Erkenntnisse – Update 1

Das erste Quartal dieses seltsam anmutenden Jahres ist rum und beinahe sogar schon das Zweite…. hm…  ich denke es wird Zeit für mein erstes Update, das ich in meinem „Erkenntnisse-Beitrag“ zum Jahresende 2017 angekündigt habe.

Die Stichpunkte der „Erkenntnisse“ zusammengefasst lauteten wie folgt:

  1. Gib einem Menschen Macht (versetze ihn unter Druck) und es zeigt sich sein wahrer Charakter.
  2. Der erste Eindruck ist (fast) immer richtig.
  3. Die Definition von Heimat
  4. Übergänge und Lebensabschnitte
  5. Gesundheit ist das höchste Gut
  6. Minimalismus als Sucht
  7. Veränderungen sind nicht immer gut, aber manchmal leider nötig

Das war ja doch eine ganze Menge und einige Punkte bedingen einander. Zudem muss ich wohl festhalten, dass der ein oder andere Punkt nur für die damalige Situation wichtig war, oder eher in die Kategorie „einfache Wahrheit“ fällt. Ich würde jetzt, am 30. April 2018 noch einmal Punkt für Punkt durchgehen und den heutigen Stand dazu notieren. Here we go:

  1. Gib einem Menschen Macht (versetze ihn unter Druck) und es zeigt sich sein wahrer Charakter
  2. Der erste Eindruck ist (fast) immer richtig

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Es ist so. Zumeist ist dieser „wahre Charakter“ sehr ernüchternd. Ich habe mich vor einigen Jahren immer mal wieder selber gefragt, wen ich mir rechts und links neben mir im Schützengraben vorstellen könnte. Viele Menschen sind mir nicht eingefallen. Aber vielleicht liegt es in der Natur des Menschen in extremen Situationen seinen eigenen Arsch retten zu wollen.

Ich habe neulich ein Video gesehen in dem eine Familie in einem Restaurant auf einer Terrasse am Meer sitzt. Dann rauscht eine Welle an, an sich nichts besonderes am Meer… kann da ja schon mal passieren. Diese Welle nimmt jedoch Fahrt auf, rauscht auf die Terrasse zu und ergießt sich über die Gäste. Die Gäste erkennen das vorher und bringen sich ins Trockene. bei unserer Familie hingegen, stürzt lediglich der Vater davon, während seine Frau noch damit beschäftigt ist die beiden Kinder zu greifen.

Meiner anfänglichen Empörung folgte schnell ein abgeklärtes Nicken. Leider wird, realistisch betrachtet, mindestens jeder Zweite genauso regieren. Es gibt viele Situationen, vielleicht nicht mit dieser Dramaturgie, wo ihr das beobachten könnt. Im Privaten, auf der Arbeit… macht einfach die Augen auf.

Zumeist deckt sich das komischerweise mit dem „ersten Eindruck“. Auch wenn ich diesen ersten Eindruck öfter mal ignoriere, achte ich in letzter Zeit öfter drauf und behalte ihm im Hinterkopf. Und tatsächlich trifft es bis jetzt leider immer zu.

 

3. Die Definition von Heimat

Keine Änderung. Heimat ist dort, wo meine Familie ist. An welchem Ort ist dabei völlig egal. Es gibt Orte an denen man sich wohler fühlt als an anderen… aber so wird es wohl jedem Menschen gehen. Ich kann zum Beispiel schlecht mit Hitze umgehen und fühle mich an kühleren Orten wesentlich wohler. Ich freue mich daher schon auf Norwegen im August und werde ganz sicher hierüber in diesem Blog berichten.

