wirst Du denn nie verstehen…

Der Winter ist mittlerweile bei uns eingetroffen. Nicht ganz so kräftig und verschneit wie letztes Jahr, aber mit offener Jacke kann man nicht mehr herumrennen.

So bin ich gestern mal wieder mit dem Auto zur Arbeit gefahren und da bayerische Radiosender zu den Seltsamkeiten gehören, an die ich mich nie gewöhnen werde, wühlte ich mit der Hand in der CD-Kiste, zog einen unbeschriebenen Silberling heraus und schob ihn in den CD-Player.

Mich empfing ein Mix, den ich irgendwann mal vor … puh… acht oder neun Jahren (?) erstellt habe. Können aber auch 12 sein, ich weiß es nicht. War mir aber letztlich egal, denn nach wenigen Tönen habe ich mitgesungen.

Lied 3 war dann plötzlich eines von denen, das mich seit dem ersten Hören ständig begleitet. Immer wieder mal schwirrt mir eine Textzeile des Liedes durch den Kopf, singe es im Geiste oder es ist einfach bei größeren Veränderungen im Leben da und begleitet mich. Auch wenn ich zu der Band ein eher ambivalentes Verhältnis habe.

Diary of Dreams sind eine eher düstere Band (klar, deshalb hör ich die ja auch). Die ersten Scheiben von Mastermind Adrian Hates (der eigentlich das einzig feste Mitglied ist) waren sehr dumpf, dunkel und die Stimme mit etwaigen Verzerrern und Effekten bearbeitet. Natürlich bespickt mit dem einen oder anderen Highlight (sonst wäre ich kaum auf die Kollegen aufmerksam geworden). Aber eben keine Musik um am Strand in der Sonne zu liegen und einen Mojito zu schlürfen.

Dann erschien 2002 deren Album Freak Perfume und hier nahm die Band den ersten leisen Stilwechsel vor. Plötzlich verstand man den Adrian. Und man merkte, was der Typ eigentlich für eine kraftvolle Stimme hat. Um das poetisch zu beschreiben, würde ich es folgendermaßen formulieren:

„Freak perfume scheint wie das hoffnungsvolle Licht am Ende des Tunnels, welches einem Mut gibt weiterzu kämpfen, sich aus dem Sumpf von Dunkelheit, Schwärze, Hass und Traurigkeit zu befreien und diesem zarten, fernen Strahl in einen lichteren Lebensabschnitt zu folgen.“

Ach ja…

02_freakperfume

Im Ernst, das Album hat ziemlich gerockt, ebenso die folgenden Silberlinge der Band. Natürlich sind diary of dreams immer noch eine Gothic-Band„. Aber eine Gothic-Band, die sich aus dem wabernden Einheitsbrei des Masse mit dem Album Freak Perfume befreit hat.

So, kleiner Exkurs zur Band beendet – zurück zum Song.

Traumtänzer ist (denk ich) der erste Song auf Deutsch von dod. Der Song ist eher ruhig, nachdenklich… vielleicht melancholisch. Die Stimme kommt (fast) ohne elektronische Elemente aus und vermittelt eine schaurig-schöne melancholische Stimmung, die den philosophischen Text und den daraus resultierenden Sinn wunderbar vermittelt.

Für mich – ganz klar – ein Lebenslied:

Für die Enthusiasten von Songtexten (oder falls sich die Frage stellt, was der Titel des Beitrags soll) hier der Text:

Die Zeit steht still in diesem Raum 
Doch merken’s andere Menschen kaum

Es steht die Luft hier in der Schwebe 
Als ob der Wind (h)auch nicht mehr lebe 
Die Stille schmerzt in meinen Ohren 
Ich wünscht ich hätt‘ dich nicht verloren.

Während Träume sich erinnern 
an die Zeit vor unserer Zeit 
Vergisst du alle Sorge 
Was dir ein wenig Kraft verleiht 
Du enthälst dich vieler Dinge 
Erklärst dich klug als Philosoph 
Du entehrst so viele Dinge 
Bist dir hörig wie ein Zof!

Wirst du mich nie verstehen? 
Wirst du denn nie verstehen? 
Hast du noch nie gesehen, 
wie meine Augen glitzern?

