Aufbruchstimmung?

Ich habe mich ja immer zurückgehalten mit Beiträgen über Fußball, knacken hier doch bei einigen sogenannten Fans einfach mal die Synapsen weg und verhindern jede menschlich-zivilisierte Diskussionskultur. Aber es passiert nun mal so unheimlich viel, dass ich einfach schreiben MUSS. Dennoch versuche ich mich so objektiv wie möglich zu halten, auch wenn mich das ganze Tohuwabohu natürlich subjektiv berührt.

Kurz gesagt: ich verspüre so etwas wie Aufbruchstimmung.

Es ist noch ganz zart, ein gerade aufgekeimtes Körnchen, dass sich noch unter der Erde den Weg ans Licht bahnen muss (schöne Metapher, oder?), aber es ist da. Die letzten Wochen waren ein ziemliches Wechselbad der Gefühle. Ich habe mich in dieser Zeit gar nicht so sehr um das „Zeitgeschehen“ bei den 60ern gekümmert, sondern eher versucht die Zeit seit dem Einstieg von Hasan Ismaik Revue passieren zu lassen. Ich hatte diesbezüglich recht wechselhafte Stimmungen. Einerseits war ich froh, dass ein offenbar potenter Geschäftsmann Interesse an dem kleinen Traditionsclub aus Giesing hatte, andererseits haben mich seine Einflussnahme und seine installierten, solariumgebräunten Grinsekatzen in der Vereinsführung regelrecht angekotzt. Die Transferstrategie war mir schlichtweg schleierhaft und bis heute glaube ich, es gab gar keine. Den Abstieg habe ich als eine Art Befreiung gesehen, den doppelten Abstieg in Liga 4 dagegen nur noch als Bestätigung meiner negativen Meinung.

Ich habe mich also durch die Fülle an Informationen gekämpft und letztlich hat mir Manu Thiele mit einem Videobeitrag vollständig Licht in mein Dunkel gebracht. Der Videocast dauert etwa 1,5 Stunden, sorgt aber für so manches „AHA!“. Wer es sehen möchte, hier ist es:

Mittlerweile ist ja etwas Ruhe eingekehrt, der Kader für die kommende Saison steht, wie es aussieht mit wirklich guten Jungs, und die Klärung der Stadionfrage rückt auch in greifbare Nähe. Lt. der Stadt ist der Umzug ins Grünwalder wohl geklärt, nur noch der Uli steht im Weg. Wobei ich ja glaube, dass trotz der ganzen Polemik und Stichelei auch hier die Einigung nur noch eine Frage der Zeit ist – denn letztlich einigt man sich ja immer irgendwie.

Ruhe ist erstmal gut, sportlich scheint alles soweit geklärt – politisch steht der Sturm allerdings noch bevor. Und ich erwarte tatsächlich einen Sturm.

Hasan Ismaik ist der Investor und 60%ige Anteilseigner von 1860, von denen (glücklicherweise) aufgrund der 50+1 Regel des DFB nur 49% stimmberechtigt sind. Mal außer Acht lassend, dass seine seltsame Politik den Verein erst in die Situation gebracht hat, in der er heute steckt, mag es der Investor ursprünglich durchaus gut gemeint haben. Aktuell hört und liest man mehrere Gerüchte über Hasan Ismaik. Einerseits ist von einer privaten Insolvenz die Rede, bzw. er habe sein Vermögen in den Sand gesetzt, andererseits soll er nun angeblich Geld aus seinen getätigten Investitionen zusammenkratzen, um wirtschaftlich wieder durchzustarten. Und 1860 gehört nunmal zu seinen Investitionen.

Fakt ist Hasan Ismael hat viel Geld in den Münchner Verein gepumpt, man spricht von etwa 70Mio EURO und die 60er sind natürlich nicht in der Lage den Betrag an Hasan Ismaik zurück zu zahlen. Bei einer Insolvenz würde HI nichts mehr von seinem Geld sehen, daher hat er wohl auch seine Forderungen, die diesen Sommer offenbar fällig wären, gestundet und somit den 60ern die Möglichkeit gegeben die Saison 17/18 in der 4. Liga zu planen. Man mag hier glauben was man will. Hat HI den Verein „gerettet“? JA, denn nur mit der Stundung konnte Daniel Bierofka den Kader planen und halbwegs frei in die kommende Saison schielen. Hat es HI aus Liebe zum Verein gemacht und weil er ein echter Löwe ist? NEIN, denn letztlich ist er ein Mann aus der Wirtschaft und bevor er seine Millionen in den Sand setzt wartet er lieber eine Ründchen ab und hofft einfach später an sein Geld zu kommen. So weit so gut, ich glaube das ist für jeden irgendwie nachvollziehbar.

