Von Statistiken und Zahlen

Ich mache da kein Geheimnis draus, ich finde die Situation in Deutschland – in Europa – beängstigend. Mir wird zunehmend kalt und ich haben schon vor Monaten, wenn nicht schon vor Jahren damit begonnen mir Sorgen über die gesellschaftliche Entwicklung zu machen. Ich habe teilweise versucht eine Erklärung dafür zu finden, habe es mit Verständnis versucht und letztlich bin ich bei reiner Fassungslosigkeit gelandet.

Mich stört auch zunehmend der Umgang mit dem Thema. Der Mensch und das Schicksal rückt medial in den Hintergrund. Man redet von Obergrenzen und Kontingenten, von Massen und haltlosem Zustrom. Pauschalisierungen und Polemik bestimmen die Gesprächsrunden am Mittagstisch und diese ewige Stammtischpolitik geht mir sowas von auf die Eier. Und je mehr sich ein Mensch zu einer bloßen Ziffer in einer Statistik entwickelt, desto mehr Menschlichkeit verlieren wir.

Wir vergessen dabei nur zu gern, dass es sich um Menschen handelt. Ich für meinen Teil habe beschlossen, genau dies nicht zu vergessen.

Missy Higgins, eine Musikerin aus Australien, hat sich diesem Thema angenommen und ein tolles Lied dazu geschrieben. Das Video ist bespickt mit gemalten Bildern von Kindern, die aus den aktuellen Krisengebieten geflohen sind. Es ist beschämend, bedrückend und beängstigend , dass wir in Deutschland mit fettem Bauch, einem prall gefüllten Teller und die Currywurst noch nicht richtig zerkauft darüber hetzen, dass dieses Pack doch verrecken soll.

Missy Higgins zum Song und zum Video:

Like most people, the photo of little Alan Kurdi being carried out of the water shook me to my core. We often read about the tragic plight of refugees but I think that picture exposed us to the reality in such a raw way that the truth became inescapable.
‚Oh Canada‘ simply aims to tell a story. It’s not preaching anything in particular, it’s simply my attempt to make sense out of senselessness. If it also reminds people of what happened to Alan and his family then I think that would be good – after what they went through they don’t deserve to be forgotten. If the song reminds people how the picture of that lifeless little boy made them feel then that would be even better because that proves we’re all very similar people who just happen to live under different circumstances. If the song inspires anyone to do something on behalf of refugees – to speak up for their rights and to push back against those who seek to inflame our fears and prejudices – then I think that would be best of all.
‚Oh Canada‘ is out now, with 100% of net proceeds from sales going to the Asylum Seeker Resource Centre (ASRC).
The song is accompanied by a powerful animated video created by award winning director Natasha Pincus and animation director Nicholas Kallincos.
Caritas and World Vision Australia support programs in Syria and neighbouring countries that create spaces where children can express their feelings of the past and hopes for the future. The drawings in the ‚Oh Canada‘ video are by children in Caritas programs in Damascus, Syria and in World Vision programs in Beirut, Lebanon. Both the global Caritas network and World Vision have helped millions of people affected by the crisis in the Middle East.
Und jetzt hört und seht. Es lohnt.

Roger Willemsen

Als ich gestern gelesen habe, dass Roger Willemsen gestern mit 60 Jahren an einem Krebsleiden gestorben ist, hatte ich sofort das Bild dieses Mannes im Kopf, dennoch habe ich einen Moment gebraucht um mich zu erinnern, wer genau Roger Willemsen ist. Ich erinnerte mich an eine angenehme Stimme, ein sympathisches Äußeres und einen Menschen, den ich gerne im Fernsehen gesehen und den ich gerne in Zeitungen und Büchern gelesen habe.

Roger Willemsen photgraphiert im Reichstag Berlin© Oliver Mark
Roger Willemsen photgraphiert im Reichstag Berlin© Oliver Mark

Ich verbinde Roger Willemsen mit einem hohen politischen und gesellschaftlichen Verständnis, der in der Lage war Kritik schön formuliert auf den Punkt zu bringen, den eloquenten, mit Salz bedeckten Daumen in die offene Wunde zu drücken und Misstände ausformuliert und zu Ende gedacht nahe zu bringen.

Ich habe sein letztes Buch gelesen, „Das Hohe Haus“ und mich bei nahezu jedem Absatz gefragt, wie hat dieser Mensch diesen Wahnsinn im Bundestag 1 verdammtes Jahr lang ausgehalten. Sein Resümee ist aber genau das, was ich erwartet habe. Er hat den Misstand der Deutschen Demokratie bewiesen.

