Tao Te King – Kapitel 2 (28.02.2017)

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Kapitel 2 also… nun gut.

Nachdem uns der alte Meister im ersten Kapitel versucht hat zu erklären, was das Tao ist, geht er in Kapitel 2 auf das Entstehen der Dinge ein. Im ersten Teil dieses Kapitels versucht er uns aufzuzeigen, dass die Dinge erst durch ihre Gegensätze entstehen und zu erkennen sind. Am Prägnantesten sind hier gleich der ersten beiden Sätze, ich denke damit kann jeder etwas anfangen und korrekt interpretieren. Letztlich ist es eine schlichte logische Konsequenz, die hier beschrieben wird und die Laotse in den folgenden Sätzen noch weiter ausführt und erläutert.

Dieser beschriebene Dualismus ist es, der den Taoismus an sich ausmacht und sich in dem Yin/Yang Symbol so trefflich darstellt. Und obwohl der beschriebene Dualismus im ersten Absatz so deutlich herauszulesen ist, interpretiere ich dies lediglich als die Beschreibung einer Einheit – die ebenfalls durch das Yin/Yang-Symbol dargestellt wird. Das Eine existiert erst durch die Definition des Anderen – und ist somit Eins.

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Diese Wechselwirkung ist es, die das Yin/Yang darstellt, die Einheit aus Zwei. Was mir bei diesem Symbol immer wieder auffällt, ist die starre Darstellung. In meiner Interpretation (und ich denke so ist es auch ursprünglich gemeint) ist es ein Symbol der permanenten Wechselwirkung. Mal mehr mal weniger energiegeladen und in sich bewegend / wabernd, tauschen Yin und Yang ihre Positionen, gehen teilweise ineinander auf und ineinander über, ohne dass wir wirklich erkennen können, was nun was ist – da es ein permanenter Austausch ist. Für mich macht dieser Gedanke der Einheit im Dualismus nur so Sinn.

Der zweite Teil, der mit den Worten „Also auch der Berufene„, oder wie in der zweiten Übersetzung oben „Die Weisen… “ beginnt, beschreibt ein Ideal – eine Art „best of handling with this knowledege„. Diese Handlungs-„vorschläge“ begegnen uns häufiger im Tao Te King und beinhalten sicherlich den einen oder anderen guten Tipp. Jedoch hat sich die Welt nun mal in den letzten 2600 Jahren etwas gewandelt. Wir hier in Mitteleuropa sind weit weg von einer Gesellschaft, wie man sie etwa 600 vor Christus in China antreffen konnte… ABER: mal abgesehen von den technischen Errungenschaften und der Wissenschaft hat sich der Mensch nicht wirklich verändert.

Hier in Kapitel 2 geht es meiner Meinung um den Besitz und dem sogenannten Haften bleiben. Ziel ist es, gemäß den Worten des Laotse, die Dinge zu nehmen wie sie sind und sie wieder ziehen zu lassen wenn es Zeit ist. Dies lässt sich übertragen auf Lebewesen, Gegenstände und Taten. Erst dieses Haften bleiben erzeugt Leid und hier findet man nicht nur Parallelen zum Buddhismus, sondern auch zu den anderen großen Religionen dieser Welt. Der Mensch definiert sich gerne mal über die Dinge, die er besitzt, über seinen Status, sein Ansehen und/oder über die Dinge, die er erschaffen hat. Er versucht sich bestenfalls dadurch an einer Art Status Quo festzukrallen, am Wahrscheinlichsten wird er dies aber als Basis nehmen und NOCH MEHR zu ergattern. Da sich der Mensch geistig in den letzten 2600 Jahren nur marginal weiterentwickelt hat, wird es damals schon so gewesen wie heute.

Laotse sagt nun, dass der BERUFENE, oder WEISE genau dies nicht tut und dadurch alles hat/bekommt, was er benötigt. Es ist eine Art „sich dem Fluß hingeben„, die Dinge geschehen lassen, die sich nicht vermeiden lassen – zu erkennen, wohin die Natur, das Schicksal, Gott, oder wer auch immer, hin will und sich hieran zu orientieren. Interessanterweise wird eine solche Geisteshaltung von uns oft mit Fatalismus, Schwäche oder Lethargie bezeichnet – was aber gemäß Laotse und dem Taoismus sicher nicht der Fall ist. Ich persönlich begreife es als ein „Handeln im Sinne des Tao“. Aber ich greife hier vor, denn dieses Thema (Nichtstun) wird uns in den nächsten Kapiteln sicher öfter begegnen…

In diesem Sinne …  auf Bald!

Tao Te King – Kapitel 1 (27.02.2017)

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1. von Richard Wilhelm

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Das ist also Kapitel 1 dieses Buches.

