade. Echt schade. Ich mochte / mag Instagram wirklich sehr, dennoch werde ich mich hier zurückziehen und eine Alternative suchen. Eventuell kehre ich zu flickr zurück, mal sehen wie sich der Dienst in den letzten Jahren so entwickelt hat.

my WhatsApp future: Es gibt keine. Mit meiner kleinen Family kommuniziere ich über Allo und Hangouts. Freunde und Bekannte werde ich informieren, meine große Familie werde ich versuchen von einem Umzug zu überzeugen. Und berufliche Kommunikation über WhatsApp werde ich einstellen. Drecks-App.

 

Soooviel dazu. Wenig technisch, viel eigene Meinung – wenig politisch, viel Innenansicht. Mal abgesehen von dem Geschriebenen wird mir der Facebook-Konzern zunehmend dubios. Die Politik von Mark Zuckerberg ist mir hier nicht ganz klar, allerdings geben die gebrochenen Versprechen erstmal gegenüber der Entwickler und der zukünftigen Unabhängigkeit der Dienste einen klaren Hinweis auf das, wo es hinausläuft. Die aktuelle Werbeflut in bei fb und Instagram ist ja vorerst nur der Anfang und ich mag mir nicht ausmalen, wohin das alles letztlich führen soll. End2End Verschlüsselung hin oder her, letztlich geht es hier um die Zusammenlegung von 3 unterschiedlichen User-Profilen zur Erstellung eines Gesamtprofils. Ich hatte beispielsweise einen klaren Grund für die Auswahl von 3 Diensten – selbst wenn ich alles hätte über fb laufen lassen können. Mit der Bündelung ist dieser klare Grund allerdings obsolet. Und somit bin ich raus, mein lieber Mark – ich habe leider kein Foto mehr für Dich.

In diesem Sinne, meine Lieben!

 

Havamal heute – 1. Spruch

Der Ausgänge halber bevor Du eingehst, stelle Dich sicher, denn ungewiss ist, wo Widersacher im Hause halten.

Beim ersten Lesen des Spruches war ich sofort in der alten Zeit. Man kommt als Fremder / Reisender in einen unbekannten Ort und betritt die Halle, um sich und sein Anliegen vorzutragen. Natürlich fühlt man sich unwohl, sieht sich die Leute vielleicht etwas genauer an und eruiert mögliche Fluchtwege. Was sollte dieser Spruch mit der heutigen Zeit zu tun haben, in der man in relativer Sicherheit unterwegs sein kann?

Doch letztlich passt dieser Spruch perfekt in diese Tage, denn mal abgesehen von den martialischen Gedanken, die sich aufdrängen sind die Gefahren nicht kleiner geworden. Warum?

Wer bitte kennt denn nicht die Situation, dass der Kollege in der Arbeit, mit dem man sich so gut versteht, einem in einem Meeting plötzlich in den Rücken fällt? Oder ein eigentlich enger Freund hinter Deinem Rücken über Dich lästert? Die Gründe sind einfach… sei es nun Selbstschutz, Narzißsmus, oder einfach nur die Möglichkeit von sich selbst abzulenken.

In meiner Wahrnehmung haben sich solche Momente sogar noch gehäuft in den letzten Jahren. Das mag natürlich subjektiv sein.

Dieser Spruch will uns genau darauf aufmerksam machen. Sei nicht zu vertrauensvoll, schraube Deine Erwartungen runter, verlasse Dich nicht auf andere, denn jeder, wirklich jeder könnte einen Dolch hinter dem Rücken verstecken. Sei also vorbereitet und achte auf die Kleinigkeiten, halte Dir immer einen Ausweg bereit.

Möglicherweise klingt das ein wenig paranoid, doch denkt einfach mal darüber nach. Sicher ist ein wirklicher Freund, mit dem man vieles erlebt und durchlebt etwas anderes. Aber bedenkt der vielen oberflächlichen Bekanntschaften und Menschen, die euch mit einem einnehmenden Charme unbewusst auf ihre Seite bringen. Fragt euch einfach selbst, ob ihr – und hier muss ich dann doch wieder auf die alte Wikinngerzeit zurückgreifen – diesen Mensch neben euch in einem Schildwall stehen haben wollt.

