Erkenntnisse

2017 war ein lehrreiches Jahr. Es hat vieles umgeworfen, Veränderungen geradezu eingefordert und mich aus meiner eingebildeten, arroganten Komfortzone herausgerissen. 2017 hat mich dazu gebracht Gewohnheiten zu hinterfragen, Einstellungen und Meinungen zu ändern und meine Weltanschauung zu überdenken. Es war spannend, enervierend, überraschend… und ich bin noch lange nicht durch. Dieses seltsame Jahr wird noch lange nachhallen und die Auswirkungen werden sich erst nach und nach herausbilden und offensichtlich werden.

Ein Spruch, der sich in diesem Jahr leider mehrfach bewahrheitet hat ist folgender:

„Gib einem Menschen Macht und es zeigt sich sein wahrer Charakter“.

Ich würde ihn um den Passus „Druck“ erweitern und ihn wie folgt abwandeln:

Gib einem Menschen Macht und/oder setze ihn unter Druck und es zeigt sich sein wahrer Charakter.

Dazu passt auch gleich die nächste Erkenntnis:

Der erste Eindruck ist meistens (immer) richtig

Wer mich etwas besser kennt weiß, ich spiele gerne mit meiner Herkunft. Immer mit einem zwinkernden Auge und etwas Schmäh, die Österreicher bieten aber auch echt genug Ansätze. Trotzdem ich mich mit Österreich nur schwer wirklich identifizieren konnte, habe ich den kleinen Alpenstaat als meinen Herkunftsort definiert und 44 Jahre mit dem Hintergrund gelebt. Mehr oder weniger ein Zufall hat dann allerdings aufgezeigt, dass dieser Staat nur eine kurze Passage in meiner Familiengeschichte spielt und sich nicht auf das Blut niedergeschlagen hat. Ich bin in etwa soviel Österreicher/Deutscher wie Marokkaner oder Chinese – nämlich gar nicht. Trotz österreichischem Pass fühlt es sich nun – nach etwas vergangener Zeit – seltsam an, entwurzelt und irgendwie orientierungslos. Mein nächster Urlaub führt mich daher in die Region meiner Herkunft.

Bayern ist ein Übergang. Seitdem ich hier lebe, habe ich verschiedene Phasen durchlebt. Von anfänglichem Abwehrverhalten bis hin zum Versuch „Bayer“ zu werden bin ich aktuell im Stadium des „ganz OK-findens“. Ich mag das bayerische Bier und die Landschaft, liebe ausgedehnte Touren durch die bayerische Natur und die Wirtshäuser, aber das war’s auch. Bayern ist schön, aber es ist nicht „zu Hause“ – wobei ich den Begriff „Heimat“ auch nicht mit einem Ort verbinde, sondern eher und lieber mit der Verbundenheit zu Menschen.

Auch in diesem Jahr hat sich mal wieder gezeigt, dass Gesundheit das höchste Gut ist. Ich kann nur für meinen Familie da sein, wenn ich gesund bin. Ebenso kann ich meinen Job nur gut machen, wenn ich gesund bin. Ich kann aber auch nur gesund bleiben, wenn mir mein Job und mein Lebensumfeld gut tut. Das Eine bedingt das Andere. Dieses Verhältnis stimmt schon seit einigen Jahren nicht mehr. Trotz aller Vorsicht und getroffenen Maßnahmen. Ein Punkt den ich angehen muss.

Minimalismus kann zu einer Sucht werden. Es ist eine Ansage gegen den Konsumrausch, gegen die eingeschlagene Richtung dieser, unsrigen, westlichen Gesellschaft. Zum Minimalismus gehört Mut, Disziplin und Willenskraft, denn man begibt sich in den Gegensatz dessen, was uns Tag für Tag begegnet, vorgespielt und intoniert wird. Der permanente Vergleich mit und das Übertrumpfen müssen von anderen scheint wie ein Spiel zu sein ist aber letztlich bitterer Ernst. Ich selber habe 2017 leider nur wenig Minimalismus gewagt und bin phasenweise in ein regelrechten Konsumwahn geraten. Mehr Minimalismus wagen gehört daher auf die kommende Agenda.

Veränderungen sind nicht immer gut. Veränderungen sind im Leben allerdings nötig. Die Frage ist, ob man die Eier hat eine negative Veränderung in eine positive Veränderung zu wandeln. Und wann ist der richtige Zeitpunkt? Diese Frage wird mich noch eine Weile begleiten, mehr dazu dann sicherlich im Lauf 2018 in diesem Blog.

All diese Erkenntnisse sind – bis auf die Österreich-Sache – nicht neu, sie haben sich aber im Laufe des Jahres 2017 regelrecht aufgedrängt. Ich habe ja diese Theorie, dass jedem Menschen ein gewisser Weg mitgegeben wurde (völlig religionsunabhängig), und je weiter man sich von diesem Weg entfernt und eine Richtung einschlägt, die völlig konträr läuft wird man darauf aufmerksam gemacht. Sei es durch eine Krankheit, die einen aus dem Alltag rausnimmt, ein Gespräch, das man nicht vergisst, eine Begegnung, die einen nachdenken lässt, bis hin zu großen Ereignissen, die einen in eine gewisse Richtung drängen.

Daher ist es vielleicht falsch von „Erkenntnissen“ zu sprechen, vielleicht wäre „Erinnerung“ das besser Wort gewesen.

Ich denke, ich werde diesen Beitrag hier etwa alle 3 Monate im kommenden Jahr hervorholen und über diese Erinnerungen eine Kleinigkeit schreiben. Vielleicht muss ich mir diese Punkte einfach regelmäßig ins Gedächtnis rufen, um nicht in einen gewissen gesellschaftlich-döseligen Trott zu fallen.