Keiner mag dir mehr vertrauen 
Schenkt kein Wort dir edler Gunst 
Siehst deinen Schatten schon verschwinden 
Dort am Horizont im Dunst

…denn es ist Zeit, für eine neue Melodie, 
für eine neue Phantasie, für eine neue Harmonie

Wirst du mich nie verstehen? 
Wirst du denn nie verstehen? 
Hast du noch nie gesehen, 
wie meine Augen glitzern?

Ich stehe auf und geh nun fort 
an einen fremden, fernen Ort 
Gesichter reden auf mich ein 
So werd ich nie zu Hause sein.

Wirst du mich nie verstehen? 
Wirst du denn nie verstehen? 
Hast du noch nie gesehen, 
wie meine Augen glitzern?

irgendwann – niemals

Vor ein paar Tagen saß ich mit einem heißen Tee auf der Terrasse, die Wintersonne brutzelte herunter und verhöhnte den aktuellen Monat, als ich über die vielen Dinge nachdachte, die ich „irgendwann“ mal machen wollte.

Anfangs war ich noch belustigt, denn das ein oder andere „Irgendwann“ würde ich heute schon längst nicht mehr irgendwann mal machen wollen, aber viele „Irgendwanns“ sind dann doch nur „Irgendwanns“ geblieben.

Und so habe ich dann den Eindruck bekommen, daß „irgendwann“ nur ein anderes Wort für „niemals“ ist.

So bin ich melancholisch geworden, habe ein Resümee gezogen in welchen Situationen ich dieses „irgendwann“ verwende. In welchen Situationen dieses „irgendwann“ mir gegenüber verwendet wurde. So stellte ich fest, daß dieses Wort verschiedenste Emotionen zum Ausdruck bringen kann…

Zum Beispiel:

  • ich hab‘ da keinen Bock drauf, lass mich in Ruhe mit dem Scheiß!
  • goil, das will ich auch mal machen…
  • wenn ich mal alt bin
  • in der Rente hat man dafür Zeit
  • Ich habe gerade keine Zeit
  • Jetzt nicht
  • ganz bestimmt!

Die Dialoge zu den Beispielen kennt jeder von uns und während wir solche (und andere) Beispiele DENKEN, SAGEN wir: „Irgendwann„.

Ich möchte dieses Wort nicht mehr benutzen müssen, will keine Ausrede mehr auf Zeit nötig haben. Will direkt sagen können, WAS ich genau WANN machen werde und nichts mehr auf die lange Bank schieben können mit einem gedankenlosen „irgendwann„…

Ob es mir gelingt? Vielleicht, wir werden es erfahren, irgendwann

Und kaum gedacht walzt natürlich genau das passende Video durchs Internet. Es ist schon eine ganze Weile unterwegs, in den letzten Tagen aber wieder vermehrt aufgetaucht. (Die Macht des Kollektivs…) Julia hat recht, mit jedem Wort. Und auch wenn das Wort „irgendwann“ nur selten auftaucht, der Grundtenor ist gleich.

 

ein „kafkaesker“ Tag

Ich bin kein Freund von Kafka.

Nein, das stimmt nicht ganz, ich mag ihn nur nicht gerne lesen.

Paradox? Nicht wirklich.

Seine geschriebenen Werke öden mich an. Sie triefen förmlich vor Schwarzseherei, einer tiefen Lebensverneinung und Menschenverachtung, so daß ich diesen Kafka nach einigen Seiten Text am liebsten würgen würde.

In einzelnen Passagen dagegen, in den kleinen Aussagen tiefgründiger Melancholie schafft er es allerdings die Dinge so treffend auf den Punkt zu bringen, dass jedes Wort beinahe für sich alleine stehend, Ausdruck tiefer Empfindung ist.

Der heutige Tag war so ein Tag, den ich mit einem dieser Zeilen beschreiben könnte. Daher ist der heutige Tag ein „kafkaesker“ Tag:

Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle…

– Aus einem Brief Kafkas an Oskar Pollak, 8.11.1903. –

Eine Band die ich sehr verehre, hat sich dem Thema „Kafka“ zeitweise sehr stark angenommen. JANUS besticht in meinen Augen vor Allem durch den eindrucksvollen, kraftvollen Gesang von Dirk Riegert, der IMO ein Stadion ohne zusätzliche Verstärker beschallen könnte.