Ich glaube, das macht vieles klar und lässt euch – so einige mehr oder minder intensive Beziehungen – hinterfragen.

In diesem Sinne.

Jahresrückblick 2018

Das Problem ist, ich kann mich kaum noch an dieses Jahr erinnern. Das liegt nicht daran, dass ich an Demenz, Alkoholismus oder Amnesie leide, sondern schlicht daran, dass

  1. nichts von Belang,
  2. aber dafür viel zu viel passiert ist.

Wie bereits in einem anderen Beitrag erwähnt, habe ich den Eindruck, dass ich fast genau an dem Punkt aus diesem Jahr aussteige, wo ich es begonnen habe. Das Jahr war eine Schleife und ganz sicher keine Gute, soviel ist mir bereits klar und das wird sich auf den letzten Metern in diesem Jahr auch nicht mehr ändern.

Es gibt etwa eine Handvoll konkrete Dinge, die ich tatsächlich bedauere:

  • so gut wie NO MARTIAL ARTS dieses Jahr. Anfangs war es keine Zeit, am Ende eine andauernde Schwere. Das mag wie eine Ausrede klingen und möglicherweise ist es das auch sogar. Rückblickend hätte ich mich wirklich – zumindest unregelmäßig/gelegentlich aufraffen können/müssen – im Nachhinein ist das aber immer leicht zusagen. Ich bin beinahe täglich die Form gelaufen und habe das Training meiner Tochter meiner genutzt um zumindest halbwegs im „Gefühl“ zu bleiben. Natürlich ist das nicht dasselbe wie regelmäßiges Training und genau das ist ein Umstand, den ich 2019 ändern werde.
  • kein neuer Job. Irgendwann im Frühjahr 2018 hatte ich die Möglichkeit das Unternehmen zu wechseln und mein Job-Profil zumindest in eine etwas andere Richtung zu drücken. Ich habe es seinerzeit -nach langem hin und her- ausgeschlagen. Einerseits waren es die Veränderungen in meinem  jetzigen Unternehmen die mich – wenn nicht motiviert- so zumindest neugierig gemacht haben, zum anderen war es die Kollegialität und der Geruch nach einer Möglichkeit mich persönlich weiterzuentwickeln. Heute weiß ich, dass ich mich schlichtweg habe einlullen lassen.
  • Gewichtsreduktion. Hier habe ich völlig versagt. Ausgehend von etwas über 90 kg lag mein Ziel zum Jahresende bei 81 kg Körpergewicht. Das ist mein normales Kampf- und Wohlfühlgewicht. Aktuell bin ich bei einer dreistelligen Anzeige auf der Waage angelangt, was nett formuliert bedeutet: ich habe mein Ziel verfehlt. Ich bin ein Frust- und Stressfresser. Und bis auf meinen Norwegen-Urlaub im August, war der Rest des Jahres fast ausschließlich von Stress und Frust geprägt. Das Blöde ist jetzt eigentlich nur, dass es nicht so aussieht, als ob sich das im nächsten Jahr ändern wird. Hier setze ich als Gedankenstütze einfach mal den Begriff: Initiative.
  • weniger Konsum. Stellenweise hat es ganz gut funktioniert, doch im Resümee ist dies lediglich ein weiteres Ding, das ich nicht geschafft habe. Dieser Punkt schließt sich quasi nahtlos an die oberen 3 Punkte an.

Zusammengefasst ist es Disziplinlosigkeit und eine gewisse Form von Schwäche, die mich dieses Jahr begleitet haben. Sicherlich den Umständen geschuldet, aber ganz sicher auch der fehlenden Willenskraft die genannten Dinge anzugehen und mir selbst die nötigen Freiräume zu schaffen, um auch die Kraft dafür zu haben.