Mit ihm hat ein großer deutscher Intellektueller die Bühne verlassen. Schade – mir wird er fehlen.

 

 

 

Armageddon

So. Das ist jetzt mal ein Thema.

Unter dem Armageddon stellt man sich ja in der Regel den Mega-Bäng vor, das Ende der Welt, den großen Crash, das Endszenario, den Tag des jüngsten Gerichts, etc. Ist ja auch alles okay und die Offenbarung des Johannes lässt uns dies ebenso interpretieren, wie etwaige andere Endzeittheorien, die man aus dem Islam kennt, oder auch aus der Esoterik, und diverser anderer Sekten, wie den Zeugen Jehovas, den Mormonen, etc.

Interessant finde ich hierbei, dass das Armageddon (fast) immer einen konkreten Ort darstellt, nämlich einen südlichen Ausläufer des Karmel- Gebirges namens Megiddo (Har Megiddo). Diese Region soll seinerzeit das klassische Schlachtfeld Kanaans gewesen sein (AT Richter,12-16; 5,19; 2.Kön 23,29), was in Bezug auf das Armageddon auch irgendwie Sinn macht. Einen seltsamen Beigeschmack bekommt diese Theorie, wenn man sich die aktuelle politische Situation im nahen Osten mal ansieht. Vom klassischen Israel-Konflikt mal abgesehen, gibt es in der Region mehrere Zündherde, die schnell mal eskalieren können. Konkret ist es der IS, der dort sein Unwesen treibt und mit dem Eingreifen nahezu aller großen Militärmächte könnte sich Syrien schnell zu einem großen Schlachtfeld der Welt entwickeln. Und so weit weg ist Syrien nicht von Israel und somit von der besagten Region. Dagegen spricht – zumindest meiner Meinung nach – dass die Juden kein Armageddon im klassischen Sinne kennen. Im Judentum beginnt das neue Zeitalter mit dem Erscheinen des Messias – kein Crash, Big Bäng, Feuer und Terror.

Neulich habe ich dann eine andere Theorie gelesen, die ich recht interessant fand. Und zwar geht diese Theorie davon aus, dass das Armageddon eben NICHT der BÄM ist, wie uns diverse Glaubensgemeinschaften weiß machen wollen. Sie geht davon aus, dass das Armageddon eine Zeit des Übergangs ist, eine Phase die sich nicht genau verifizieren lässt, aber dennoch schwierig ist.

Gut, okay. Kann man erstmal so stehen lassen.

Mal unter uns gesprochen, wer sagt denn bitteschön, dass die typischen Ereignisse die eintreffen sollen innerhalb kurzer Zeit geschehen müssen? Im Alten Testament steht, dass für Gott 1000 Jahre wie ein Tag sind (Psalm 90:4) – was natürlich im übertragenden Sinne gemeint ist. Effektiv bedeutet das, dass das Armageddon eben NICHT wie die Jungfrau zum Kinde kommt, völlig überraschend bei uns in der Tür steht und der Komet vom Himmel fällt. Warum sollte sich Gott – wenn man denn an ihn glaubt – diesen Stress antun wenn es soweit ist? Ich meine, wir wirtschaften diese Welt über Jahrhunderte zugrunde, schlachten uns gegenseitig ab – oft in seinem Namen – zerstören die Natur in einem Grade der mittlerweile irreparabel ist und Gott soll dann irgendwie plötzlich und unerwartet mit der Faust auf den Tisch hauen und uns vom Planeten fegen? Wie der Vatter zu Hause, der seine Kinder frisst, weil sie ihm auf den Keks gehen?

Nee, kann ich mir nicht vorstellen. Ziehen wir das Spielchen mal anders auf. Stellen wir uns vor die gesamte Menschheit ist ein Kind und die Menschheitsgeschichte eine Lebensspanne. Gott wäre unser Vater (sagt der alte Jesse auch immer wieder) und versucht uns nun irgendwie richtig zu erziehen. Er stellt Regeln auf, mahnt uns, gibt uns gewisse Wege und Möglichkeiten vor und so weiter und sofort. So eine Kindheit ist schon nervig. Bis man die Regeln kapiert hat, feststellt, dass wenn man A mit der Pranke auf die heiße Herdplatte packt, B eine Verbrennung resultiert, vergeht nun mal etwas Zeit. Dann kommt die Pubertät und das Kind spielt verrückt. Pickel, Streit, Schlägereien, der erste Alkohol, die ersten Drogen, der erste Sex… ich denke die Zeit gehört so ziemlich zu den ätzendsten Phasen der Kindererziehung. Dann irgendwann, man weiß eigentlich gar nicht genau wann es passiert, ist man erwachsen. Gut. Auch hier passieren einem manchmal seltsame Dinge und man schlägt auch als Erwachsener gelegentlich mal über die Stränge, aber im Großen und Ganzen wird man vernünftig.

