Tao Te King – Kapitel 5 (12.05.2017)

Tao Te King – Kapitel 6 (24.02.2017)

Ein kurzes, aber dafür umso mystischeres Kapitel des alten Weisen. Ein Kapitel, das man nicht einfach so weglesen, erfassen und dann beiseite packen kann.

Der Geist des Tales… das dunkle Weib/Urmutter… die Wurzel von Himmel und Erde… die erste Assoziation die ich beim Lesen dieser Zeilen gemacht habe ist YIN, die dunkle Hälfte des Yin Yang. Eine logische Sichtweise mit der ich auch nicht alleine da stand – viele Interpretationsversuche von Kapitel 6 beziehen sich hierauf.

Und es klingt ja auch logisch… natürlich werden alle Dinge die leben, aus dem Weiblichen geboren. Was liegt also näher, als hier an eine Art „Muttergottheit“ zu denken, die aus ihrem „Tor“ alles zwischen Himmel und Erde entstehen lässt.

Je länger ich aber darüber nachdenke, desto mehr komme ich von dieser Idee weg. Ich gehe eher davon aus, dass Laotse mit dem Geist des Tales keine alte Naturgottheit im Sinne hatte, wie ebenfalls des öfteren gemutmaßt wird, sondern den Geist eher mit dem Begriff „Idee“  in Verbindung brachte, also als Metapher verwendet hat. Das Tal wird somit nicht zu dem Tal, wie wir es uns vorstellen, sondern zu einem Zwischenraum, einer mit Leere gefüllten Ebene.

Der Satz „Ein schwebender Schleier, kam zu sehen.“ oder „Ununterbrochen wie beharrend“ deuten darauf hin. In einer anderen Übersetzung habe ich folgenden Satz dazu gelesen: „Unbegreifbar, dennoch existent“. 

Laotse macht das schon recht schlau. Er nimmt ein ursächlich weibliches Bild (das Tal, die Mutter) füllt es nur leicht mit einem männlichen Prinzip (der schwebende Schleier, kaum zu sehen) und führt so die Aufmerksamkeit weg von dem Mutterschoß auf den scheinbar leeren Raum davor. Denn DIES ist der Ursprung, die Wurzel von Himmel und Erde. Die Symbiose von Yin und Yang.

Möglicherweise hat der gute Laotse diese Metapher gewählt, weil das Mutterprinzip von den Menschen einfach leichter zu verstehen ist, vielleicht hat er aber auch nur eine damals durchaus gängige Beschreibung gewählt um sein Prinzip den Menschen nahe zu bringen.

Auch wenn sich der Mensch in den letzten 2500 Jahren nicht wirklich weiterentwickelt hat, verstehen wir heute gewisse Aussagen einfach anders, als der Mensch früher. Schwieriger wird es dann natürlich, wenn alte Texte aus einer anderen Sprachen und Kultur in die heutige Zeit und heutige Kultur übersetzt werden. Interpretieren wir die Worte richtig? Übersetzen wir den Text richtig?

Ich denke damit müssen wir heute einfach leben und aus den Prinzipien des Taoismus, des Wu Wei die richtigen Schlüssen beim Lesen dieser Texte ziehen.  Fühlt es sich gut an, liegen wir vielleicht sogar nah an der Wahrheit. Fühlt es sich doof an wohl eher nicht. Und das ist ja auch das Geniale daran – die Vielfältigkeit.

In diesem Sinne!

Kampfkunstlehren (17.05.2017)

Wenn mich die Kampfkunst etwas gelehrt hat, dann ist es Demut.

Demut ist die Bereitschaft, etwas als Gegebenheit hinzunehmen, nicht darüber zu klagen und sich selbst als eher unwichtig zu betrachten.

Das sagt Google, wenn man danach fragt und das trifft es eigentlich ganz gut.

Ich liebe die Kampfkunst, insbesondere die Chinesische und nach etwaigen „Ausprobierphasen“ bin ich mit mit etwa 19 Jahren beim Wing Chun gelandet.  Dieser wunderbar effektiven Kampfkunst habe über 20 Jahre lang weitestgehend die Treue gehalten, bis ich mich nun vor Kurzem auf etwas Neues eingelassen habe: Taijiquan.

Die Gründe für den Wechsel sind eigentlich recht banal. Einerseits war es die Entwicklung im Wing Chun (in meinem alten Verband) von einer Kampfkunst zu einem Kampfsport, die mich zunehmend gestört hat, zum anderen schlicht und einfach der Reiz etwas „Neues“ zu machen. Hinzu kommt, dass Taijiquan eine originär taoistische Kampfkunst ist.

