Havamal heute – 2. Spruch

Heil dem Geber! Der Gast ist gekommen.

Wo soll er sitzen? 

Atemlos ist, der unterwegs sein Geschäft erledigen soll.

Ein Spruch, der sich auf die Gastfreundschaft bezieht, auch im geschäftlichen Sinne, was den Spruch hier schon wieder interessant macht, denn offenbar haben unsere Ahnen Gastfreundschaft ggü. Reisenden auch mit Handel verbunden.

Gut, andererseits, warum hätte man damals auch reisen sollen? Zum Spaß sicher nicht, wie es heute der Fall ist. Letztlich wird es nur drei Gründe gegeben haben: Raubzug/Krieg, Handel und Botengänge. Und besonders die letzten beiden Gründe sind mit dem Spruch abgedeckt. Man sollte also als Gastgeber den Gast freundlich empfangen und ihm die nötige Zeit geben sein Anliegen vorzubringen.

„Heil dem Geber“ wäre somit als eine Aufforderung des Allvaters an die Menschen zu sehen, gute Gastgeber zu sein. Gastfreundschaft ist nicht umsonst eine der Tugenden unserer Ahnen gewesen.

„Wo soll er sitzen?“ sehe ich als deutliche Aufforderung vorsichtig zu sein. Ist es ein Freund, Verwandter oder Bekannter besteht kein Grund ihn nicht direkt ins „Innere“ ins „Private“ zu lassen. Wäre der Gast ein Fremder wäre es wahrscheinlich besser ihn erstmal ans Feuer zu setzen, an einen Platz, wo man ihn im Auge hat und ihn sein Anliegen erstmal vortragen zu lassen. Natürlich mit dem nötigen Respekt und Freundlichkeit.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder? Nun, leider nein. Ich musste es insbesondere in den letzten 1,5 Jahren mehrfach erleben, dass dies eben nicht so ist. Ich möchte hier gar nicht ins Detail gehen. Respekt und Achtung vor dem Anderen gibt es leider immer weniger. Möglicherweise ist dies auch nur mein Blick auf die heutigen Umstände, ich würde mich freuen, wenn es so wäre.

„Atemlos ist, der unterwegs sein Geschäft erledigen soll“ bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. In so einer „atemlosen“ Situation, kann viel missverstanden werden, Details vergessen oder unterschlagen werden, nur um den Besuch schnell hinter sich zu bringen.

Ich persönlich ziehe es vor, mir zumindest in Ruhe das Anliegen des Besuchs anzuhören. Was dem dann folgt steht ja erstmal auf einem anderen Blatt, aber es kann auch aus einem vorerst unangenehmen Besuch durchaus etwas Sinnvolles  entstehen. Und hier kommt dann wieder der Passus „wo soll er sitzen“ zum Tragen: treffe ich ihn in der Cafeteria, zum Essen oder doch gleich Besprechungsraum?

So, ich denke ihr wisst, worauf ich hinaus möchte… behandelt euren Gegenüber mit Respekt und Anstand und nehmt euch die Zeit sein Anliegen anzuhören.

Bei einem Aboverkäufer, Spendensammler oder sonstigen Typen, die gelegentlich mal an der Tür stehen ist das natürlich etwas anderes… aber auch denen kann man mit einem respektvollen „Nein, danke!“ deutlich seinen Standpunkt mitteilen.

In diesem Sinne!

 

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