Chinesisch zu übersetzen ist immer eine Herausforderung, ich denke das ist bekannt. Letztlich ist es immer eine gewisse Mischung aus Talent, Verständnis, Einfühlungsvermögen in die Kultur, etc., die eine gute Übersetzung ausmachen. Richard Wilhelm ist nicht umsonst der „Standard“, was die Übersetzungen alter chinesischer Texte angeht. Wenn man ihm etwas ankreiden möchte, dann vielleicht nur, dass er die Texte in einen christlichen Kontext bringt, bzw. aus einem christlichen Kontext heraus angeht. In meinen Augen ist das belanglos. Wenn man den Übersetzungen wirklich etwas vorwerfen möchte, dann eigentlich nur, dass der gute Richard Wilhelm von 1873 bis 1930 gelebt hat und der sprachliche Stil eben aus dieser Zeit stammt.

Aber gut – ich plappere…

Das erste Kapitel versucht zu erklären, was das Tao eigentlich sein soll. Interessanterweise in dem Laotse versucht darzustellen, was es NICHT ist – schlicht und einfach aus dem Grund, weil es mit den uns zu Verfügung stehenden Mitteln nicht zu erfassen ist. Dadurch wird schwierig, irgendwie obskur und in Nebel gepackt. Der Mensch ist nun mal so gestrickt, dass er einen Vergleich braucht, um etwas zu verstehen, oder zumindest einsortieren zu können. Das Tao entzieht sich dem und effektiv bleibt unsereins nichts übrig, als dies genau so zu akzeptieren.

Diesem Umstand ist zu verdanken, dass es so viele Übersetzungen für das Wort „Tao“ gibt. Alleine in den beiden oben zu sehenden Varianten werden die Begriffe SINN, WEG und GEHEIMNIS benutzt. Während WEG die 1zu1 Übersetzung des Wortes TAO ist, ist SINN wiederum eine Interpretation bezogen auf den Kontext des Tao Te King.

Ich persönlich finde beide Übersetzungen schwierig. Während Richard Wilhelm in den ersten vier Zeilen noch deutlich ist, verliert er sich in den folgende Zeilen ins … ich würde fast sagen: esoterische, was sich bis zum Schluß des Textes sogar noch aufbaut. Die Übersetzung von Gia-Fu Feng und Jane English dagegen erscheint hier klarer – der Text verliert sich in meinen Augen erst in den letzten 3 Zeilen.

Dennoch wird in beiden Texten deutlich, dass das Tao alles ist und alles aus dem Tao entstanden ist. Betrachtet man einen Baum, kann man in ihm das Tao erkennen – sofern man „ohne Wunsch“ ist – was für mich wiederum soviel bedeutet, wie: ohne Hang zum Materialismus. Ansonsten ist es eben ein Baum, weil man nur die Erscheinungsform des Tao zu erkennen vermag.

Das Tao ist also allgegenwärtig, selbst WIR sind Tao. Tao war immer da und wird immer da sein – auch das Universum ist aus dem Tao heraus entstanden.

Ist Tao also Gott?

Nein – denn selbst Gott ist nur eine Erscheinungsform des Tao.

Das ist erstmal ein ziemlicher Brocken, den der gute Laotse da dem geneigten Leser vor den Latz knallt, da hat man erstmal ne Weile dran zu kauen… 🙂

 

(27.02.2017)

Tao Te King – Prolog (24.02.2017)

Seitdem ich mich mit der Kampfkunst beschäftige ist der Taoismus Teil meines Lebens. Er wabert halt immer irgendwie mit mir mit, mal mehr mal weniger intensiv, aber er ist immer irgendwie bei mir. Neben der klassischen Kampfkunstliteratur (je nach Stil unterschiedlich) gibt es natürlich auch Standard-Werke, die jeder Schüler in seinem Bücherregal haben sollte – wenn er denn in der Kampfkunst eine Philosophie sieht und nicht das stumpfe Zertreten von Brettern, den sportlichen Aspekt und/oder den Teil der Selbstverteidigung.

Zu diesen Büchern gehören aus dem Bereich Philosophie neben dem I Ging und Dschuang Dsis das wahre Buch vom südlichen Blütenland, natürlich auch Laotses Tao Te King.

Das Tao Te King vom guten alten Laotse wird ja oft als der Ursprung, die Quelle des Taoismus benannt, was es aber nicht ist. Der Taoismus ist viel früher entstanden, wahrscheinlich schon zu der Zeit der Schamanen und Geistheiler und möglicherweise noch bevor die Menschen Chinas überhaupt seßhaft wurden. Das Bemerkenswerte an dem Werk ist die Tatsache, dass Laotse den Begriff Tao als erster (uns bekannter) Philosoph benannt hat. Erst durch ihn wurde das Wort Tao (Dao, Jao oder japanisch Do) mit der Bedeutung: Weg, Fluß, Sinn, etc… zum Tao des Taoismus.

