quo vadis, Austria?

Politik. Über das Thema gibt es massig Blogs, Literatur, Fernsehsendungen, Dikussionen, Debatten, Reden, Gespräche, Aktionismus, Proteste, etc.
Und neben einer verständlichen Politikverdrossenheit macht sich ebenso ein gewisses Politikinteresse breit. Oder besser gesagt: ÜBER die Politikverdrossenheit ENTSTEHT ein neues Politikinteresse.

Das klingt vielleicht unlogisch – aber auch nur im ersten Moment. Versetzen wir uns in die Lage eines Durchschnittsmenschen. Der sieht im Bundestag, Nationalrat, Parlament, wo auch immer, maximal 5 Parteien, von denen zumeist 2 um irgendeine Form von Mehrheit buhlen. Bekommt man die nicht mit einem kleinen Koalitionspartner, der gewissermaßen eine Statistenrolle erfüllt, bzw. der Gesellschaft das Gefühl von Demokratie geben soll, dann wird es eben einen sogenannte „große“ Koalition.

Ich meine, wieviel Politikwechsel und Veränderung will man aus so einer Konstellation erwarten?

Ein Blick auf Deutschland nach der Wahl spricht ein recht deutliches Bild: wir haben hier nun einen ziemlich großen „linken“ Block mit der SPD, den Grünen und der Linken. Demgegenüber steht die CDU als konservativer Block. Irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten mal außen vor gelassen haben die Deutschen von den im Bundestag vertretenen Ideologien 42,7% links gewählt und 41,5% konservativ. Irgendwie interessant, oder?

2009 war das Verhältnis übrigens 48,4% konservativ zu 45,6% links.

Aber was hat das nun mit Österreich zu tun? Nur wenig. Ich kenne mich mit der derzeitigen österreichischen Politik nicht wirklich gut aus, aber das was ich beobachte finde ich sehr interessant, bedenklich, lächerlich. Österreich wird seit gefühlten 226 Jahren von einer großen Koalition regiert. (Fast) sämtliche Spitzenkandidaten vertreten das schmierige Image des braungebrannten Naturburschen  mit mehr oder weniger ausgeprägtem Hang zur Heimat und übelsten Schwiegersohnlächeln, um sich in Regierungsverantwortung, oder zumindest mit dem Sitz im Nationalrat, die Taschen mit Kohle vollzusaugen.

nationalratswahl-in-oesterreich

Ich bin nur in einer beobachtenden Rolle, aber Korruption und Lüge habe ich selten so ausgeprägt gesehen. Dort werden ganz offiziell und legal Sitze im Nationalrat GEKAUFT!

Ich finde das ziemlich peinlich. Und es macht mich auch wütend, denn habe ich Deutschlands Politik ein gewisses Maß an Slapstick vorgeworfen, was trifft dann bitte auf die Österreichische Politik zu?

Um so freudiger beobachte ich derzeit die Entwicklung weit abseits von ÖVP, SPÖ, Grünen, FPÖ, Stronach und BZÖ. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe an Kleinparteien, die ich persönlich als eine Protest-Antwort interpretiere. Manche davon gibt es seit Urzeiten, andere haben sich in den letzten Jahren entwickelt. Für mich ein klares Zeichen dafür, wie sich aus Verdrossenheit ein Wille zum Ändern entwickeln kann.

Ein kleiner Überlick über die Kleinparteien findet sich hier: ÜBERBLICK

Klar, da gibt es auch viel … „ominöses“ drunter. Zum Beispiel die Männerpartei, oder die EU-Austrittspartei.

Grundsätzlich zeigt es mir ein neu erwachtes Interesse an der Politik und einem Wunsch in der Bevölkerung im eigenen Land wirklich etwas zu ändern. Inwieweit die Kleinparteien am 29. September wirklich Erfolg haben steht auf einem anderen Blatt. Ich glaube hier benötigen Österreichs Kleinparteien noch etwas Zeit und Konsolidierung um etwas zu bewirken.

Mich persönlich enttäuscht die breite, intellektuelle Szene Österreichs. Mag für manch einen seltsam klingen, aber Österreich hat in der Tat ein große/starke intellektuelle Szene, besonders im „linken“ Flügel. Mir ist es schleierhaft, wieso die nicht den Oarsch aus den verrauchten Kaffeehäusern bekommt und statt niemals enden wollenden Diskussionen und Disputen mal „anpackt“! Meine Hoffnung wäre, dass dies nach dem 29. September endlich passiert. Ich bin gespannt.

Ach, und um es vorweg zu nehmen: ich habe gewählt… 🙂

Zum Schluss dieses Artikels kann ich euch folgendes Video nicht vorenthalten. Es ist mir wirklich beinahe peinlich, jedoch müsst ihr einfach sehen und hören, wie im Alpenland Wahlkampf gemacht wird.

In diesem Sinne:

wer die Wahl hat…

Am 16. August habe ich eigentlich meine Meinung zur Bundestagswahl gepostet.Tja… eigentlich… nun, nach etwa einem Monat „Wahlkampf“  hat sich meine Meinung nicht geändert, aber irgendwie muss ich nun doch mal mein Maul aufmachen.

Bayern hat gewählt, das Oktoberfest startet am Wochenende und während die Plakate aller Parteien langsam in Fetzen vom Pressholz hängen, flaggt die NPD derzeit munter auf. Jeder, der vom Dorf kommt – egal aus welcher Region Deutschlands – kennt das. Ich will jetzt auch gar nicht groß rumlästern und die Parteien auseinanderpflücken. Bis vor Kurzem war ich der Meinung, dass die Wahl sinnlos ist, Frau Merkel Deutschland fest im Griff hat und nicht mehr loslässt.

Angie Und dann kam der Tag des TV-Duells. Und ich muss ganz ehrlich zugeben, dass mich dieses blöde Duell aus meiner Lethargie herausgerissen hat. Ich begann mich mit „der Wahl“ zu befassen. Ich meine die Situation ist auch wirklich scheisse. Wir hatten jetzt 8 Jahre Merkelsches Eingelulle. Einlullen ist eine Disziplin, die Frau Merkel von Herrn Kohl gelernt und absolut perfektioniert hat. Während unser Helmut damals dann doch gelegentlich mal für den einen oder anderen Lacher sorgte, ist Angie einfach nur dröge. Die Situation ist also ähnlich, wie damals nach 16 Jahren Kohl: es könnte tatsächlich mal etwas passieren – so seltsam es auch sei!

Aber noch einmal kurz zurück zum TV-Duell. Es war schon irgendwie belustigend den guten Stefan Raab in der Runde zu sehen. Er hat es alleine schon durch seine Anwesenheit geschafft die trockene Ernsthaftigkeit aus der Diskussion zu nehmen. Wie auch immer, das Duell hat zumindest gezeigt, wie unterschie Weiterlesen wer die Wahl hat…