Mein Kampfkunstweg 5 – Arbeitszeit vs Trainingszeit und der Blick über den Rand

Am Freitag, 13.12. habe ich mich für dieses Jahr vom Training verabschiedet.

Nicht, weil ich keinen Bock darauf hätte, sondern schlicht und einfach, weil meine Arbeitszeit nicht zum Training passt.

Es ist für mich äußerst frustrierend, wenn ich von möglichen 8 Trainingseinheiten im Monat zu maximal 2x erscheinen kann.

Ich habe das bei meinem Sensei angesprochen, aber letztlich sind es nur 3 Möglichkeiten, die ich habe:

  1. Ich kündige meinen Job und komme regelmäßig zum Unterricht 
  2. Ich belasse es dabei und komme eben nur unregelmäßig bis gar nicht zum Unterricht
  3. Ich muss etwas finden, das mir nicht nur gefällt und gut tut, sondern auch mit meinem „Leben“ im weitesten Sinne kompatibel ist

Punkt 1 scheidet schon mal aus (auch wenn ich darüber nachgedacht habe.. 😀).

Punkt 2 wäre möglicherweise eine Option. Weitermachen und hoffen, dass ich es mal öfter schaffe. Auf Dauer ist das allerdings frustrierend. Für mich, weil ich keinen Fortschritte mache und mich laufend ärgere, aber auch für die anderen im Training, da ich immer wieder als Pflock punktuell dazu stoße und den Unterricht sprenge.

Punkt 3 muss dann wohl die Lösung sein….

Erst habe ich nach Karate-Vereinen und -Schulen gesucht, davon gibt es ja etliche in und um Ingolstadt, jedoch ALLE beginnen ihr Training zwischen 17:30 Uhr  und 18:30 Uhr.

Ich habe mich wirklich gefragt, wie das funktionieren soll? Diese Trainingszeiten schließen eine ganze Bevölkerungsschicht aus! Sicher wird man hier niemals (oder selten) jemanden aus dem Einzelhandel sehen, oder jemanden, der erst um 18 Uhr herum aus dem Büro kommt.

Genervt habe ich dann das Notebook zugemacht, durchgeschnauft und versucht einen klaren Kopf zu bekommen -> Was sollte ich also tun?

Ich bin noch einmal in mich gegangen. Welche Elemente haben mir in meiner Kampfkunstvergangenheit gut gefallen? Welche nicht?

Bodenkampf fand ich immer scheiße. Dieses Rumgewurschtel auf der Matte war nie meins, auch wenn ich durchaus eingesehen habe, dass es ein wichtiges Element bei der Selbstverteidigung ist. Hohe Tritte habe ich immer irgendwie belächelt, auch wenn die wirklich effektiv sein können. Generell empfinde ich den Kampf in „Distanz“ als eher unrealistisch. Den Nahkampf in Ellbogendistanz fand ich immer am Spannendsten.

Realistisch betrachtet geht ein Kampf ja in der Regel über alle drei Distanzen. Wenn ich also realistische SV lernen möchte, muss es eine Kampfkunst sein, die auch über alle drei Distanzen unterrichtet wird. Nicht nur im Ansatz, sondern konsequent.

Oder geht es mir um den philosophischen Aspekt einer Kampfkunst?

Eigentlich geht es mir um beides. Ich will mich im Zweifelsfall verteidigen können UND der philosophisch-geschichtliche Hintergrund muss passen.

Wer sich nun mit den Kampfkünsten auskennt, kommt jetzt unweigerlich auf Wing Chun. Okay.

Ein langer Spaziergang im Wald brachte dann eine neue Idee: Ju Jutsu.

Was wusste ich über Ju Jutsu? Vor meinem geistigen Auge sah ich immer zwei ineinander verkeilte Leiber, die über die Matten rollen – alles etwas aggressiver als beim Judo. Aber ist das wirklich alles?

Nein. Dennoch habe ich vorher die Vereinslage abgecheckt und die Trainingszeiten gescannt. Das war seltsamerweise ziemlich aufreibend, denn auch wenn es im Raum Ingolstadt irgendwas um die 25 Karatevereine gibt, sind es tatsächlich nur 2 Ju Jutsu Schulen (BJJ und TJJ) in Ingolstadt und weitere 2 (Jiu Jitsu und Jiu Jutsu) im Umkreis von 50 km. Wenn ich nun die Brazilian Jiu Jiutsu und andere Stile abziehe, mich also tatsächlich auf das Ju Jutsu des DJJV konzentriere, ist es lediglich ein Verein (1!) der übrig bleibt.

Zum Glück passen die Trainingszeiten.

Ein Telefonat mit dem Sensei brachte dann Klarheit. Das Ju Jutsu des DJJV geht über alle drei Distanzen, es sind Elemente aus dem original Jiu Jitsu, dem Karate, dem Judo und dem Aikido vorhanden und bezieht sich trotz des Synkretismus philosophisch auf seine Wurzeln. Und es soll wirklich Spaß machen und effektiv sein.

Grund genug für mich, ein Probetraining zu vereinbaren…

Am 10. Januar 2020 ist es dann soweit, dann werde ich mein erste Ju Jutsu Training mitmachen und hoffentlich dabei bleiben.

Kyokushin Karate hat mir dennoch einiges gebracht.

  1. es hat mir gezeigt, was mit mir und meinem Körper noch so möglich ist
  2. es hat mich etwa 4 kg Masse gekostet
  3. es hat mir bewiesen, dass man auch mit 46 Jahren noch seine Leistung, Kraft und Ausdauer steigern kann
  4. Sit ups kann ich immer noch nicht ohne Hilfe… 😀

Die Karate Reihe werde ich dann wohl mit diesem Beitrag schließen und demnächst eine neue Serie anfangen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich auch dort begleiten würdet….

OSU
derspitzbart

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