Ausmisten angesagt

Alle paar Monate habe ich das mal. Dann klemme ich mich vor meine Utensilien und miste aus. Das heißt: ich versuche es.  Meistens nehme ich jedes Teil in die Hand und denke mir: „Eigentlich könnte ich es irgendwann doch mal wieder brauchen.“

So war es bis vor etwa 5 Wochen. Dann war es anders. Ich stand vor meiner Hälfte des Kleiderschranks, sammelte meine Schuhe aus dem Schuhschrank dazu und habe mir vorgenommen, nach der vorgenommenen Ausmist-Arie HÖCHSTENS nur noch die Hälfte an Klamotten und Schuhe zu besitzen. Ich dachte bisher immer, dass ich gar nicht so viele Klamotten hätte – so denkt halt der Mann – bis mir dann irgendwann aufgefallen ist, dass ich eines morgens vom Duschen bis zum Verlassen der Wohnung etwa 4 verschieden Hemden, 2 unterschiedliche Hosen und 2 Paar Schuhe anhatte. Brutaler Scheiß. Wieviel blöde Zeit drauf geht das richtige OUTFIT für den Tag zu finden ist einfach ätzend.

Mir kam dann die Einsteinsche Lösung in den Sinn. Ich kaufe mir 4 gleiche Anzüge mit identischen Hemden , 4 gleiche paar Schuhe, 4 gleiche Pullis  (falls es mal kalt ist), verzichte auf Socken und alles ist gut. Kein Gedanke geht mehr an der Klamotte verloren. Aber so richtig sexy fand ich das nun nicht… auch wenn Einstein eine coole Sau war.

Erstmal musste eine Reduktion der Klamottenbreite ausreichen. 50% war – wie bereits geschrieben – das Ziel.

Ich holte also eine Rolle blauer Säcke aus dem Keller und legte los. Der Start war leicht. Alte Socken und Unterhosen, dann noch 2 Jeans und eine Chino die mir zu groß geworden sind und die man aber immer noch mal hätte gebrauchen können, zum…. Streichen! Oder wenn ich wieder fett werde, oder so! Ein kleiner Stapel alter T-Shirts mit aufgerubbelten Nähten und ausgewaschenen Metal-Bands vorne drauf. Ich stopfte alles in einen Sack und machte ihn zu. Stolz blickte ich auf meinen Schrank und stellte fest: irgendwie hat sich nichts geändert. Ich musste also tiefer rein. Ich wandte ich mich also der langen Reihe Hemden zu: unsortiert, farblich eher gedeckt, kein spezieller Hersteller, unterschiedliche Größen… ein Sammelsurium eben.

waescheberg_01Ich ging zwei Schritte zurück und betrachtete die Reihe. Ehrlicherweise musste ich zugeben, dass sich meine Auswahl der Hemden die ich anziehe, auf etwa eine handvoll konzentriert. Diese sortierte ich und schob sie auf der Stange zusammen. Dann schnappte ich mir noch 2 Gammelhemden, also Hemden die man am WE auf dem Sofa anzieht, oder so. Übrig blieben immer noch irgendwie 12 Hemden die mir auf die ein oder andere Weise nicht passten. Zu eng an den Schultern, zu kurz, spannt zu sehr, zu klein, undsoweiterundsofort. Ich gebe zu, ich habe mit mir gerungen… Ich kann doch nicht einfach all diese Hemden hergeben! Vielleicht wachse ich ja nochmal rein! Werde wieder schmaler um die Schultern und mal soll ja auch wieder schrumpfen, wenn man älter wird!

Letztlich habe ich mich mit mir selber darauf geeinigt die Hälfte von den Hemden wegzugeben. Die Ausgewaschenen, die Farblosen, die eigentlich noch nie gerne Angezogenen.

Somit hatte ich nun 2 gefüllte blaue Säcke neben meinem Schrank stehen. Ich riss mir den dritten blauen Sack ab und ging zu meiner Kommode mit dem Jacken, Schals, Handschuhen und Mützen. 3 Schubladen voll mit dem Zeug. Hier ging ich irgendwie ungeplanter ans Werk und leerte alle 3 Schubladen (es sind wirklich große Schubladen) auf dem Boden aus und betrachtete diesen Großglockner an Klamotten. Dann riss ich einen weiteren Sack von der blauen Rolle.