Was wäre wenn es mit dem Armageddon genau so ist? Das Armageddon als quasi die schlimmste Phase in der Pubertät der Menschheit wäre?

Setzt man das mal voraus, dann könnte es durchaus sein, dass wir uns aktuell in dieser Phase befinden. Der Kapitalismus stirbt gerade, egal wie lange wir das hinauszögern, Europa scheint zu zerfallen, Jede Nation (außer die Schweiz) ist in irgendeinem Krieg (Stellvertreter-Krieg) verwickelt, in manchen Regionen drücken wir uns aggressiv die Pickel aus und irgendwie kommen wir gerade selbst nicht mit uns klar. Wenn nun also Gott der Vater aus diesem kleinen Gedankenspielchen ist, dann wird er den Mensch sicher nicht vernichten. Höchstens eine watschen, aber er würde mit Sicherheit versuchen diese missratene Göre auf einen halbwegs akzeptablen Weg zu bringen.

Mir gefällt diese Idee an und für sich ganz gut. In welchem Spektrum dieser Idee wir uns gerade befinden, weiß ich nicht, mir gefällt aber der Gedanke, dass es irgendwann vorbei ist und wir uns dann fragen, was mit uns eigentlich los war früher… und ebensowenig wie wir uns heute die Frage beantworten können, WANN denn jetzt das genau Datum war an dem wir erwachsen wurden – genau so wenig können wir bestimmen an welchem Tag der „Weltuntergang“ stattfinden wird…

Also mal weitergedacht befinden wir uns theoretisch mitten drin in der Pubertät. Interessant, oder? Das würde zumindest so manche Verhaltensweise der Menschheit in diesen Tagen erklären…

In diesem Sinne, merkt euch bitte: Pickel NICHT ausdrücken – das kann Narben geben! 🙂

 

Meryl Streep

Ich will gar nicht viele Worte verlieren, diesen Beitrag habe ich schonmal am 07. August 2015 auf Facebook verlinkt. Nur soviel: Ich bin kein Fan von Meryl Streep. Ich finde sie anstrengend, vor Allem in einer Hauptrolle. Dennoch halte ich sie für eine der großen noch lebenden Schauspielerinnen. Das bedeutet nicht automatisch, dass sich hinter diesen Masken auch große Menschen verbergen (sicher kann man sich da ja nie sein), aber Ihre nun folgende Aussage kann ich so unterschreiben.

Sicher ist das keine Lösung für unsere weltumspannenden Konflikte, den Treibhauseffekt oder die Kriegstreiberei um uns herum – aber sie bringt eines gut auf den Punkt: verschwende nicht mehr Deine Zeit!

 

Meryl StreepIch habe keine Geduld mehr für bestimmte Dinge.
Nicht weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach nur, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, an dem ich keine Zeit mehr mit dem, was mir missfällt oder mir wehtut, verschwenden will.

Ich habe keine Geduld mehr für Zynismus, für übertriebene Kritik und Forderungen jeder Art.

Ich hab den Willen verloren, denen zu gefallen, die mich nicht mögen, die zu lieben die mich nicht lieben und die anzulächeln, die mich nicht anlachen wollen.

Ich verschwende keine einzige Minute mehr an die, die lügen und manipulieren. Ich habe mich entschlossen nicht mehr mit Verstellung, Heuchelei, Unehrlichkeit und billigem Lob zu koexistieren.

Ich toleriere weder selektive Gelehrsamkeit noch akademische Arroganz.
Ich werde mich auch nie an den so beliebten Klatsch gewöhnen.
Ich hasse Konflikte und Vergleiche.

Ich glaube an eine Welt der Gegensätze und darum vermeide ich Menschen mit starren und unflexiblen Persönlichkeiten.
In Freundschaften mag ich Mangel an Loyalität und Verrat nicht. Ich komme nicht klar mit solchen, die keine Komplimente oder ein Wort der Ermutigung geben können.

Übertreibungen langweilen mich und ich habe Schwierigkeiten Menschen zu akzeptieren die keine Tiere mögen.
Und obendrein habe ich keine Geduld für alle, die meine Geduld nicht verdienen.“