Hasan Ismaik hat nun in den letzten Tagen einige Dinge getan und gesagt, die ihn wiederum als ungeduldigen Machtmenschen da stehen lassen. In einem Interview hat er von sich gegeben, dass er durchaus andere Investoren begrüßen würde und eine Insolvenz mit ihm niemals stattfinden wird. Beide Punkte – insbesondere im Hinblick auf die Sicherung seiner Investition – nachvollziehbar. Nur wenn der Verein seinen Betrieb fortführt hat er zumindest noch den Hauch einer Chance seine Kohle wieder zu sehen.

Dann reicht HI eine Klage gegen die 50+1 Regel ein. Und hier beginnt es – wie ich finde – dubios zu werden. Sicherlich wird ein Prozess nicht von heute auf morgen eine Entscheidung bringen, mir kommt es allerdings wie ein Backup vor. Klappt es mit einem weiteren Investor nicht, kann er nach Aufhebung der 50+1 Regelung für den Ausverkauf des Vereins sorgen und im Abgang so sein Vermögen sichern.

Ein weiterer Punkt, den man nicht vergessen sollte, ist die Tatsache, dass Hasan Ismaik Araber ist. Geld ist nur eine Komponente, die Ehre eine weitere. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, muss 1860 entweder demnächst Champions League spielen, ODER Hasan Ismaik geht mit einem GEWINN, oder zumindest OHNE VERLUST  aus dem Verein raus. Da die CL sicherlich nicht in den nächsten 2 Jahren zu erreichen ist, kann man meiner Meinung nach HI nur mit dem 2. Punkt aus dem Verein rausbekommen.

Hier macht sich gerade etwas Hoffnung breit, denn neben zwei Münchner Familien und einer Investitionsgesellschaft um Jens Lehmann und Felix Magath herum hat sich nun auch ein Münchner Milliardär (oder auch Millionär, je nach dem welcher Postille man glauben mag) als Fan der 60er geoutet und ist offenbar bereit entsprechend in den Verein zu investieren. Der Typ heißt Gerhard Mey und scheint ein – zumindest den Interviews nach – bodenständig ehrgeiziger Mann zu sein, ein Bayer und 60er Fan mit Weitblick. Ein Mann, den die 60er sicherlich gut gebrauchen können.

Das ganze wird aktuell unter den Fans heiß diskutiert, ich versuche mich da weitestgehend heraus zu halten – möchte aber mein Wunschszenario kurz an die Wand malen:

Gerhard Mey, die Truppe um Jens Lehmann und Felix Magath, die beiden Münchner Familien und der Verein packen sich zusammen, zahlen Hasan Ismaik aus, geben ihm noch einen Teil an Kohlen oben drauf, damit sein angekratztes Ehrgefühl nicht mehr ganz so juckt und stellen Markus Fauser als 100%igen Geschäftsführer ein. Dass er es kann und offensichtlich ein fähiger Vertreter seiner Zunft ist, hat er in den letzten Wochen schon bewiesen. Mit Jens Lehmann und Felix Magath sind 2 Typen am Start die durchaus etwas (dringend benötigtes) Fußballverständis in den Verein bringen würden.

Und wenn dann noch BENNY LAUTH in den Verein einsteigt – in welcher Position auch immer – kann es nur noch geil werden! 🙂

Selbst wenn nur Teile dieses Szenarios eintreten würden, wäre es es ein großer Schritt für die 60er. Langfristig glaube ich, kann nur der Abgang von Hasan Ismaik den Verein dauerhaft retten. Ohne einen Investor allerdings, wird 1860 nicht dauerhaft überleben können. Es sei denn man ist mit der Liga 4 fein und hat keine weiteren Ambitionen.

So sehr ich Grünwalder Stadion auch mag, ich persönlich hätte mich über das Olympia Stadion gefreut. Wenn ich mir den Kader ansehe und die ganzen Perspektiv-Spieler aus der Jugend betrachte, gehe ich davon aus, dass ein Aufstieg in die 2. Liga unter den oben genannten Voraussetzungen schnell funktionieren würde. Das Grünwalder steht in einem solchen Fall dann sicher wieder zur Diskussion.