Es sagt sich immer leicht und letztlich klingt ja auch alles logisch. Die Umsetzung aber ist schwer und ich gehöre zu den Typen, die es Tag für Tag aufschieben um dann irgendwann zu erkennen, dass das Jahr beinahe rum ist. Willenskraft ist ein Schlagwort, Disziplin das andere.

Soviel zu den berufsbedingenten Ausfällen… was ich diesen Ausfällen allerdings entgegensetzen konnte ist meine Familie. Trotz des Stresses und der gesundheitlichen „Strapazierung“ habe ich versucht jeden Moment mit meiner Family zu genießen. Dies ist mir über das Jahr hinweg erstaunlich gut gelungen. Natürlich habe ich es nicht immer geschafft meinen Job vollständig abzugrenzen, aber das ist wohl einfach menschlich.

Neben all den Dingen, die nicht wirklich gelungen waren in diesem Jahr, gab es aber auch ein / zwei wirklich positive Sachen:

  • Im Sommer war ich Land meiner Ahnen –  in Norwegen. Ich habe eine Hytta im Gebirge Südnorwegens gemietet und mich nach der Anreise gefragt, ob ich es wirklich 2,5 Woche in völliger Abgeschiedenheit mit meiner Familie aushalten könnte. Ja, es war möglich und zugegebenermaßen war es die beste Zeit in diesem Jahr die ich hatte. Dieser Urlaub hat mich geerdet, die Kraftreserven wieder aufgestockt und mir für den Rest des Jahres Halt gegeben. Gut, in den letzten Tagen bin ich wieder an die Grenzen gekommen, aber immerhin hat es für eine ganze Weile ausgereicht.
  • Ich habe in diesem Jahr gelernt auch für die kleinen Dingen dankbar zu sein. Ja, ich weiß, eigentlich WEIß MAN, dass man genau das sein sollte. Aber mal ehrlich – wer ist es denn wirklich? Durch all den Stress und dem Ausgelutscht sein war ich wirklich dankbar dafür, dass meine Tochter mich jeden Abend so genommen hat, wie ich war. Eine spontane Umarmung kann allen Dreck abperlen lassen. Ein Abendessen mit der Familie ist regelrecht heilsam und nach einer ätzenden Arbeitswoche an einem Samstag Morgen mit einer kalten Tasse Kaffee und einem geschmacklosen Muffin in der Turnhalle zu hocken um eine Gürtelprüfung (Karate) zu erleben ist tatsächlich einfach nur wunderbar… also: im Nachhinein…

Auch wenn ich nun am Ende des Jahres an beinahe derselben Stelle angekommen bin, an der ich eingestiegen bin, hat es mich zumindest etwas weitergebracht. Auch wenn nicht die gefühlten „großen Veränderungen“ eingetreten sind, hat es etwas in Schwung gebracht.

Was bedeutet das nun für das kommende Jahr? Ich bin mir nicht sicher. Fakt ist, dass die berufliche Achterbahnfahrt so weitergeht wie bisher. Ich muss mich also entweder damit arrangieren und einen Weg finden damit klar zu kommen, oder ich muss persönliche Konsequenzen walten lassen. Aktuell neige ich zu den Konsequenzen, benötige aber ein vernünftiges und vor Allem für meine Family tragbares Backup.

Für mich Privat wird 2019 ein Jahr der Stabilisierung. Meiner großen und in 2018 völlig verschmähten Liebe zur Kampfkunst werde ich auf jeden Fall wieder Leben einhauchen. Die zurückliegende Abstinenz verspricht mir für die ersten Wochen wieder einige Schmerzen… nun gut… ich will es ja nicht anders… 😉

Das Thema Gesundheit und Ernährung habe ich ebenfalls völlig außen vor gelassen. Wie oben beschrieben habe ich mich hier wirklich gehen lassen, was meine allgemeine  Verfassung, meine Gesundheit und letztlich natürlich meine Waage auch entsprechend honoriert hat.

