Halbzeit, Umbau, Auszug?

Juni.

Es ist noch nicht so lange her, vielleicht ein halbes oder dreiviertel Jahr, da saß ich an eben dieser Stelle in der Küche und tippte in einen meiner Beiträge, dass ich etwaige Dinge im kommenden Jahr ändern werde. Nun ist dieses kommende Jahr bereits ein halbes Jahr alt und ich stelle fest, dass ich nur einen Bruchteil dessen geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe.

Ich habe die letzten Tage oft darüber nachgedacht den Blog einzustellen. Nach dem Lesen der letzten Beiträge ist mir vor Allem eines aufgefallen: das nicht klare Ausdrücken der eigenen Meinung und das ständige Gejammer. Beides habe ich satt.

Ein Blog dient ja in erster Linie dazu seine Meinung in gewisser Weise einer mehr oder weniger breiten Öffentlichkeit kundzutun. Wenn man nun versucht seine Meinung so rund wie möglich zu verpacken, damit sie auch ja niemanden sauer aufstoßen kann, dann ist man erstmal ohne Profil und letztendlich Teil des Mainstreams, der „öffentlichen“ Meinung quasi.

Aber will ich das sein?

Es gibt genug Dinge in diesem Staat, in Europa, auf der Welt die mich gewaltig nerven, die sicher den einen oder anderen tatsächlich offen geschriebenen Beitrag verdient hätten. Doch darf man so etwas veröffentlichen, auch wenn es gegen die öffentliche Meinung geht?

In der Allensbach-Umfrage zur Meinungsfreiheit heisst es, dass  71 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Äußerungen zu prägnanten Themen mit Vorsicht ausgesprochen werden sollten. Rechte nicken eifrig, für sie ist das eine Bestätigung, Linke verharmlosen das Ergebnis und betreiben Wortklauberei, denn „Vorsicht“ bedeute ja nichts weiter, als auf Ausdruck und Wortwahl zu achten.

Ja, aber ist das nicht selbstverständlich auf Ausdruck und Wortwahl zu achten? Und ist es falsch einen gepflegten Diskurs zu führen, oder sich auch mal ordentlich zu streiten? Ich muss ja meinen Gegenüber nicht hassen, nur weil er nicht mit mir einer Meinung ist. Und erst durch die Auseinandersetzung ist man doch in der Lage 1. seine Ansichten und Meinungen zu untermauern, und/oder 2. zu prüfen, zu überdenken und ggf. anzupassen.

Ich finde das Ergebnis mehr als nur bedenklich und es sollte eher zum Überlegen anregen WARUM diese Meinung vorherrscht. Zensur ist etwas, was man eigentlich nur mit totalitären Staaten in Verbindung bringt. Was ist aber mit  (Eigen-) Zensur aufgrund öffentlichen Drucks?

In der Zwischenzeit ist mir der ehemalige Bundespräsident Gauck mit seiner Toleranz-Debatte zuvor gekommen. Ich gebe ihm hier in vielen Teilen recht, ein Umstand, den ich sicher nie so erwartet hätte. Es wird sich nicht mehr gerieben, es ist nicht modern unterschiedliche Standpunkte zu vertreten und darüber zu streiten. Es gibt klare Ausschlusskriterien, mit wem man eine Debatte führen kann und mit wem nicht. Es wird nicht davor zurückgeschreckt unter die Gürtellinie zu gehen, zu diffamieren und den sozialen Abstieg seines Gegenübers in Kauf zu nehmen – es wird sogar noch bejubelt.

Es geht nicht mehr um den Streit, um das „Vorankommen“, es geht um Selbsterhöhung. Es genügt nicht über ein Selbstwertgefühl zu verfügen, es muss von anderen anerkannt werden, selbst wenn man seinen gegenüber dafür herabsetzen muss.

Das gilt nicht nur für die typische links/rechts Debatte, sondern im Prinzip für jede Art von Diskussion. Je länger sie geführt wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Ausdruck und Wortwahl unter die Gürtellinie wandern und in Erniedrigung und einer Art Verzweiflung enden.

Wieso ist das so?

Sicher kann man das auf die Gesellschaft und eine gewisse „Verrohung“ schieben. Ich schiebe es auf die Akzeptanz, auf den sogenannten „common sense“. So zu agieren ist mittlerweile gesellschaftsfähig, quasi normal. Ich lehne mich dagegen auf, will mich diesem COMMON SENSE nicht anschließen, ich steige lieber aus einer Diskussion aus, als dass ich mich verbal verbiege und auf so ein Spiel einlasse. Ich habe zuviel Achtung vor dem Mensch an sich und auch, oder vor Allem, mir selbst gegenüber.

Wie ein Stück weiter oben bereits geschrieben, habe ich in den letzten Monaten öfter darüber nachgedacht das Spiel hier zu beenden. Der Blog hier wurde einfach langweilig und belanglos. Und je länger man darüber nachdenkt was man wie schreiben kann / darf, um so belangloser werden die Themen und die Ausführung derer. Und so entwickelte sich ein Blog, der ursprünglich polarisieren sollte und ungesagtes sagen wollte zu einem Blögchen.

Ich bin nach all der Denkerei letztlich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich aus dem Blögchen wieder einen Blog machen will. Wie und in welcher Form weiß ich dagegen noch nicht.

Evtl. gehe ich dafür wieder auf meine alte Domain zurück (subwort.com)  und beginne komplett neu, oder ich schiebe alles bisher Geschriebene ins Archiv zurück und bleibe hier. Möglicherweise halte ich auch meine Nase in eine Kamera und versuche mich an einem Video-Blog, oder mache eine Mischung aus beiden Varianten.

Umorganisation also. Das ist des Pudels Kern!

Ich werkel nun im Hintergrund ein wenig weiter und melde mich wieder, sobald es etwas zu berichten gibt. Möglicherweise mit einem Zwischenbericht, vielleicht mit einer neuen Page, ich weiß es noch nicht.

In diesem Sinne!

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