Havamal heute – Einleitung –

Das Hávámál

Das Hávámál, des Hohen Lied, oder die Sprüche des Hohen sind eine Sammlung von etwa 164 Strophen / Sprüchen, die offiziell zur Lieder-Edda gehören. Sie werden dem nordischen Gott Odin zugesprochen, der den Menschen mit den Sprüchen eine Art Verhaltens-Kodex in die Hand gegeben hat, damit sie ehrenhaftes und erfolgreiches Leben führen können.

Wann das Hávámál entstanden ist, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Snorri Sturluson beim Niederschreiben der Edda natürlich 1. auf älteres Material zugriff und 2. vieles aus mündlichen Überlieferungen erstmals schriftlich erfasst hat.

Zudem ging es ihm nicht wirklich um den Inhalt der Geschichten und Überlieferungen, sondern in erster Linie um die Reimtechnik der alten Skalden – er wollte mit der Edda in erster Linie ein Lehrbuch für künftige Skalden, Dichter und Sänger erschaffen.

Das soll die Leistung von Snorri Sturluson keinesfalls schmälern, dank seiner Arbeit sind uns zumindest ein Teil der nordischen Göttersagen, Geschichten und Regelwerke erhalten geblieben!

Dennoch muss man einfach darauf hinweisen, dass Snorris Anliegen bei der Zusammenstellung der EDDA nicht der Erhalt des Inhalts war, sondern die Erstellung eines Lehrbuchs. Ebenso muss darauf hingewiesen werden, dass Snorri Christ war. Ich möchte nicht unterstellen, dass die Schriften christianisiert wurden, dennoch findet sich am Schluss der Völuspa ein durchaus christlicher Aspekt wieder. Demzufolge kann man durchaus annehmen, dass auch andere Passagen zwar nicht umgeschrieben, aber wohl beeinflusst sind.

Warum dieses Skript?

Man kann sich natürlich die Frage stellen, welchen Sinn und Wert ein schriftlich erfasstes Regelwerk in Reimform aus dem 11./12. Jahrhundert hat, das in seiner Form sogar noch viel älter ist. Welchen Einfluss kann denn ein solches Reimwerk auf die Menschen der heutigen Zeit haben?

Mal abgesehen von der Zeitspanne, die zwischen der Erstellung und heute liegt, hat sich der Mensch an sich nicht wirklich verändert. Unsere Umstände haben sich geändert, wir sind vermeintlich fortgeschrittener, unsere “Arbeit” hat sich verändert und wir sind nicht mehr darauf angewiesen auf Vikingr zu fahren, oder Land zu bestellen.

Aber wir als Mensch haben uns effektiv nicht verändert. Aus diesem Grund gibt es auf dieser Welt einige Werke, die eine über die Jahrtausende geltende Gültigkeit haben. Die zehn Gebote, die Sagen des Altertums, die Aufzeichnungen über den Buddha, das Tao te King, die Schriften von Konfuzius, oder auch Sun Tzes die Kunst des Krieges.

Zu diesen Werken zählt auch das Hávámál. Das Hávámál ist insofern interessant, da es einem europäischen Kulturkreis entspringt, der ein oder andere Leser wird dadurch möglicherweise einen anderen, oder schnelleren Zugang zu diesem Werk finden.

Aber sei es drum… der eigentlich Grund für dieses Skript ist der folgende:

Ich bin tierisch genervt.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Sozialgesellschaft in den letzten, sagen wir: 25 Jahren mächtig gedreht hat. Opportunisten, Gierhälse und Messerwetzer gab es natürlich auch schon damals, jedoch habe ich heute den Eindruck, dass es beinahe schon zum „Guten Ton“ gehört sich selbst über andere zu erheben, Mitmenschen zu denunzieren und niederzumachen, sich auf Kosten anderer zu bereichern, etc.

Die Anzahl der beruflichen und auch privaten Burnouts ist dramatisch angestiegen, ebenso die Anzahl derer, sich “möglichst nicht auffallen” wollen und alle mögliche unternehmen, um in ihrem kleinen Refugium alles in Ordnung zu halten.