Wing Chun und Taijiquan arbeiten nach denselben Prinzipien, die Ausführung und Praxis ist allerdings (fast) komplett unterschiedlich. Für mich hat dies von den Prinzipien aus gesehen Vorteile, denn einige Bewegungen, Stellungen, Haltungen, etc. kenne ich bereits. Die Nachteile in der Trainingspraxis wiegen allerdings umso schwerer, denn ich muss Gewohntes beiseite packen, neu lernen / umlernen und mir einprägen. Die letzten nunmehr 5 Monate waren daher recht ambivalent für mich. Einerseits bekomme ich Bewegungsfolgen möglicherweise schneller rein, da mir die Prinzipien und Hintergründe schlicht klar sind, andererseits muss ich vieles mit „DEM KOPF“ (da Gewohntes hinderlich ist) mitgehen, was mich wiederum langsamer als andere macht.

Aber das nur mal am Rande.

Schon während des Wing Chun Trainings war ich genervt von Schülern, die Anfängern mal zeigen wollten, „wie es denn so abgeht“, die sich über die ersten unbeholfenen Versuche im Probeunterricht lustig machten, sich als die Kenner der Szene aufspielten und so weiter. Ich denke auch diese Typen kennt jeder, der sich mit einer Kampfkunst beschäftigt. Für mich persönlich ist es wichtig jedem mit Respekt zu begegnen, sei er nun Anfänger, oder Meister. Von jedem gibt es etwas zu lernen… und wenn nicht hat man vielleicht selber etwas abzugeben.

Ich habe gelernt, dass weder Alter, körperliche Verfassung, Expertise oder gar Behinderung ein Hindernis darstellen um etwas zu lernen, ein geniales Training zu absolvieren und dabei eine Menge Spaß miteinander zu haben. Ja, Spaß. Das ist in meinen Augen eines der Grundelemente für eine produktive Unterrichtseinheit. Und damit ist nicht Gekicher, Witze reißen oder Blödsinn machen gemeint. Es ist eher eine Charaktereigenschaft, ob man Spaß an der Kampfkunst hat – oder eben nicht.

Im Dojo sind alle gleich – kein Unterschied. Niemand stellt sich über den anderen, niemand ist wichtiger als der andere, wir behandeln uns mit Respekt und lernen voneinander.

So ähnlich steht es in den Unterlagen des Karatevereins meiner Tochter. Demut eben.

Aber worauf will ich eigentlich hinaus?

Auf die innere Einstellung. Ich bin ein Taijiquan-Neuling und ich bin bereit diese Kampfkunst von Beginn an zu lernen. Ich füge mich in der Schule entsprechend ein, höre auf meinen Lehrer, befolge die Ratschläge, die Lehren, die Korrekturen und verhalte mich (hoffentlich) respektvoll und offen meinen Mitschülern (egal wie lange sie dabei sind) und meinem Lehrer gegenüber – so, wie man es in einer Kampfkunstschule eben erwarten kann.

ABER natürlich gibt es auch hier den/die Mitschüler, die gerne mal zeigen (und sagen) wie lange sie schon dabei sind und die Erfahrungskeule schwingend uns Anfängern mal deutlich machen, wie es hier so abläuft und abzulaufen hat. Ich war erstaunt, denn ich dachte mit zunehmenden Alter und entsprechender Praxis in der Kampfkunst löst sich solch ein Revierverhalten nach und nach auf.

Demut… ja, ich muss wieder den Ignore-Schalter finden und eine handvoll Meditationseinheiten einlegen. Ich noch viel lernen muss… auf meinem Dao-Weg.

Alsdann!

Gut und Böse? (13.05.2017)

Nachdem ich gestern Kapitel 5 des Tao Te King veröffentlicht habe wurde ich prompt mit der Frage konfrontiert: „Also gibt es dann im Taoismus kein Gut und / oder Böse? Ist es einfach egal?“

Mnjein… also ganz so einfach ist es natürlich nicht und hier haben sich schon viele Menschen ihren Kopf dran zerbrochen, impliziert doch der Taoismus eine gewisses „Leben und leben lassen“-Gefühl.

Einen wirklich guten Beitrag habe ich hierzu im Taiji-Forum lesen dürfen, wo das Yin Yang Prinzip erläutert und der Dualismus Unterschied zwischen Ost und West auseinandergepflückt wird. Dem gibt es im Allgemeinen nicht viel hinzuzufügen.