So – jetzt aber genug für dieses Jahr!

Genießt die Rauhnächte und die evtl. freien Tage – ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und – wie lesen uns!

Alsdann!

Tao Te King – Kapitel 8 (17.12.2017)

Kapitel 8 ist in meinen Augen das erste Kapitel, das einen klaren Handlungsrahmen vorschlägt, um in sich das Tao zu kultivieren. Trotz des an sich recht klaren Inhalts gibt es hier etwaige Übersetzungen, die manchmal in Details, aber auch in in Grundsätzlichkeiten Arecht stark differieren. Ich habe mir hier drei Übersetzungen herausgesucht – lest also einfach selbst:

1. Richard Wilhelm:

Höchste Güte ist wie das Wasser. Des Wassers Güte ist es, allen Wesen zu nützen ohne Streit. Es weilt an Orten, die alle Menschen verachten. Drum steht es nahe dem SINN. Beim Wohnen zeigt sich die Güte an dem Platze. Beim Denken zeigt sich die Güte in der Tiefe. Beim Schenken zeigt sich die Güte in der Liebe. Beim Reden zeigt sich die Güte in der Wahrheit. Beim Walten zeigt sich die Güte in der Ordnung. Beim Wirken zeigt sich die Güte im Können. Beim Bewegen zeigt sich die Güte in der rechten Zeit. Wer sich selbst behauptet, bleibt frei von Tadel.

2. Gia Gu-Feng:

Das Höchste Gut gleicht dem Wasser. Wasser kommt den zehntausend Dingen zugute und kämpft nicht. Es fließt an Orten, die Menschen vermeiden. So ist es Nahe dem WEG. Kein Kampf kein Tadel. Im Wohnen sei nahe dem Boden. In der Meditation gehe tief ins Herz. In Beziehungen sei sanft und freundlich. In der Sprache sei offen und ehrlich. Im Umgang mit Menschen sei fair und gerecht. In allen Dingen sei sorgfältig und tüchtig. in jeder Bewegung (jedem Handeln) wähle den rechten Zeitpunkt.

3. Deutsche Daoistische Vereinigung, Liu De-Ming:

Das höchste Gut gleicht dem Wasser. Sein Gutes nützt den zehntausend Wesen, doch ohne Streit. Es verweilt an Orten, die viele Menschen verabscheuen, daher ist es dem DAO nah. An guten Orten wohnen, im Herzen tiefgründig sein, Geben durch gutes Mitgefühl, gute Aufrichtigkeit im Reden, regieren durch gute Ordnung, bei Angelegenheiten gutes Können zeigen, im Handeln die gute Zeit wählen. Denn nur wenn man nicht streitet, gibt es keine Unzufriedenheit.

Grundsätzlich ist das Kapitel ja ziemlich klar. Die Ratschläge um ein gutes Leben zu führen sind eigentlich in jeder Übersetzung OK, selbst wenn mir hier die Übersetzung von Gia Gu-Feng am besten gefällt. Es ist einfach Geschmackssache. Eigentlich sollte jeder solche, oder so ähnliche Ratschläge schon mal in seinem Leben gehört haben, so unterschiedlich sind sie nicht zu unserem westlichen Weltbild… 😉

Einen Passus in diesem Kapitel kann ich aber nicht recht nachvollziehen, oder verstehen. Der Vergleich mit dem Wasser ist logisch und durchaus passend. Und solange die Wasserreserven dieser Welt noch der Allgemeinheit zugänglich und noch nicht vollständig privatisiert – oder von Nestlé gekauft sind, gut verständlich.

„Es verweilt an Orten, die Menschen vermeiden. So ist es Nahe dem Weg.“ Ein richtige Erklärung hierzu habe ich noch nicht gefunden. Ich hab versucht es für mich zu interpretieren, komme aber auch nicht so recht weiter… aber vielleicht bin ich ja auf dem richtigen Weg:

Wasser sucht sich seinen Weg immer nach unten. Man findet Wasser in der Regel in der Dunkelheit, in Höhlen, in der Erde. Wasser folgt seinem natürlichen Lauf, es drängt nicht, es fordert nicht – es fließt einfach und folgt den Gegebenheiten.

Der Mensch strebt ständig nach Verbesserung. Im übertragenen Sinne strebt er nach oben, dem Himmel entgegen. Er will mehren, ist nie zufrieden, gibt sich nicht dem natürlichen Lauf hin, er versucht ständig den Lauf zu verändern, ihn sich Untertan zu machen.

Letztlich würde es bedeuten sich von den eigentümlichen Bestrebungen eines Menschen frei zu machen und sich – wie das Wasser – dem Lauf des Lebens hinzugeben. Die Frage hierbei ist aber: Hätte man das nicht einfacher beschreiben können?

In eigener Sache:

Auch wenn ich kein Christ bin, ist Weihnachten natürlich eine Zeit im Jahr, die uns in der unsrigen Gesellschaft ständig irgendwie gefangen hält. Neben der steigenden Spannung und den zunehmenden Stress um uns herum ist es doch eine Phase im Jahr, die man gut dazu nutzen kann um mal wieder Zeit mit der Familie zu verbringen, etwas Ruhe einkehren zu lassen, zu sich selbst zu finden, etc. pp.

Genau das werde ich auch tun und mich nun für die nächsten Wochen ein wenig zurückziehen. Ich wünsche euch eine tolle, ruhige Zeit, übt ein wenig eure Kampfkunst, meditiert und auf bald!

In diesem Sinne meine liebe Taoisten!