Warum will man eigentlich zum Mars?

Erst kürzlich bin ich über einen Blogeintrag gestoßen (man möge mir entschuldigen, dass ich ihn nicht verlinke, ich habe schlicht verpennt ihn mir zu merken), der quasi behauptete, das Ausmisten des Kleiderschranks hätte nichts mit dem „wahren Minimalismus“ zu tun, sondern wäre nur der Versuch sich einem Trend hinzugeben, ohne es wirklich ernsthaft zu wollen und so weiter und sofort. Ich hätte schon wieder kotzen können. Menschen die von einem „wahrenwasweißichdennwas sprechen oder schreiben sind mir erstmal suspekt und ich fühle mich dann geneigt nicht mehr zuzuhören, oder weiterzulesen. Hier allerdings habe ich weitergelesen.

Bei einem Punkt des Schreibers musste ich dann aber doch nicken. Und zwar bei der Aussage, dass der Grad des Minimalismus immer subjektiv zu betrachten ist. Naja – erst vom WAHREN MINIMALISMUS schreiben und dann auf die subjektive Sicht des Individuums zu verweisen ist irgendwie … seltsam.

Aber sei’s drum, ich sehe mich auf jeden Fall genötigt darauf zu reagieren. Natürlich weiß ich, dass nicht mein Ausmisten-Beitrag als Bezug genommen wurde, dennoch ist meine Egozentrik so groß, das ich mich angesprochen fühle… 🙂

Minimalismus ist tatsächlich eine subjektive Sache. Ja, es geht um Verzicht, um Achtsamkeit, um Zeit. Es geht um die Pflege der Dinge, die man bereits hat, die man wirklich benötigt und die man nicht ändern möchte. Es geht darum sich zu erden, sich Raum zu verschaffen und den Kopf frei zu bekommen. Für den einen mag das Ausmisten des Kleiderschrankes bereits ausreichen, andere schmeißen ihren Fernseher weg – es ist eben einfach individuell. Ich für meinen Teil verbinde mit Minimalismus folgendes: sich erden, sich dessen bewusst werden, was wirklich nötig ist, Freiraum bekommen, Zeit gewinnen, sich von Ballast befreien. Jeder, dessen Leben sich irgendwann überfüllt anfühlt und es ändern möchte, steht vor der Frage:

Wie und wo fange ich nur an?!

Davon ausgehend, dass am Anfang das Erkennen der Situation steht und hier bereits ein Haken dran ist, muss / sollte es ja irgendwie weitergehen.

Sicherlich kommt dann der Wille etwas verändern zu wollen und in der Regel geht man dann in die Analyse – was habe ich über! Hier spaltet sich dann der Weg… die einen gehen ins direkt körperlich bezogene und analysieren hier. Essen, Trinken, Rauchen, Weggehen, Sport, Faulheit, etc…. andere wiederum beginnen mit dem Äußeren… Kleidung, Möbel, Auto, technische Spielereien (Smartphone, Tablet, Notebook, Smartwatch, etc.).

Ich würde mir nicht anmaßen und be(ver)urteilen wollen, welcher Weg der Richtige wäre. Beide Wege sind gut, denn beide stoßen eine Veränderungen an und kreuzen sich ohnehin wieder an späterer Stelle, denn das EINE funktioniert nicht ohne das ANDERE.  (Sicherlich gehen auf einem der beiden Wege manche wieder zurück, biegen irgendwo anders ab, was weiß ich… aber gehen wir mal davon aus, dass es nicht so ist.)

Was passiert aber eigentlich auf dieser Strecke? Nun… der persönliche Minimalismus nimmt eine Form an, er gestaltet sich, bildet sich heraus. Die Auseinandersetzung mit den oben genannten Dingen bedingt schlicht und einfach ein darüber Nachdenken, Herumgrübeln und ein Durchkauen. Mein innerer Dialog bezüglich meiner Hemden-Arie verlief etwa wie folgt:

Brauche ich DIESES Hemd? Wie oft hatte ich das eigentlich an? Hu, habe ich hier viele Hemden hängen… brauche ich wirklich die Menge von dem Zeug? Was sind das überhaupt für Teile… hm… H&M? Wie und wo stellen die eigentlich ihr Zeug so her…?