 

4. Übergänge und Lebensabschnitte / 7. Veränderungen sind nicht immer gut, aber manchmal leider notwendig

Es tut sich einiges, insbesondere in beruflicher Hinsicht. Ohne ins Detail gehen zu wollen bin ich sehr neugierig auf das, was da auf uns zukommen mag. Privat musste ich ebenfalls einige Veränderungen mitnehmen. Ich kann beispielsweise aus zeitlichen Gründen mein geliebtes Taiji nicht weiterführen, geschweige denn überhaupt eine Kampfkunst. Meine sportlichen Aktivitäten beschränken sich derzeit aufs Fitness-Studio am WE, was zwar ganz OK, aber auf Dauer dann doch recht unbefriedigend ist. Ich hoffe das ändert sich bald wieder. Das alles fühlt sich ein bisschen nach angehenden Geburtswehen an. Es ist nervig, schmerzt gelegentlich, aber man hält es doch noch irgendwie aus. Ich bin wirklich gespannt, was aus dem ganzen Summs rauskommt und wie das Baby nach all dem letztlich aussehen wird.

 

5. Gesundheit ist das höchste Gut / 6. Minimalismus als Sucht

Ja, was soll ich hierzu noch schreiben… natürlich ist es mir bewusst und die Warnzeichen des Körpers sind teilweise nicht Ohne. Rücken-, Zahn- und Magenschmerzen, schlechte Haut, Übergewicht, Schlafprobleme, zu langes „am Schreibtisch oder im Auto hocken“ etc… alles nicht gesund. Eine Veränderung herbei zu führen wäre leider nur mit radikalen beruflichen Einschnitten möglich, die ich mir aktuell nicht leisten kann (siehe Geburtswehen). Also schiebe ich das Thema noch eine Weile vor mir her.

Und irgendwie geht der Minimalismus mit diesen Punkten einher. Je stressiger es um mich herum wird, desto mehr versuche ich mich in meiner Freizeit zu reduzieren. Mir ist dann Stille lieber, als hektischer Trubel. Familie wichtiger, als „unterwegs“ zu sein. Ich möchte mich dann nicht mit „Dingen“ belasten und auf Teufel komm raus hier etwas Neues kaufen und dort etwas Tolles erleben. Ist es aber eine Sucht? Ich denke nicht… es ist eher eine notwendige Maßnahme um nicht durchzudrehen. Dieses „Herunterfahren“ ist auch eine Art Selbstschutz zum Auftanken, sich von Ballast zu befreien um wieder mal durchatmen zu können. Zumindest sehe ich das so.

 

In Summe ist das alles noch nicht so optimal. Die Punkte 1 bis 3 sind logisch und im Flow und ich denke ich kann hier einen Haken hinter machen. Die Punkte 4 bis 6 sind eher in einer Art „Warteposition“. Hier ist zwar alles vieles in Entwicklung, aber so richtig geht es hier aktuell nicht weiter. Das ist scheiße, aber so ist es eben.

 

In diesem Sinne… und so.

 

Käsespätzle

Also, wenn ich eine Sache mit 2017 in Verbindung bringen werde, dann ist das mein Zahnarzt. Ich will ja gar nicht wehleidig sein, aber Zahnprobleme gehören zu den Problemen, die mich nerven. Massiv.

Ich hatte bis ende 2016 das Glück weitestgehend sorgenfrei mit meinen Beissern zu sein. Klar, hier und da mal ’ne Füllung, an einem Zahn hatte ich ein Inlaym aber ansonsten alles soweit fein. Ende letzten Jahres ging es dann los mit dem Mist und seitdem komme ich quasi nicht mehr von dem Zahnarztstuhl runter. Erst die Kieferhöhle, dann querliegende, plötzlich in Bewegung gekommene Weisheitszähne, hier eine Füllungserneuerung und ein weiteres Inlay… alles innerhalb der ersten 5 Monate  in diesem Jahr und offenbar geht der Spaß weiter…

Letzte Woche war ich abends in meinem Lieblingsbiergarten mit 2 Arbeitskollegen essen. Hungrig und durstig bestellte ich mir ein herrliches Weißbier und die unsagbar leckeren Käsespätzle. Und während ich so auf meinen Käsespätzle herumkaue, bemerke ich plötzliche etwas Knuspriges. Ich denke an eine Röstzwiebel und kaue weiter, nur um im nächsten Moment einen Messerstich im Unterkiefer zu spüren. Ich bekomme einen Schweißausbruch, gehe auf die Toilette und denke: „Scheiße!“ Mit der Zunge ertaste ich an der besagten Messerstichstelle eine klaffende Lücke.