Für mich erklärt sich alles Wesentliche aus dem Lauf der Natur, auch der Dualismus Gut/ Böse. Was ist hier wirklich gut? Was böse? Was in der Natur ist wirklich sinnlos? Sogar die allseits beliebte MÜCKE hat ihren Sinn, erfüllt ihren Zweck. Alles, was wirklich „böse“ im Sinne des Wortes ist, ist menschgemacht.

Wenn die Natur etwas zerstört können wir davon ausgehen, dass die Natur es auch wieder aufbaut, anders eben. Und dieses „Anders“ wird sich perfekt in den Lauf der Natur einfügen und dort ihren Zweck erfüllen.

Wenn der Mensch zerstört, bleibt etwas zerstört. Aktuell wird Syrien dem Wüstenboden gleich gemacht (wie auch viele andere Teile dieser Welt). Selbst wenn wir, der Mensch, es schaffen sollten den Krieg dort zu beenden und Syrien wieder aufzubauen ist und bleibt etwas zerstört. Der Glaube, die Seele, das Vertrauen. Es bleibt Wut, möglicherweise Hass und die Spirale wird weitergehen.

Der Mensch ist leider noch nicht in der Lage solche Spiralen aufzubrechen und zu eliminieren… selbst wenn ich es mir anders wünschen würde.

Ein sogenannter „Weiser“, der sich aus der Welt zurückzieht um ein Leben in der Einsamkeit der Bergwelt zu führen, versucht genau diese „Neutralität der Natur“ zu erfahren, danach zu handeln und sein Leben danach auszurichten. Wenn der alte Laotse nun also schreibt: „Dem Weisen sind die Menschen wir Opferstrohunde“  und uns empfiehlt an der MITTE festzuhaltenist genau dies gemeint.

Ich bin jetzt raus und verabschiede mich ins Wochenende – lasst es euch gut gehen!

Käsespätzle

Also, wenn ich eine Sache mit 2017 in Verbindung bringen werde, dann ist das mein Zahnarzt. Ich will ja gar nicht wehleidig sein, aber Zahnprobleme gehören zu den Problemen, die mich nerven. Massiv.

Ich hatte bis ende 2016 das Glück weitestgehend sorgenfrei mit meinen Beissern zu sein. Klar, hier und da mal ’ne Füllung, an einem Zahn hatte ich ein Inlaym aber ansonsten alles soweit fein. Ende letzten Jahres ging es dann los mit dem Mist und seitdem komme ich quasi nicht mehr von dem Zahnarztstuhl runter. Erst die Kieferhöhle, dann querliegende, plötzlich in Bewegung gekommene Weisheitszähne, hier eine Füllungserneuerung und ein weiteres Inlay… alles innerhalb der ersten 5 Monate  in diesem Jahr und offenbar geht der Spaß weiter…

Letzte Woche war ich abends in meinem Lieblingsbiergarten mit 2 Arbeitskollegen essen. Hungrig und durstig bestellte ich mir ein herrliches Weißbier und die unsagbar leckeren Käsespätzle. Und während ich so auf meinen Käsespätzle herumkaue, bemerke ich plötzliche etwas Knuspriges. Ich denke an eine Röstzwiebel und kaue weiter, nur um im nächsten Moment einen Messerstich im Unterkiefer zu spüren. Ich bekomme einen Schweißausbruch, gehe auf die Toilette und denke: „Scheiße!“ Mit der Zunge ertaste ich an der besagten Messerstichstelle eine klaffende Lücke.

Ich spüle mit eine Schluck Weißbier, was mich wieder zusammenzucken lässt und rufe meinen Zahnarzt an, der – den Göttern sei dank – an diesem Abend lange auf hat. Mit einem Mund voll Käsespätzle- und Biergeschmack mache ich mich also auf den Weg und frage mich, ob ich meinen Zahnarzt mit dem Geruchscocktail anatmen kann… Zähneputzen ging ja nicht mehr… aber offenbar ist der Schlimmeres gewohnt, denn ein kurzer Blick in meinen Hals eröffnete das Drama: der Zahn ist abgebrochen!

Abgebrochen? Ja, abgebrochen. Käsespätzle haben die Ruine zum Einsturz gebracht.

Jetzt hocke ich hier mit einem Provisorium und hoffe, dass das Teil bis Donnerstag aushält – denn dann habe ich meinen nächsten Termin.

Ja, das hier ist nur ein Frustbeitrag ohne jeden Mehrwert.