Warum denn 60er, Oida?

Der Mann und der Fußball ist eine immerwährende Geschichte. Ich gebe durchaus problemfrei zu, dass mich mit dem Fußball nicht allzuviel verbindet. Ja, ich habe seit meinem 5. oder 6. Lebensjahr Fußball gespielt und dann erst mit etwa 19 Jahren aufgehört. Ich habe wohl auch nicht so schlecht gespielt, für die Bezirksliga hat es durchaus gereicht. Allerdings war ich kein Fußballjunkie, der seine komplette Freizeit und Kohle für diesen Sport geopfert hat. Es gab wichtigere Dinge. Freunde, Mädels und Party. Länderspiele fand ich immer langweilig und ein Verein, dem ich die sagenumwobene Fantreue schenken konnte, gab es nicht. Als Niedersachse, der in der Nähe von Hannover aufgewachsen ist, hätte mein Herzchen irgendwie an Hannover 96 hängen sollen. Aber ich war da pragmatisch und bin nach Sympathie gegangen. So war ich Fan von Werder Bremen. Das war nicht jeder und das war cool. Bis ich etwa 12 wurde und die Bundesliga etwas intensiver gescannt werden konnte. Löwen. Hm. Okay. München. Weit weg. Hm. Mal auf dem Radar lassen.

Auf diesem Radar blieben sie dann die nächsten Jahre, während ich mir die Bundesligavereine beider Ligen ansah und das alles nicht so überzeugend fand. Bei den Löwen war es anders. Ich trauerte bei einem Abstieg, jubelte leise bei erneutem Aufstieg, aber so recht als FAN der 60er wollte ich mich nicht bezeichnen. München war halt wirklich weit weg und so richtig mochte die niemand.

Aber es kam aber wie es kommen musste. Vor nunmehr 6 Jahren bin ich mit meiner Family dann nach Bayern gezogen. Für die Bayern war der Fall sofort klar: „Wo kummstn her?“ „Aus der Nähe von Hannover.“ „Bist a 96er?“ „Öhm… naja also …“ „HA! Hob ihs do gwusst!“

 

 

Man kann ja sagen was man will, aber die Löwen machen es einem auch nicht leicht zu ihnen zu stehen. Selbst eingefleischte 60er Fans geben ja nur noch peinlich berührt zu, dass sie 60er Fans sind. Eskapaden in der Vereinsspitze, ein selbstverliebter Investor, ein zusammengerümpelter Haufen Spieler, die alles – nur keine Mannschaft sind… Und dann kam der tiefe Fall mit der versauten Relegation gegen Regensburg. Alles bröckelte auseinander und zu guter Letzt wird die Konzession für den Drittligabetrieb nicht gezahlt. Wer hier nun Schuld hat, ist mir (auf deutsch gesagt) scheißegal. Fakt ist, die 60er spielen nun in Liga 4 und mein persönlicher Held in dieser Zeit des Niedergangs – Daniel Bierofka – bastelt derzeit mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und er U19 ein Team. Und ich hoffe wirklich EIN TEAM! 

In dieser Phase des Umbruchs und trotz Liga 4 und der immer noch drohenden Insolvenz, die Markus Fauser hoffentlich abwenden wird, habe ich nun mein altes Löwen-Trikot aus der Saison 2003/2004 (mit Cerny auf dem Rücken) herausgekramt und werde nun auch öffentlich zu diesem Verein zu stehen, der mich seit meiner Kindheit immer irgendwie begleitet hat.

 

 

 

 

 

Sportlich, so glaube ich, wird es für die Löwen kein Problem sein zeitnah wieder in der Liga 2 zu spielen. Ob es der Verein auch wirtschaftlich schaffen wird, am besten mit neuer, frischer Vereinsspitze und möglicherweise neuem, oder zusätzlichen Investor, sei mal dahingestellt. Ich wünsche es den Löwen.

Einmal Löwe, immer Löwe.