Mehr „quality time“. Auch so ein Schlagwort. Meine quality time 2018 war in Norwegen und in der Familie. 2019 will ich das ausweiten und mehr quality time im Jahr planen und  durchziehen. An Norwegen hat mir die Ruhe, die Nähe zur Natur und die rauhe, klare Kraft gefallen, es war reinigend. Ich will versuchen zumindest diese Ruhe und die Nähe zur Natur mit meiner Family in den (freien) Alltag zu bringen.

Ehrlich sein ist nicht leicht. Ich denke hierbei nicht an die klassische Lüge, sondern eher an all das, was man hinunterschluckt, unbewusst vorgaukelt oder einfach nicht so meint. Ehrlichkeit ist ein generelles Problem heute. Vielleicht war es das auch immer, keine Ahnung. Ich will auf jeden Fall versuchen ehrlicher zu sein – vor Allem mir selbst gegenüber. Ein Ja muss ein Ja sein – und ebenso ein Nein eben ein Nein. Diese Larifari-Arschlecker-Mentalität, die mir beinahe täglich begegnet ist einfach zum Kotzen und insbesondere in diesem, ablaufenden Jahr, habe ich eine völlige Aversion dagegen entwickelt – mir wird regelrecht schlecht, wenn ich das mitbekomme… und da ich nicht verurteilen kann, was ich (möglicherweise unbewusst) selber mache, will ich mehr darauf achten, was ich sage, wie ich es sage und ob ich es auch so meine. was mich zum letzten Punkt bringt:

Achtsamkeit. Gut, ich halte mich selber prinzipiell für einen achtsamen Menschen. Ja klar, der eigene Eindruck mag auch mal täuschen, ich weiß, habe aber auch kein Problem damit. Achtsamkeit ist etwas, an dem man täglich arbeiten muss. Auch das gelingt mir mal mehr, aber auch mal weniger gut. Dennoch will ich versuchen, von meiner Basis aus,  Unachtsamkeit nicht mehr zu tolerieren. Vielleicht liegt es am Alter und an der viel beschworenen Altersradikalität, aber mich nervt das nur noch.

Sooo… Mehr habe ich zu dem abgelaufenen Jahr nicht zu sagen und mehr Voraussicht auf 2019 wage ich aktuell nicht.

Also… ich werde berichten. In diesem Sinne! Guten Rutsch und ein in jeder Hinsicht erfolgreiches Jahr 2019.

Tao Te King – Kapitel 9

Nun, nach ziemlich genau einem Jahr, geht es weiter mit dieser kleinen Reihe. Und wie es die Götter offenbar wollen beschreibt dieses Kapitel -wie zum Hohn- zumindest einen Teil der Dinge, die im noch laufenden Jahr gewirkt haben / wirken… ich hätte mir das Büchlein des Alten aus China bereits früher wieder greifen sollen…

Aber lest selbst, ich denke hier wird sich jeder selbstreflektierende Mensch schnell wieder erkennen:

(Richard Wilhelm)

Etwas festhalten wollen und dabei es überfüllen:
das lohnt der Mühe nicht.
Etwas handhaben wollen und dabei es immer scharf halten:
das läßt sich nicht lange bewahren.
Mit Gold und Edelsteinen gefüllten Saal
kann niemand beschützen.
Reich und vornehm und dazu hochmütig sein:
das zieht von selbst das Unglück herbei.
Ist das Werk vollbracht, dann sich zurückziehen:
das ist des Himmels Sinn.

 

(Gia Fu-Feng & Jane English)

Plötzlich innehalten ist besser als bis zum Rand zu füllen. Schärfe die Klinge übermäßig, und die Schneide wird bald stumpf. Gold und Jade füllen die Halle, wer kann sie sicher aufbewahren? Ruhm und Reichtum machen stolz, wer als man selbst ist zu tadeln?

Ziehe Dich zurück, wenn die Leistung vollbracht ist. Dies ist der Weg des Himmels.

 

(Liu De Ming)

Etwas festhalten und übertreiben, ist nicht so gut, wie es sich selbst zu überlassen. Wenn man es zugleich poliert und schärft, kann man es nicht lange beschützen. Gold und Jade gefüllte Paläste, kann niemand bewachen. Reich und geehrt, und doch hochmütig, liefert man sich seinem Unglück aus.