Ich spüle mit eine Schluck Weißbier, was mich wieder zusammenzucken lässt und rufe meinen Zahnarzt an, der – den Göttern sei dank – an diesem Abend lange auf hat. Mit einem Mund voll Käsespätzle- und Biergeschmack mache ich mich also auf den Weg und frage mich, ob ich meinen Zahnarzt mit dem Geruchscocktail anatmen kann… Zähneputzen ging ja nicht mehr… aber offenbar ist der Schlimmeres gewohnt, denn ein kurzer Blick in meinen Hals eröffnete das Drama: der Zahn ist abgebrochen!

Abgebrochen? Ja, abgebrochen. Käsespätzle haben die Ruine zum Einsturz gebracht.

Jetzt hocke ich hier mit einem Provisorium und hoffe, dass das Teil bis Donnerstag aushält – denn dann habe ich meinen nächsten Termin.

Ja, das hier ist nur ein Frustbeitrag ohne jeden Mehrwert.

 

 

Über die Kampfkunst

Man mag es mir nicht ansehen, aber ich liebe die Kampfkunst. Für mich ist sie Ausdruck einer Lebenseinstellung, bzw. Lebensphilosophie und weit mehr als die Kunst sich verteidigen zu können.

Meine Liebe zu diesem „Sport“ entbrandete in der Grundschule, als unser Sportlehrer uns mit Judo konfrontierte. Seither war ich angefixt und meine sportliche Karriere war nicht mehr nur auf Fußball beschränkt – wie es sich für einen Dorfjungen gehört – sondern zusätzlich mit der Kampfkunst. Meine Karriere in diesem Bereich ist recht wechselhaft – oder auch sprunghaft. Geschuldet der Tatsache, dass KampfKUNSTschulen (nicht zu verwechseln mit Kampfsport) recht teuer sind und ich die meiste Zeit ohne Wissen meiner Eltern unterwegs war. Chronischer Geldmangel und eine verkackte Busverbindung in die nächste Stadt legten mir so einige Steine in den Weg… aber sei’s drum.

Mein Kampfkunstweg bis heute beinhaltet folgende Stationen: Judo, Taekwondo, WingTsun, Wing Chun, Aikido, dann wieder etwas WingTsun und heute eben Taiji.

Mit WingTsun/WingChun habe ich etwa 20 Jahre verbracht. Ich führe beide Schreibweisen dieser Kampfkunst an, da sich das durch den EWTO unterrichtete WINGTSUN  mittlerweile recht eigenständig weiterentwickelt hat.

Bereits seit einigen Jahren schwirrt nun Taiji (Tai Chi) in meinem Hinterkopf herum. Ich habe mich noch nicht wirklich an Taiji herangetraut, zu sehr verbinde ich diese Kampfkunst mit den Rentnerzirkeln im Park, den Rückenkranken und dem Volkshochschulkurs. Bis letzten Montag, da bin ich dann bei einer etablierten Taiji Schule hier in der Region aufgeschlagen und habe eine Schnupperstunde mitgemacht. Die Atmosphäre und Räumlichkeiten haben mich erstmal eingefangen. Chinesisch – aber nicht zu sehr. Entspannend und ruhig – aber nicht zu sehr. Genau im richtigen Maße, um mich wohlzufühlen.

Vor dem Unterricht gibt es Tee (den gibt es ständig, die Teekannen stehen in jedem Raum und sind immer irgendwie voll), um den Tag erstmal zu verarbeiten und runter zu kommen.