Ich will hier jetzt keinen geschichtlichen Abriss zum Taoismus liefern, auch keine philosophische, religöse oder kulturelle Abhandlung verfassen. Dazu fühle ich mich nicht berufen und da gibt es sicher Menschen, die dazu wesentlich besser in der Lage sind als ich. Ich möchte lediglich die Bedeutung dieses Buches für mich analysieren und auch disputieren. Ich lese viel in diesem Buch und in den nun 24 Jahren die es mich begleitet entdecke ich immer wieder neue Facetten in dieser Schrift – und das Krasse ist eigentlich: ohne die alten Facetten zu negieren. Als ob es mitwächst….

1446Zu Laotse sei gesagt, dass die Wissenschaft sich darüber streitet, ob der Typ überhaupt existiert hat. Es wird eher angezweifelt, als daran geglaubt. Es heißt, das Tao Te King sei eine Art Zusammenfassung alter Weisheiten und Sprüche, die schlicht mit einem Autor versehen wurden, was auch der Name des Autors vermuten ließe: Laotse (Laozi, Laudse, Lau-tze, etc.) bedeutet „Alter Meister“. Ein weiterer Name für den Kerl ist Laodan, was soviel heisst wie „Altes Langohr“.

Ich persönlich glaube, dass er existiert hat und seine Geschichte der Wahrheit recht nahe kommt. Es gibt zu viele Texte über ihn, Aufzeichnungen von Gesprächen, Legenden und Hinweise. Zudem wirkt das Tao Te King zu sehr „aus einem Guss“, als dass es eine Zusammenführung mehrerer Weisheiten sei. Und – auch das sollte man berücksichtigen – dieses „im Nebel der Zeit verschwinden“ seiner Person, würde ihm sicher gut gefallen. Er hat sich nie wirklich wichtig genommen und wollte in Abgeschiedenheit und Einsamkeit den Rest seines Lebens verbringen.

Was soll hier nun passieren?

Dies ist ja der Prolog – die Einleitung zu einer Reihe, die uns bestenfalls über 81 Kapitel begleitet. 81 Kapitel entsprechen den Kapiteln des Tao Te King. Jedes Kapitel ist nur wenige Zeilen lang – es ist also kein episches Werk, wie die Bibel, oder Krieg und Frieden, aber ein für die Menschheit wichtiges Werk – wie ich finde. Ich werde also Kapitel für Kapitel auseinanderpflücken und für mich interpretieren. Das habe ich schon ewig lange vor, jetzt wird es gemacht. Ich nutze hierfür die Übersetzung von Richard Wilhelm, die wohl die Bekannteste ist, werde aber hier und da auf weitere Übersetzungen zurückgreifen, wenn etwas nicht ganz deutlich ist.

So. Eigentlich können wir dann in Kürze starten. Kapitel 1 wird nun vorbereitet. Ich freue mich drauf.

(24.02.2027)

Der Schmetterlingstraum (24.02.2017)

Einst träumte Dschuang Dschou, daß er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wußte von Dschuang Dschou.

Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, daß er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, daß er Dschuang Dschou sei, obwohl doch zwischen Dschuang Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist.

So ist es mit der Wandlung der Dinge.

(24.02.2017)

das Sammelsurium sortieren

Ich hab mich mal umgeguckt, das ist alles ganz schön unaufgeräumt hier. Und irgendwie gefällt es mir. Nun ja… also es ist ein Bild der Wirklichkeit, denn so chaotisch „breit“ die Themenbereiche sind, so ist meine Interessenlage. Hier in bisschen Technik und Zockerei, dort dann wieder Musik mit einem Schwenk zur Geschichte und Politik, um dann in der Religion und Philosophie zu enden. Alles ganz angenehm soweit.  Und trotz all der angenehmen Gefühle, die ich mittlerweile (wieder) für DAS SUBWORT hege, gibt es Tage, an denen ich mich nach etwas mehr „Ordnung“ sehne… so wie jetzt eben.

Ich stelle mir also derzeit folgende Frage: erfüllt dieser Blog hier noch seinen Zweck? 

Grundsätzlich sage ich: JA! 

ABER: es gibt Themenbereiche, mit denen fühle ich mich hier einfach nicht richtig aufgehoben. Hierzu gehört der komplette Bereich des Taoismus, der Kampfkunst und der entsprechenden Philosophie, wie dem Tao Te King und (noch in Planung) weiteren Schriften und Büchern, auch aus moderner Zeit. Dieser Themenkomplex nimmt in meinem Leben recht viel Raum ein und das bereits seit vielen Jahren (dass ich das mal so sagen kann… ), daher habe ich beschlossen diesen Themenkomplex hier heraus zu operieren und in einem anderen Blog zu bearbeiten: dem „Schmetterlingstraum„.

Möglicherweise gehört auch der Bereich „Minimalismus“ dazu, denn in gewisser Weise bedingen Taoismus und Minimalismus einander – müssen aber nicht, daher bin ich hier noch unentschlossen.

Aber wie dem auch sei, ich strukturiere also etwas um. Wenn ihr hier also gelegentlich eine kleine Baustelle seht und euch vielleicht die ein, oder andere Veränderung vor die Füße fällt: nun wisst ihr woran es liegt. 🙂

In diesem Sinne!