Nach vollbrachtem Werk das Selbst zurückziehen, das ist der Weg des Himmels.

So einfach und einleuchtend diese Zeilen sind, so schwer sind sie einzuhalten. Was hier relativ schlicht und anschaulich erläutert wird ist der Fakt, dass man die Dinge nicht überreißen sollte. Mit dem Passus der Reichtümer auch, dass man nicht an Dingen hängen, sich binden sollte.

Was so logisch klingt ist für uns (leider) nur schwer zu verstehen… vielleicht sogar, wenn es denn verstanden wird, schwer zu akzeptieren… und noch schwerer umzusetzen. Ich gehöre zum Beispiel zu den Typen, die sich selbst mehr abverlangen als gut ist. Krank zur Arbeit zu gehen ist dabei einer meiner Fehler, sich nicht genug Ruhezeiten zu schenken, gesund zu essen und mehr auf sich zu achten ein weiterer. Diese Liste könnte ich quasi endlos fortführen und ich frage mich öfter mal, ob es mein persönlicher Fehler, oder ein Fehler unseres Systems ist.

Wenn ich der einzige Mensch in unserer Gesellschaft wäre der so ist, wäre die Antwort schnell gefunden. Doch ich bin es nicht. Somit schlussfolgere ich, dass es ein Fehler des Systems ist.

Was kann ich also tun, um das – zumindest für mich – zu ändern?

Es gibt genug Tage im Jahr, an denen ich einfach aufgeben, meine Sachen packen und handgehäkelte Taschen an einem Strand auf Jamaica verkaufen möchte. Es gibt Tage, da beneide ich den Baggerfahrer, dessen Aufgabe darin besteht ein Loch zu baggern. Möglichst genau und gemäß irgendwelchen Plänen – wohl wissend, dass dies eine maßlose Unterschätzung des Berufs ist.

Jedoch habe ich Verantwortung. Einerseits mir selbst, andererseits, und das wiegt um einiges schwerer, meiner Familie gegenüber. Dies ist der einzige Grund, warum ich mich jeden Tag aufs Neue dem täglichen Schwachsinn hingebe. Somit bleibt mit genau nur Eines zu tun: den Fehler zu erkennen, zu verstehen und für mein Leben einen Virus programmieren, der mit die Freiheit und das Durchhaltevermögen schenkt, mich nicht von dem System vollständig einvernehmen zu lassen.

Doch wie soll das gelingen? Laotse gibt uns die Lösung direkt mit: Nach vollbrachtem Werk zurückziehen, das ist der Weg des Himmels.

Den Scheitelpunkt erkennen, wenn etwas vollbracht ist, ist der Knackpunkt an der Geschichte. Das geht nur mit Achtsamkeit, sich selbst, aber auch anderen Gegenüber. Zu erkennen, ab wann das Band überrissen wird und dann gut sein zu lassen.

Das Bedarf viel Trainings und Disziplin. Beides Dinge zu denen ich im letzten Jahr einfach zu faul war. Das ständige Überreißen hat mich müde, mürbe und in gewisser Weise lethargisch gemacht. Etwas, an dem ich künftig wieder intensivst zu arbeiten habe.

Kapitel 9 erinnert mich unter anderem auch eine Geschichte des Buddha. Siddharta wackelt nach Jahren der Askese und Selbstkasteiung an einen Fluß. Er hatte erkannt, dass dieses Extrem nicht zu einem Ende des Leidens führt. Er trinkt etwas und zur gleichen Zeit fährt ein Boot den Fluß hinab in dem wahrscheinlich ein Musiklehrer mit seinem Schüler sitzt und ihm sagt:

“ Spannst Du die Saite zu fest, wird sie reißen, spannst Du sie zu locker, gibt sie keinen Ton. Erst das rechte Maß lässt die Saite voll erklingen.“  

Oder so ähnlich. Das rechte Maß ist es, was uns zu vollständigen Menschen werden lässt. Dies in einer Welt voller Extreme zu finden ist schwer. Doch man kann daran arbeiten.