Der Unterricht war … interessant. Aufwärmen mit QiGong-Übungen, eine Runde Gehen und man hat die immerwährende Möglichkeit sich Tee in seinen Becher zu kippen. Nach einer halben Stunde begann der reguläre Unterricht. Ich bin in einer Sammelstunde dazugekommen, das heißt – viele Schüler auf unterschiedlichem Niveau trainieren zusammen – und ich mittendrin. Die Atmosphäre war ruhig, still, freundlich und achtsam. Ich beobachtete also erstmal nur und versuchte mich dann daran die ein oder andere Bewegung nachzumachen. Der Lehrer nahm mich dann beiseite und ging mit mir die erste Schrittfolge durch.Die Grundzüge waren mir bekannt. Der tiefe Stand aus dem Aikido, das Wu Wei Prinzip aus dem Wing Chun – überrascht wurde ich von der Detailarbeit… kleinste Fehlstellungen wurden vom Lehrer korrigiert: Beckenhaltung, Beinstreckung, Winkel des Fußes, Haltung der Hand, etc.

Wie bereits gesagt war vieles bekannt, die Genauigkeit allerdings war … interessant… und diese Akribie zeigte dann im Praxistest den Sinn dahinter. Nur eine kleine, unmerkliche Winkeländerung im Stand gibt Dir zusätzliche Sicherheit, ein leichtes Eindrehung des Handgelenks gibt Dir mehr Kraft beim Stoß, und so weiter und so fort.

Die Basis ist bekannt, die Umsetzung hat mich bisher nur am Rande interessiert. Im Taiji scheint diese Basisarbeit des Pudels Kern zu sein. Die Langsamkeit der Bewegungen dient genau dieser akribischen Detailarbeit. Je langsamer die Bewegung wird, desto genauer, klarer und detaillierter musst Du sie machen. Ich habe mich nicht wirklich viel bewegt in dieser Trainingsstunde, dennoch bin ich gut ins Schwitzen gekommen.

Zufrieden mit dieser Trainingseinheit bin ich dann nach Hause gefahren.

Taiji also. Die Dinge ändern sich und offenbar haben sie unmerklich auch meine Einstellung zu den Kampfkünsten geändert. Ich hatte zwar schon immer eher den Hang zu den inneren/weichen Kampfkünsten, habe aber auch die Effektivität von Taiji angezweifelt. Jedoch geht es mir heute (glaube ich) nicht mehr (nur) um die Effektivität, sondern eher darum die innere Mitte wieder zu finden und zu halten.

Taiji ist sicherlich effektiv. Ich glaube durchaus, dass ein Taiji Meister sich zu wehren weiß. Taiji zu lernen aber ist bestimmt ein langer Weg. Ein interessanter Weg. Ich denke, ich werde diesem Weg folgen – und weiter darüber berichten. 🙂

 

Vorweihnachtspost: Manchmal muss man einfach akzeptieren….

… dass es beschissene Menschen gibt und dass es keinen Sinn macht zwanghaft zu versuchen, das Gute in ihnen zu sehen.

Ich bin mir nicht sicher, ob das in den Bereich „Minimalismus“ passt… obwohl, je länger ich darüber nachdenke neige ich zum Ja. Minimalismus begreife ich als eine Form mich von Dingen zu „befreien“, die mich belasten, dazu gehören neben materiellen Dingen auch Angewohnheiten…. und eben Menschen.

Ich weiß nicht wie es euch geht, mir jedoch gehen in unserer Vorweihnachtszeit zunehmend Menschen auf den Sack, von denen ich es schaffe sie im Restjahr – wenn nicht zu ignorieren, zumindest zu akzeptieren. Bescheuerte  Typen Mensch mit flachen Witzen über Autos, Frauen, Dicke, Muslime und im Wechsel die anderen Mitarbeiter des Unternehmens, Lästermäuler – je nach dem wo gerade der Fokus drauf liegt. Doofe Ansprechpartner, Verkäufer, Automechaniker und andere Idioten, die sich nicht klar ausdrücken können. Menschen, die ständig und immer versuchen Dir die Verantwortung aufzudrücken, egal was sie machen. Gestalten, die Dir die Worte im Mund herumdrehen, Dir ein Gespräch aufdrücken wollen, das Du gar nicht führen willst, Deine Meinung regelrecht herauspressen wollen, obwohl Du sie nicht kundtun möchtest, undsoweiterundsofort.