Aber gut, wir werden sehen. Vielleicht ist dieser Beitrag ja prophetischer Natur und die Dinge entwickeln sich wie beschrieben. Ich habe auf jeden Fall ein Auge drauf und werde – sofern nötig – wieder darüber berichten. 😉

Warum denn 60er, Oida?

Der Mann und der Fußball ist eine immerwährende Geschichte. Ich gebe durchaus problemfrei zu, dass mich mit dem Fußball nicht allzuviel verbindet. Ja, ich habe seit meinem 5. oder 6. Lebensjahr Fußball gespielt und dann erst mit etwa 19 Jahren aufgehört. Ich habe wohl auch nicht so schlecht gespielt, für die Bezirksliga hat es durchaus gereicht. Allerdings war ich kein Fußballjunkie, der seine komplette Freizeit und Kohle für diesen Sport geopfert hat. Es gab wichtigere Dinge. Freunde, Mädels und Party. Länderspiele fand ich immer langweilig und ein Verein, dem ich die sagenumwobene Fantreue schenken konnte, gab es nicht. Als Niedersachse, der in der Nähe von Hannover aufgewachsen ist, hätte mein Herzchen irgendwie an Hannover 96 hängen sollen. Aber ich war da pragmatisch und bin nach Sympathie gegangen. So war ich Fan von Werder Bremen. Das war nicht jeder und das war cool. Bis ich etwa 12 wurde und die Bundesliga etwas intensiver gescannt werden konnte. Löwen. Hm. Okay. München. Weit weg. Hm. Mal auf dem Radar lassen.

Auf diesem Radar blieben sie dann die nächsten Jahre, während ich mir die Bundesligavereine beider Ligen ansah und das alles nicht so überzeugend fand. Bei den Löwen war es anders. Ich trauerte bei einem Abstieg, jubelte leise bei erneutem Aufstieg, aber so recht als FAN der 60er wollte ich mich nicht bezeichnen. München war halt wirklich weit weg und so richtig mochte die niemand.

Aber es kam aber wie es kommen musste. Vor nunmehr 6 Jahren bin ich mit meiner Family dann nach Bayern gezogen. Für die Bayern war der Fall sofort klar: „Wo kummstn her?“ „Aus der Nähe von Hannover.“ „Bist a 96er?“ „Öhm… naja also …“ „HA! Hob ihs do gwusst!“

 

 

Man kann ja sagen was man will, aber die Löwen machen es einem auch nicht leicht zu ihnen zu stehen. Selbst eingefleischte 60er Fans geben ja nur noch peinlich berührt zu, dass sie 60er Fans sind. Eskapaden in der Vereinsspitze, ein selbstverliebter Investor, ein zusammengerümpelter Haufen Spieler, die alles – nur keine Mannschaft sind… Und dann kam der tiefe Fall mit der versauten Relegation gegen Regensburg. Alles bröckelte auseinander und zu guter Letzt wird die Konzession für den Drittligabetrieb nicht gezahlt. Wer hier nun Schuld hat, ist mir (auf deutsch gesagt) scheißegal. Fakt ist, die 60er spielen nun in Liga 4 und mein persönlicher Held in dieser Zeit des Niedergangs – Daniel Bierofka – bastelt derzeit mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und er U19 ein Team. Und ich hoffe wirklich EIN TEAM! 

In dieser Phase des Umbruchs und trotz Liga 4 und der immer noch drohenden Insolvenz, die Markus Fauser hoffentlich abwenden wird, habe ich nun mein altes Löwen-Trikot aus der Saison 2003/2004 (mit Cerny auf dem Rücken) herausgekramt und werde nun auch öffentlich zu diesem Verein zu stehen, der mich seit meiner Kindheit immer irgendwie begleitet hat.

 

 

 

 

 

Sportlich, so glaube ich, wird es für die Löwen kein Problem sein zeitnah wieder in der Liga 2 zu spielen. Ob es der Verein auch wirtschaftlich schaffen wird, am besten mit neuer, frischer Vereinsspitze und möglicherweise neuem, oder zusätzlichen Investor, sei mal dahingestellt. Ich wünsche es den Löwen.

Einmal Löwe, immer Löwe.