Mit einem kleinen Anlauf sprang ich kopfüber in den Wäscheberg, wühlte mich durch Jacken, Schals und fand eine Socke, die mich schon seit Monaten nervte und nach einer Achterbahnfahrt bestehend aus Gerüchen vergangener Zeiten und Farbexperimenten mit seltsamen Stoffansammlungen, lagen auf der „Behalten“-Seite 2 Jacken, 3 Schals, 5 Mützen (ich trage gerne Mützen) und 2 Paar Handschuhe. Dann riss ich einen DRITTEN blauen Sack von der Rolle und stopfte alles was weg sollte in die besagten 3 Säcke rein.

Mein Blick wanderte dann zu den Sportklamotten und ich seufzte – auch hier musste ich ran. Ein weiterer Sack wurde von der Rolle gerissen und ich zog meine Sportsachen hervor. 2 Japanische Gi’s vom Aikido, ein Bademantel, mehrere kurze Laufhosen, 2 lange Laufhosen, 3 Paar Laufschuhe, einige Kung Fu Shirts, -Shuhe und -Hosen plus diverses Trainingszeug wie Tiefschutz, Handschuhe, etc.

Meine 3 Paar Laufschuhe reduzierte ich auf 1 Paar, von den kurzen Laufhosen ziehe ich sowieso immer nur 2 an und meine Kung-Fu Klamotten reduzierte ich ebenfalls auf 2 Sätze – für 2x Training die Woche eben. Mit Aikido habe ich vor einem halben Jahr aufgehört, mein Bedarf an einem Gi war also nicht mehr vorhanden. Und BÄM Sack Nummer 6 stand gefüllt vor mir.

Die nunmehr sechs rappelvollen, blauen Säcke wuchtete ich erstmal neben meinen Schrank, dann fühlte ich mich leer und füllte diese Leere mit einem wunderbaren Espresso aus meinem Bialetti-Espressokocker.

blaue-saeckeAm nächsten Morgen stand ich vor meinem – nun äußerst – übersichtlichen Kleiderschrank und überlegte was ich anziehen soll. Vielleicht das karierte Hemd? Wo war es den nur… ach ja… mein Blick fiel auf die blauen Säcke. Ich habe es geschafft dem Drang nicht nachzugeben und griff nach einem standardblauem Hemd. Gut. Tag 1 geschafft.

Tag für Tag kam so die ein oder andere Frage auf, ob nicht vielleicht DOCH eine Klamotte aus einem dieser Säcke wieder seinen Weg in den Schrank finden könnte… ich blieb jedoch eisern. NEIN! Und um mich selber zu testen und auch etwas unter Druck zu setzen, ließ ich die Säcke bis zum letzten Wochenende neben meinem Schrank stehen. Ich hielt durch. Am Samstag habe ich die Säcke dann endlich in mein Auto gefüllt und habe die Klamotten weggespendet.

In den nun sechs Wochen andauernden „Verzicht“ habe ich angefangen weitere Klamotten, die ich nicht mehr anziehe zur Seite zu packen. Dieses „Beobachten“ habe ich auch auf andere Dinge erweitert, sei es nun Schmuck, Pflegeartikel, Papier, Technikkram (Tablets, Smartphones, etc) und so weiter und so fort und diese Idee die Dinge zu reduzieren habe ich mittlerweile auch auf diese Bereiche ausgeweitet. Wozu brauche ich eine teure Smartwatch, wenn mir die Dinge auf meinen Smartphone schon so sehr auf den Sack gehen, dass ich die Verbindung zur Smartwatch deaktiviert habe? Oder wozu brauche ich eine GPS-Laufuhr mit Herztracking-Funktion, wenn ich sowieso nur 2x wtl. Abends meine 5 km zur Entspannung laufe? Im SOMMER!!  Was soll ich mit 2 Duschgels? Und einem Shampoo – vor allem, weil ich mir den Schädel seit Jahren RASIERE??

Es gibt viele Dinge, die es sich zu hinterfragen lohnt. Es ist nicht leicht gewohnte Dinge einfach wegzuschieben, Verhaltensweisen zu ändern und Liebgewonnenes zu entsorgen.

Ich bin sicher kein Moralapostel und nur weil ich mal meinen Schrank ausgemistet habe, bin ich nicht plötzlich der Minimalismus-Held…. aber es fühlt sich dann doch ein bisschen so an… 😉

In diesem Sinne!