Es ist auf jeden Fall wichtig sich immer wieder daran zu erinnern, dass diese Menschen genau so über DICH sprechen, wie sie über andere reden. Ich habe mir daher angewöhnt, nicht zuviel von mir zu erzählen. Ich schweige lieber, gemäß dem alten Erfolgs-Grundsatz:

„Es gibt zwei Regeln für den Erfolg: Erzähle nicht alles!“

Diese Energiesauger sind es, die mich am Abend völlig fertig auf dem Sofa sitzen und mich die Frage stellen lassen: „Was war heute eigentlich so scheiße?“

Im Zuge meiner Interpretation des Minimalismus möchte ich damit beginnen mich  von beschissenen Menschen frei zu machen. Das ist nicht einfach und hat viel mit Ärger und Diskussionen zu tun, besonders wenn es um Menschen geht, mit denen man relativ viel zu tun haben MUSS. Ich gehe jedoch davon aus, dass es sich hier um eine Art von Geburtswehen, oder einer Form von perfidem Trennungsschmerz handeln muss. Da muss man halt durch, um sich befreit zu fühlen.

In diesem Sinne liebe Leute – genießt die Weihnachtszeit!

 

 

 

 

 

 

Warum will man eigentlich zum Mars?

Erst kürzlich bin ich über einen Blogeintrag gestoßen (man möge mir entschuldigen, dass ich ihn nicht verlinke, ich habe schlicht verpennt ihn mir zu merken), der quasi behauptete, das Ausmisten des Kleiderschranks hätte nichts mit dem „wahren Minimalismus“ zu tun, sondern wäre nur der Versuch sich einem Trend hinzugeben, ohne es wirklich ernsthaft zu wollen und so weiter und sofort. Ich hätte schon wieder kotzen können. Menschen die von einem „wahrenwasweißichdennwas sprechen oder schreiben sind mir erstmal suspekt und ich fühle mich dann geneigt nicht mehr zuzuhören, oder weiterzulesen. Hier allerdings habe ich weitergelesen.

Bei einem Punkt des Schreibers musste ich dann aber doch nicken. Und zwar bei der Aussage, dass der Grad des Minimalismus immer subjektiv zu betrachten ist. Naja – erst vom WAHREN MINIMALISMUS schreiben und dann auf die subjektive Sicht des Individuums zu verweisen ist irgendwie … seltsam.

Aber sei’s drum, ich sehe mich auf jeden Fall genötigt darauf zu reagieren. Natürlich weiß ich, dass nicht mein Ausmisten-Beitrag als Bezug genommen wurde, dennoch ist meine Egozentrik so groß, das ich mich angesprochen fühle… 🙂

Minimalismus ist tatsächlich eine subjektive Sache. Ja, es geht um Verzicht, um Achtsamkeit, um Zeit. Es geht um die Pflege der Dinge, die man bereits hat, die man wirklich benötigt und die man nicht ändern möchte. Es geht darum sich zu erden, sich Raum zu verschaffen und den Kopf frei zu bekommen. Für den einen mag das Ausmisten des Kleiderschrankes bereits ausreichen, andere schmeißen ihren Fernseher weg – es ist eben einfach individuell. Ich für meinen Teil verbinde mit Minimalismus folgendes: sich erden, sich dessen bewusst werden, was wirklich nötig ist, Freiraum bekommen, Zeit gewinnen, sich von Ballast befreien. Jeder, dessen Leben sich irgendwann überfüllt anfühlt und es ändern möchte, steht vor der Frage:

Wie und wo fange ich nur an?!

Davon ausgehend, dass am Anfang das Erkennen der Situation steht und hier bereits ein Haken dran ist, muss / sollte es ja irgendwie weitergehen.

Sicherlich kommt dann der Wille etwas verändern zu wollen und in der Regel geht man dann in die Analyse – was habe ich über! Hier spaltet sich dann der Weg… die einen gehen ins direkt körperlich bezogene und analysieren hier. Essen, Trinken, Rauchen, Weggehen, Sport, Faulheit, etc…. andere wiederum beginnen mit dem Äußeren… Kleidung, Möbel, Auto, technische Spielereien (Smartphone, Tablet, Notebook, Smartwatch, etc.).

