Tao Te King – Kapitel 8 (17.12.2017)

Kapitel 8 ist in meinen Augen das erste Kapitel, das einen klaren Handlungsrahmen vorschlägt, um in sich das Tao zu kultivieren. Trotz des an sich recht klaren Inhalts gibt es hier etwaige Übersetzungen, die manchmal in Details, aber auch in in Grundsätzlichkeiten Arecht stark differieren. Ich habe mir hier drei Übersetzungen herausgesucht – lest also einfach selbst:

1. Richard Wilhelm:

Höchste Güte ist wie das Wasser. Des Wassers Güte ist es, allen Wesen zu nützen ohne Streit. Es weilt an Orten, die alle Menschen verachten. Drum steht es nahe dem SINN. Beim Wohnen zeigt sich die Güte an dem Platze. Beim Denken zeigt sich die Güte in der Tiefe. Beim Schenken zeigt sich die Güte in der Liebe. Beim Reden zeigt sich die Güte in der Wahrheit. Beim Walten zeigt sich die Güte in der Ordnung. Beim Wirken zeigt sich die Güte im Können. Beim Bewegen zeigt sich die Güte in der rechten Zeit. Wer sich selbst behauptet, bleibt frei von Tadel.

2. Gia Gu-Feng:

Das Höchste Gut gleicht dem Wasser. Wasser kommt den zehntausend Dingen zugute und kämpft nicht. Es fließt an Orten, die Menschen vermeiden. So ist es Nahe dem WEG. Kein Kampf kein Tadel. Im Wohnen sei nahe dem Boden. In der Meditation gehe tief ins Herz. In Beziehungen sei sanft und freundlich. In der Sprache sei offen und ehrlich. Im Umgang mit Menschen sei fair und gerecht. In allen Dingen sei sorgfältig und tüchtig. in jeder Bewegung (jedem Handeln) wähle den rechten Zeitpunkt.

3. Deutsche Daoistische Vereinigung, Liu De-Ming:

Das höchste Gut gleicht dem Wasser. Sein Gutes nützt den zehntausend Wesen, doch ohne Streit. Es verweilt an Orten, die viele Menschen verabscheuen, daher ist es dem DAO nah. An guten Orten wohnen, im Herzen tiefgründig sein, Geben durch gutes Mitgefühl, gute Aufrichtigkeit im Reden, regieren durch gute Ordnung, bei Angelegenheiten gutes Können zeigen, im Handeln die gute Zeit wählen. Denn nur wenn man nicht streitet, gibt es keine Unzufriedenheit.

Grundsätzlich ist das Kapitel ja ziemlich klar. Die Ratschläge um ein gutes Leben zu führen sind eigentlich in jeder Übersetzung OK, selbst wenn mir hier die Übersetzung von Gia Gu-Feng am besten gefällt. Es ist einfach Geschmackssache. Eigentlich sollte jeder solche, oder so ähnliche Ratschläge schon mal in seinem Leben gehört haben, so unterschiedlich sind sie nicht zu unserem westlichen Weltbild… 😉

Einen Passus in diesem Kapitel kann ich aber nicht recht nachvollziehen, oder verstehen. Der Vergleich mit dem Wasser ist logisch und durchaus passend. Und solange die Wasserreserven dieser Welt noch der Allgemeinheit zugänglich und noch nicht vollständig privatisiert – oder von Nestlé gekauft sind, gut verständlich.

„Es verweilt an Orten, die Menschen vermeiden. So ist es Nahe dem Weg.“ Ein richtige Erklärung hierzu habe ich noch nicht gefunden. Ich hab versucht es für mich zu interpretieren, komme aber auch nicht so recht weiter… aber vielleicht bin ich ja auf dem richtigen Weg:

Wasser sucht sich seinen Weg immer nach unten. Man findet Wasser in der Regel in der Dunkelheit, in Höhlen, in der Erde. Wasser folgt seinem natürlichen Lauf, es drängt nicht, es fordert nicht – es fließt einfach und folgt den Gegebenheiten.

Der Mensch strebt ständig nach Verbesserung. Im übertragenen Sinne strebt er nach oben, dem Himmel entgegen. Er will mehren, ist nie zufrieden, gibt sich nicht dem natürlichen Lauf hin, er versucht ständig den Lauf zu verändern, ihn sich Untertan zu machen.

Letztlich würde es bedeuten sich von den eigentümlichen Bestrebungen eines Menschen frei zu machen und sich – wie das Wasser – dem Lauf des Lebens hinzugeben. Die Frage hierbei ist aber: Hätte man das nicht einfacher beschreiben können?

In eigener Sache:

Auch wenn ich kein Christ bin, ist Weihnachten natürlich eine Zeit im Jahr, die uns in der unsrigen Gesellschaft ständig irgendwie gefangen hält. Neben der steigenden Spannung und den zunehmenden Stress um uns herum ist es doch eine Phase im Jahr, die man gut dazu nutzen kann um mal wieder Zeit mit der Familie zu verbringen, etwas Ruhe einkehren zu lassen, zu sich selbst zu finden, etc. pp.

Genau das werde ich auch tun und mich nun für die nächsten Wochen ein wenig zurückziehen. Ich wünsche euch eine tolle, ruhige Zeit, übt ein wenig eure Kampfkunst, meditiert und auf bald!

In diesem Sinne meine liebe Taoisten!

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