In diesem Sinne!

Havamal heute – Einleitung –

Das Hávámál

Das Hávámál, des Hohen Lied, oder die Sprüche des Hohen sind eine Sammlung von etwa 164 Strophen / Sprüchen, die offiziell zur Lieder-Edda gehören. Sie werden dem nordischen Gott Odin zugesprochen, der den Menschen mit den Sprüchen eine Art Verhaltens-Kodex in die Hand gegeben hat, damit sie ehrenhaftes und erfolgreiches Leben führen können.

Wann das Hávámál entstanden ist, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Snorri Sturluson beim Niederschreiben der Edda natürlich 1. auf älteres Material zugriff und 2. vieles aus mündlichen Überlieferungen erstmals schriftlich erfasst hat.

Zudem ging es ihm nicht wirklich um den Inhalt der Geschichten und Überlieferungen, sondern in erster Linie um die Reimtechnik der alten Skalden – er wollte mit der Edda in erster Linie ein Lehrbuch für künftige Skalden, Dichter und Sänger erschaffen.

Das soll die Leistung von Snorri Sturluson keinesfalls schmälern, dank seiner Arbeit sind uns zumindest ein Teil der nordischen Göttersagen, Geschichten und Regelwerke erhalten geblieben!

Dennoch muss man einfach darauf hinweisen, dass Snorris Anliegen bei der Zusammenstellung der EDDA nicht der Erhalt des Inhalts war, sondern die Erstellung eines Lehrbuchs. Ebenso muss darauf hingewiesen werden, dass Snorri Christ war. Ich möchte nicht unterstellen, dass die Schriften christianisiert wurden, dennoch findet sich am Schluss der Völuspa ein durchaus christlicher Aspekt wieder. Demzufolge kann man durchaus annehmen, dass auch andere Passagen zwar nicht umgeschrieben, aber wohl beeinflusst sind.

Warum dieses Skript?

Man kann sich natürlich die Frage stellen, welchen Sinn und Wert ein schriftlich erfasstes Regelwerk in Reimform aus dem 11./12. Jahrhundert hat, das in seiner Form sogar noch viel älter ist. Welchen Einfluss kann denn ein solches Reimwerk auf die Menschen der heutigen Zeit haben?

Mal abgesehen von der Zeitspanne, die zwischen der Erstellung und heute liegt, hat sich der Mensch an sich nicht wirklich verändert. Unsere Umstände haben sich geändert, wir sind vermeintlich fortgeschrittener, unsere “Arbeit” hat sich verändert und wir sind nicht mehr darauf angewiesen auf Vikingr zu fahren, oder Land zu bestellen.

Aber wir als Mensch haben uns effektiv nicht verändert. Aus diesem Grund gibt es auf dieser Welt einige Werke, die eine über die Jahrtausende geltende Gültigkeit haben. Die zehn Gebote, die Sagen des Altertums, die Aufzeichnungen über den Buddha, das Tao te King, die Schriften von Konfuzius, oder auch Sun Tzes die Kunst des Krieges.

Zu diesen Werken zählt auch das Hávámál. Das Hávámál ist insofern interessant, da es einem europäischen Kulturkreis entspringt, der ein oder andere Leser wird dadurch möglicherweise einen anderen, oder schnelleren Zugang zu diesem Werk finden.

Aber sei es drum… der eigentlich Grund für dieses Skript ist der folgende:

Ich bin tierisch genervt.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Sozialgesellschaft in den letzten, sagen wir: 25 Jahren mächtig gedreht hat. Opportunisten, Gierhälse und Messerwetzer gab es natürlich auch schon damals, jedoch habe ich heute den Eindruck, dass es beinahe schon zum „Guten Ton“ gehört sich selbst über andere zu erheben, Mitmenschen zu denunzieren und niederzumachen, sich auf Kosten anderer zu bereichern, etc.