Ich würde mir nicht anmaßen und be(ver)urteilen wollen, welcher Weg der Richtige wäre. Beide Wege sind gut, denn beide stoßen eine Veränderungen an und kreuzen sich ohnehin wieder an späterer Stelle, denn das EINE funktioniert nicht ohne das ANDERE.  (Sicherlich gehen auf einem der beiden Wege manche wieder zurück, biegen irgendwo anders ab, was weiß ich… aber gehen wir mal davon aus, dass es nicht so ist.)

Was passiert aber eigentlich auf dieser Strecke? Nun… der persönliche Minimalismus nimmt eine Form an, er gestaltet sich, bildet sich heraus. Die Auseinandersetzung mit den oben genannten Dingen bedingt schlicht und einfach ein darüber Nachdenken, Herumgrübeln und ein Durchkauen. Mein innerer Dialog bezüglich meiner Hemden-Arie verlief etwa wie folgt:

Brauche ich DIESES Hemd? Wie oft hatte ich das eigentlich an? Hu, habe ich hier viele Hemden hängen… brauche ich wirklich die Menge von dem Zeug? Was sind das überhaupt für Teile… hm… H&M? Wie und wo stellen die eigentlich ihr Zeug so her…?

Aus der einfachen Frage, brauche ich DIESES Hemd wird innerhalb eines solchen Prozesses die generelle Frage nach nachhaltiger Fertigung der Klamotten, die man am Leibe trägt. Dieser Werdegang lässt sich eigentlich auf alles übertragen und ist in meinen Augen ein normaler Prozess, der unweigerlich auftritt.

Wo und wann endet das alles? 

Es endet nirgendwo, niemals (solange man lebt). Wir leben, sind also in einem permanenten Entwicklungsprozess (auch Degeneration ist eine Form der Entwicklung) und in ständiger Konfrontation mit Konsum und Materialismus. Uns bleibt also gar nichts anderes übrig, als uns permanent mit diesem Thema beschäftigen zu „müssen“.  Sicherlich entwickelt sich irgendwann eine gewisse Routine, so dass uns dieses „sich damit beschäftigen“ nicht mehr großartig bewusst auffällt. Aber es ist permanent und andauernd.

Das Widerstehen von Verlockungen ist eine Sache die man trainieren kann. Anfangs ist das Verweigern von Schokolade vielleicht noch schwer – irgendwann ist es okay und etwas später dann auch wirklich gut. Auch dies lässt sich auf alles andere adaptieren. Ich bin ja auch nicht blind oder abgestumpft, es gibt Dinge die reizen mich einfach. Wenn ich bei meiner Hemdengeschichte mal bleiben darf, gibt es immer noch Hemden, die ich geil finde und der Klick in den Warenkorb ist ja nun auch nicht wirklich „Arbeit“. Ich muss zugeben, dass ich dieses Stöbern und Suchen auch in einem gewissen Maße genieße. Doch bevor ich mich für einen Kauf entscheide, stelle ich mir folgende Fragen: Brauche ich es wirklich? Würde es mich weiterbringen? Gibt es das Teil auch nachhaltig?

Und erst wenn ich alle drei Fragen mit JA beantworten kann, ist der Kauf für mich eine Option.

Das wird nicht immer funktionieren, das ist mir klar. Ich versuche es dennoch mich irgendwie aus dem Konsumverhalten auszukoppeln und den Irrsinn mit etwas Abstand zu betrachten. Hier hilft mir besonders folgendes Zitat aus dem „Buch des Gleichgewichts und der Harmonie„, das ich mir von Zeit zu Zeit immer mal wieder ins Gedächtnis rufe:

Kraftvolles Handeln heißt, den Körper zu trainieren, ohne sich vom Körper belasten zu lassen; in der Welt zu arbeiten, ohne sich von der Welt berühren zu lassen; und  Aufgaben auszuführen, ohne sich von den Aufgaben behindern zu lassen.

Soviel mal dazu. 🙂

In diesem Sinne!