Havamal heute – 3. Spruch

Wärme wünscht, der vom Wege kommt mit erkaltetem Knie;

Mit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer, der über Felsen fuhr.

Der Spruch ist nicht wirklich kompliziert und vom Sinn her leicht zu interpretieren. Ich habe mich aber dennoch gefragt, ob nicht etwas mehr dahinter steckt, denn wie immer in der nordischen Mythologie, gibt es nichts Lapidares  in den Texten… also schaunmermal.

Folgendes sticht hier heraus: das Knie und der Fels.

Was ist an einem  Knie und an einem  Fels so wichtig, dass diese Begriffe in einem eigentlich selbsterklärendem Spruch auftauchen?

Sowohl das Knie, als auch der Fels sind grundlegende Begriffe in der nordischen Mythologie. Der Fels ist Ausdruck von Standhaftigkeit, dem Ertragen von beschwerlichen Aufgaben und dem bewältigen von großen Hindernissen. Der Fels ist Ausdruck von großer Kraft, die man aufbringen musste, um etwas zu erreichen.

Ein Wanderer der über Felsen fuhr ist also jemand, der einen äußerst beschwerlichen und langen Weg hinter sich gebracht hat und nun (zurecht) das Gastrecht einfordert.

Das Knie ist in der nordischen Mythologie ein Ausdruck der Beweglichkeit und Freiheit beschreibt. Je besser sich ein Knie bewegen kann, desto freier und beweglicher ist Mensch. Im alten Norden gab es zum Beispiel folgenden Ausdruck, um einen „verliebten“ Mann“ zu beschreiben, der nicht mehr von der Seite seiner Angebeteten wich:

„Sie schoss ihm einen Pfeil ins Knie!“

Im Englischen gibt es hierfür die Redewendung: „putting an arrow to the knee!“

Heutzutage gehen manche davon aus, dass genau dies auch der Grund ist, warum in der nordischen Welt der Mann bei einem Heiratsantrag auf die Knie geht…. macht schon Sinn irgendwie…. 🙂

Das Spiel Skyrim geht lustigerweise auch auf diesen Umstand ein. Die Wachen auf der Stadtmauer murmeln folgenden Satz: „Früher war ich auch ein Abenteurer, aber dann habe ich einen Pfeil ins Knie bekommen!“

Sei’s drum – zurück zu dem Spruch: ein kaltes Knie ist ein bewegungsunfähiges Knie. Der Wanderer muss also bereits lange unterwegs gewesen sein, damit das Knie kalt und bewegungslos sein kann. Wärme ist dann eine Wohltat, die der Gastgeber sicher nicht verweigern sollte.

Somit wird der Spruch auch rund. Das quasi „erweiterte“ Gastrecht in dem einem Wanderer Wärme, Kleidung und Essen angeboten wird tritt dann in Kraft, wenn eine beschwerliche und lange Reise vorausging.

Ein kleines, aber in meinen Augen sehr wichtiges Detail, wenn es um die Interpretation und die Übertragung des Spruches auf die heutige Zeit geht.

Alsdann ihr Nordmenschen, bleibt weise!

Ein Kommentar zu „Havamal heute – 3. Spruch

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