Die Anzahl der beruflichen und auch privaten Burnouts ist dramatisch angestiegen, ebenso die Anzahl derer, sich “möglichst nicht auffallen” wollen und alle mögliche unternehmen, um in ihrem kleinen Refugium alles in Ordnung zu halten.

Herz- und Hirnschläge ab einem Alter von etwa 30 Jahren gehören heutzutage zur Normalität, mit Magengeschwüren, Bluthochdruck und/oder Fettleibigkeit kämpft gefühlt jeder Dritte.

Lästereien, Gehässigkeiten, üble Nachrede, Dolchstöße, direkte Verbalattacken… es ist teilweise unfassbar, was man in einem durchschnittlichen Unternehmen mitbekommen muss. Oftmals erscheint mir der Schritt zur körperlichen Gewalt nur noch ein Kleiner zu sein, um nicht zu sagen, er wäre längst überfällig. Ein falsches Wort, eine falsche Bewegung und es wäre soweit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dies in meiner aktiven beruflichen und privaten Rest-Zeit leider noch miterleben muss.

Ich hatte immer das idealistische Bild, dass in einem Unternehmen alle Mitarbeiter in einem großen Gemeinschaftsprojekt an dem Erfolg des Unternehmens arbeiten. Mittlerweile denke ich eher, dass jeder Mitarbeiter an seinem eigenen persönlichen Erfolg arbeitet und dabei jede Art von Ehre, Moral, Loyalität, guten Umgangsformen und Gemeinschaft als lästig und störend ansieht…. sofern es seiner egoistischen Sache nicht dienlich ist.

Ich beziehe mich stark auf das Arbeitsumfeld, es sei mir verziehen. Hier verbringe ich den größten Teil meiner Zeit und habe leider keinen direkten Einfluss auf die Unternehmens- … „Philosophie“. Ich kann hier nur in meinem kleinen Umfeld so agieren, wie ich es für richtig halte.

In meinem Privatleben kann ich – den Göttern sei Dank – darauf achten, meine Zeit mit den richtigen Menschen und Taten zu verbringen und ein Arschloch entsprechend aus meinem Umfeld zu entfernen.

Ein Arbeitskollege von mir zeichnet immer das Bild von Managern mit Messern zwischen Zähnen in den Raum und ich glaube, dass er damit ein gutes Bild gewählt hat. Jedoch beschränkt sich das nicht mehr “nur” auf Managern in Führungsebenen, sondern auf jede Art von Arbeitnehmern und wahrscheinlich auch Arbeitgebern.

Als ich meine ersten Schritte in einem beruflichen Umfeld machte, habe ich mich immer gefragt, mit welchem meiner Kollegen möchte ich in einem Schützengraben liegen, wenn ich denn müsste. Oder, da wir das Hávámál behandeln: mit welchem meiner Kollegen möchte ich in einem Schildwall stehen. In den ganzen 20 Jahren beruflicher Aktivität sind es genau 2. Und mit beiden arbeite ich nun seit gut 7 bis 8 Jahren nicht mehr zusammen… die Wege haben sich einfach getrennt.

Ich glaube, dass wir etwas verloren haben. Nichts mystisches, oder religiös-esoterisches, sondern den einfachen Fakt, dass wir uns gegenseitig brauchen um voran zu kommen. Schriften, wie das Hávámál, können uns dabei helfen nicht die Orientierung zu verlieren und uns in schwierigen Situationen den Weg weisen.

Auch wenn ich mich größtenteils auf das Arbeitsumfeld beziehen werde bin ich davon überzeugt, dass diese kleinen Lehrsprüche auch für das Privatleben sinnvoll sind. Der Leser möge seine eigenen Schlüsse ziehen.

Ich beginne nicht heute, dies hier ist lediglich die Einleitung, eine Art Einführung in das Warum dieser Beitragsreihe. Ebenso wie das Tao Te King (an dem ich schon ewig nicht mehr geschrieben habe) in einer eigenen Kategorie zu finden ist, werde ich auch das Hávámál in einer Eigenen ablegen. So die Götter wollen, erfolgt demnächst der erste Spruch… 🙂

In diesem Sinne!