KafkaJanus

(Kafka und die Band Janus)

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob JANUS derzeit noch aktiv ist, sollten Sie aber mal wieder auf ihre Winterreise gehen, ein Besuch lohnt sich…

Diese kleine Passage aus einem Brief Kafkas hat Janus eindrucksvoll vertont.

An einem eurer „kafkaesken“ Tage, dimmt das Licht, entzündet eine Kerze und hört diese 1:41 min aufmerksam zu:

back to paper

2014, ein neues Jahr mit Vorsätzen, Wünschen, Hoffnungen. Man hört schon wieder mit dem Rauchen auf, will abnehmen, weniger Fleisch fressen, nie wieder zu viel trinken, und und und.

Die Asiaten haben hierzu (wie meistens) eine kleine, passende Weisheit:

Am Baum der guten Vorsätze gibt es viele Blüten, aber wenig Früchte.

Soviel mal dazu.

Ich habe natürlich auch so meine Vorsätze, mache die aber nicht am Jahreswechsel fest. Manches schaffe ich umzusetzen, anderes verwerfe ich wieder, oder ändere es ab und natürlich ignoriere ich auch so manchen Vorsatz.

Einer meiner Vorsätze ist „Entschleunigung“. Der ist nicht neu, ich arbeite schon länger daran, will aber den nächsten Schritt…  – nee, ich HABE bereits den nächsten Schritt gemacht. Nachdem ich im Laufe der letzten Monate diverse Online-Accounts nicht mehr beacker (ICQ, Flickr, friendticker, YAHOO, etc.), folgt nun Schritt 2: die ENT-GADGETISISERUNG.

Ich gebe es unumwunden zu: ich bin süchtig nach diesen verdammten, kleinen elektronischen Helfern. Seit meinem ersten Handy, irgendeinem Motorola-Klumpen aus dem letzten Jahrhundert, bin ich auf der Suche nach dem „perfekten“ Tool und wechsel mehr oder weniger regelmäßig mein Smartphone. Es muss alles können… Mail, SMS, MMS, Messaging, Bilder machen, vernünftig als Notizblock nutzbar sein, im Internet surfen, groß genug um Games zocken zu können, klein genug um in die Hosentasche zu passen und eine gute Akkuleistung haben.

Also eigentlich all das, was ein modernes Smartphone oder Phablet können sollte.

Könnense aber nicht.

Spätestens bei dem Punkt „mal eben schnell was wegnotieren“ geht jedes Ding in die Knie. Jaaa… auch das Galaxy Note…

Mal abgesehen davon, daß ich eine nicht unerhebliche Summe an EURONEN im Laufe der Jahre in diese Teile investiert habe, gibt es EIN TEIL, das mich SEIT EH UND JE begleitet hat:

Das NOTIZBUCH.

Geil wa? Egal mit was für nem Gadget ich herumgerannt bin, das Teil war immer dabei und bereit eine Idee, eine Notiz, einen kurzen blöden Gedanken, einen Songtext, ein fix hingezeichnetes Bildchen aufzunehmen. Und zwar schneller und effektiver,  als daß es jedes elektronische Dingen könnte.

Das Kuriose dabei: wollte ich meine Notiz (oder was ich auch immer in das Büchlein hineingekritzelt habe) auf dem Fon haben, habe ich ein Foto gemacht und entsprechend abgespeichert (OneNote, o.ä.).

ALSO DRAUFGESCHISSEN! Ich habe es satt, mit einen Plastikstiftchen auf dem Display herumzukratzen, mit den Fingern eine virtuelle Tastatur zu bedienen und mich über ätzende Autokorrekturvorschläge zu ärgern!

Ich habe elektronisch abgespeckt: Netbooks, Tablets, Phablets, alte Smartphones – diese ganzen blöden Teile zum „immer mal schnell dabeihaben“alles RAUS!

Ein iPhone, ein Notizbuch, ein Stift. Das reicht.

Und irgendwie ist meine Tasche seitdem auch viel leichter…

Euch einen guten Start! In den Tag, ins Jahr, in den Abend… wohin auch immer!