Aus der einfachen Frage, brauche ich DIESES Hemd wird innerhalb eines solchen Prozesses die generelle Frage nach nachhaltiger Fertigung der Klamotten, die man am Leibe trägt. Dieser Werdegang lässt sich eigentlich auf alles übertragen und ist in meinen Augen ein normaler Prozess, der unweigerlich auftritt.

Wo und wann endet das alles? 

Es endet nirgendwo, niemals (solange man lebt). Wir leben, sind also in einem permanenten Entwicklungsprozess (auch Degeneration ist eine Form der Entwicklung) und in ständiger Konfrontation mit Konsum und Materialismus. Uns bleibt also gar nichts anderes übrig, als uns permanent mit diesem Thema beschäftigen zu „müssen“.  Sicherlich entwickelt sich irgendwann eine gewisse Routine, so dass uns dieses „sich damit beschäftigen“ nicht mehr großartig bewusst auffällt. Aber es ist permanent und andauernd.

Das Widerstehen von Verlockungen ist eine Sache die man trainieren kann. Anfangs ist das Verweigern von Schokolade vielleicht noch schwer – irgendwann ist es okay und etwas später dann auch wirklich gut. Auch dies lässt sich auf alles andere adaptieren. Ich bin ja auch nicht blind oder abgestumpft, es gibt Dinge die reizen mich einfach. Wenn ich bei meiner Hemdengeschichte mal bleiben darf, gibt es immer noch Hemden, die ich geil finde und der Klick in den Warenkorb ist ja nun auch nicht wirklich „Arbeit“. Ich muss zugeben, dass ich dieses Stöbern und Suchen auch in einem gewissen Maße genieße. Doch bevor ich mich für einen Kauf entscheide, stelle ich mir folgende Fragen: Brauche ich es wirklich? Würde es mich weiterbringen? Gibt es das Teil auch nachhaltig?

Und erst wenn ich alle drei Fragen mit JA beantworten kann, ist der Kauf für mich eine Option.

Das wird nicht immer funktionieren, das ist mir klar. Ich versuche es dennoch mich irgendwie aus dem Konsumverhalten auszukoppeln und den Irrsinn mit etwas Abstand zu betrachten. Hier hilft mir besonders folgendes Zitat aus dem „Buch des Gleichgewichts und der Harmonie„, das ich mir von Zeit zu Zeit immer mal wieder ins Gedächtnis rufe:

Kraftvolles Handeln heißt, den Körper zu trainieren, ohne sich vom Körper belasten zu lassen; in der Welt zu arbeiten, ohne sich von der Welt berühren zu lassen; und  Aufgaben auszuführen, ohne sich von den Aufgaben behindern zu lassen.

Soviel mal dazu. 🙂

In diesem Sinne!

 

 

 

 

 

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4 Gedanken zu “Warum will man eigentlich zum Mars?

  1. Sehr interessant und gut 🙂 Was soll denn bloß diese Sache mit dem „wahren“ Minimalismus? Was gibt es an der Art, wie andere ihren persönlichen Minimalismus ausleben, zu kritisieren? Minimalismus bedeutet doch auch, dass man für sich persönlich entscheidet, was man braucht und was nicht, und dann entsprechend dieser Betrachtungen handelt. Da ein Regelwerk erstellen zu wollen ist doch vollkommen kontraproduktiv? Dann würde man sich ja wieder nur in ein Schema fügen und dementsprechend leben, ohne sich selbst dabei ein Stück näher gekommen und eigene Gedanken gemacht zu haben!

    Insofern, Daumen hoch für deinen Beitrag 🙂
    Liebe Grüße!

    1. Danke Dir! 🙂
      Ja, das kann man wohl sagen – die erste Fassung des Textes war noch wesentlich … sagen wir:
      „direkter“ bezogen auf den die Sache mit den „WAHREN *irgendwas*“.
      Ich habe es mir dann aber gespart, weil ich dachte es hat nichts mit der eigentlichen Sache zu tun, sondern spiegelt halt nur
      eine beschränkte, möglicherweise fanatische Sichtweise wieder.

      Dir einen schönen Sonntag noch! 🙂

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