Herz- und Hirnschläge ab einem Alter von etwa 30 Jahren gehören heutzutage zur Normalität, mit Magengeschwüren, Bluthochdruck und/oder Fettleibigkeit kämpft gefühlt jeder Dritte.

Lästereien, Gehässigkeiten, üble Nachrede, Dolchstöße, direkte Verbalattacken… es ist teilweise unfassbar, was man in einem durchschnittlichen Unternehmen mitbekommen muss. Oftmals erscheint mir der Schritt zur körperlichen Gewalt nur noch ein Kleiner zu sein, um nicht zu sagen, er wäre längst überfällig. Ein falsches Wort, eine falsche Bewegung und es wäre soweit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dies in meiner aktiven beruflichen und privaten Rest-Zeit leider noch miterleben muss.

Ich hatte immer das idealistische Bild, dass in einem Unternehmen alle Mitarbeiter in einem großen Gemeinschaftsprojekt an dem Erfolg des Unternehmens arbeiten. Mittlerweile denke ich eher, dass jeder Mitarbeiter an seinem eigenen persönlichen Erfolg arbeitet und dabei jede Art von Ehre, Moral, Loyalität, guten Umgangsformen und Gemeinschaft als lästig und störend ansieht…. sofern es seiner egoistischen Sache nicht dienlich ist.

Ich beziehe mich stark auf das Arbeitsumfeld, es sei mir verziehen. Hier verbringe ich den größten Teil meiner Zeit und habe leider keinen direkten Einfluss auf die Unternehmens- … „Philosophie“. Ich kann hier nur in meinem kleinen Umfeld so agieren, wie ich es für richtig halte.

In meinem Privatleben kann ich – den Göttern sei Dank – darauf achten, meine Zeit mit den richtigen Menschen und Taten zu verbringen und ein Arschloch entsprechend aus meinem Umfeld zu entfernen.

Ein Arbeitskollege von mir zeichnet immer das Bild von Managern mit Messern zwischen Zähnen in den Raum und ich glaube, dass er damit ein gutes Bild gewählt hat. Jedoch beschränkt sich das nicht mehr “nur” auf Managern in Führungsebenen, sondern auf jede Art von Arbeitnehmern und wahrscheinlich auch Arbeitgebern.

Als ich meine ersten Schritte in einem beruflichen Umfeld machte, habe ich mich immer gefragt, mit welchem meiner Kollegen möchte ich in einem Schützengraben liegen, wenn ich denn müsste. Oder, da wir das Hávámál behandeln: mit welchem meiner Kollegen möchte ich in einem Schildwall stehen. In den ganzen 20 Jahren beruflicher Aktivität sind es genau 2. Und mit beiden arbeite ich nun seit gut 7 bis 8 Jahren nicht mehr zusammen… die Wege haben sich einfach getrennt.

Ich glaube, dass wir etwas verloren haben. Nichts mystisches, oder religiös-esoterisches, sondern den einfachen Fakt, dass wir uns gegenseitig brauchen um voran zu kommen. Schriften, wie das Hávámál, können uns dabei helfen nicht die Orientierung zu verlieren und uns in schwierigen Situationen den Weg weisen.

Auch wenn ich mich größtenteils auf das Arbeitsumfeld beziehen werde bin ich davon überzeugt, dass diese kleinen Lehrsprüche auch für das Privatleben sinnvoll sind. Der Leser möge seine eigenen Schlüsse ziehen.

Ich beginne nicht heute, dies hier ist lediglich die Einleitung, eine Art Einführung in das Warum dieser Beitragsreihe. Ebenso wie das Tao Te King (an dem ich schon ewig nicht mehr geschrieben habe) in einer eigenen Kategorie zu finden ist, werde ich auch das Hávámál in einer Eigenen ablegen. So die Götter wollen, erfolgt demnächst der erste Spruch… 🙂

In diesem Sinne!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s