Vorweihnachtspost: Manchmal muss man einfach akzeptieren….

… dass es beschissene Menschen gibt und dass es keinen Sinn macht zwanghaft zu versuchen, das Gute in ihnen zu sehen.

Ich bin mir nicht sicher, ob das in den Bereich „Minimalismus“ passt… obwohl, je länger ich darüber nachdenke neige ich zum Ja. Minimalismus begreife ich als eine Form mich von Dingen zu „befreien“, die mich belasten, dazu gehören neben materiellen Dingen auch Angewohnheiten…. und eben Menschen.

Ich weiß nicht wie es euch geht, mir jedoch gehen in unserer Vorweihnachtszeit zunehmend Menschen auf den Sack, von denen ich es schaffe sie im Restjahr – wenn nicht zu ignorieren, zumindest zu akzeptieren. Bescheuerte  Typen Mensch mit flachen Witzen über Autos, Frauen, Dicke, Muslime und im Wechsel die anderen Mitarbeiter des Unternehmens, Lästermäuler – je nach dem wo gerade der Fokus drauf liegt. Doofe Ansprechpartner, Verkäufer, Automechaniker und andere Idioten, die sich nicht klar ausdrücken können. Menschen, die ständig und immer versuchen Dir die Verantwortung aufzudrücken, egal was sie machen. Gestalten, die Dir die Worte im Mund herumdrehen, Dir ein Gespräch aufdrücken wollen, das Du gar nicht führen willst, Deine Meinung regelrecht herauspressen wollen, obwohl Du sie nicht kundtun möchtest, undsoweiterundsofort.

Es ist auf jeden Fall wichtig sich immer wieder daran zu erinnern, dass diese Menschen genau so über DICH sprechen, wie sie über andere reden. Ich habe mir daher angewöhnt, nicht zuviel von mir zu erzählen. Ich schweige lieber, gemäß dem alten Erfolgs-Grundsatz:

„Es gibt zwei Regeln für den Erfolg: Erzähle nicht alles!“

Diese Energiesauger sind es, die mich am Abend völlig fertig auf dem Sofa sitzen und mich die Frage stellen lassen: „Was war heute eigentlich so scheiße?“

Im Zuge meiner Interpretation des Minimalismus möchte ich damit beginnen mich  von beschissenen Menschen frei zu machen. Das ist nicht einfach und hat viel mit Ärger und Diskussionen zu tun, besonders wenn es um Menschen geht, mit denen man relativ viel zu tun haben MUSS. Ich gehe jedoch davon aus, dass es sich hier um eine Art von Geburtswehen, oder einer Form von perfidem Trennungsschmerz handeln muss. Da muss man halt durch, um sich befreit zu fühlen.

In diesem Sinne liebe Leute – genießt die Weihnachtszeit!

 

 

 

 

 

 

Warum will man eigentlich zum Mars?

Erst kürzlich bin ich über einen Blogeintrag gestoßen (man möge mir entschuldigen, dass ich ihn nicht verlinke, ich habe schlicht verpennt ihn mir zu merken), der quasi behauptete, das Ausmisten des Kleiderschranks hätte nichts mit dem „wahren Minimalismus“ zu tun, sondern wäre nur der Versuch sich einem Trend hinzugeben, ohne es wirklich ernsthaft zu wollen und so weiter und sofort. Ich hätte schon wieder kotzen können. Menschen die von einem „wahrenwasweißichdennwas sprechen oder schreiben sind mir erstmal suspekt und ich fühle mich dann geneigt nicht mehr zuzuhören, oder weiterzulesen. Hier allerdings habe ich weitergelesen.

Bei einem Punkt des Schreibers musste ich dann aber doch nicken. Und zwar bei der Aussage, dass der Grad des Minimalismus immer subjektiv zu betrachten ist. Naja – erst vom WAHREN MINIMALISMUS schreiben und dann auf die subjektive Sicht des Individuums zu verweisen ist irgendwie … seltsam.

Aber sei’s drum, ich sehe mich auf jeden Fall genötigt darauf zu reagieren. Natürlich weiß ich, dass nicht mein Ausmisten-Beitrag als Bezug genommen wurde, dennoch ist meine Egozentrik so groß, das ich mich angesprochen fühle… 🙂

Minimalismus ist tatsächlich eine subjektive Sache. Ja, es geht um Verzicht, um Achtsamkeit, um Zeit. Es geht um die Pflege der Dinge, die man bereits hat, die man wirklich benötigt und die man nicht ändern möchte. Es geht darum sich zu erden, sich Raum zu verschaffen und den Kopf frei zu bekommen. Für den einen mag das Ausmisten des Kleiderschrankes bereits ausreichen, andere schmeißen ihren Fernseher weg – es ist eben einfach individuell. Ich für meinen Teil verbinde mit Minimalismus folgendes: sich erden, sich dessen bewusst werden, was wirklich nötig ist, Freiraum bekommen, Zeit gewinnen, sich von Ballast befreien. Jeder, dessen Leben sich irgendwann überfüllt anfühlt und es ändern möchte, steht vor der Frage:

Wie und wo fange ich nur an?!

Davon ausgehend, dass am Anfang das Erkennen der Situation steht und hier bereits ein Haken dran ist, muss / sollte es ja irgendwie weitergehen.

Sicherlich kommt dann der Wille etwas verändern zu wollen und in der Regel geht man dann in die Analyse – was habe ich über! Hier spaltet sich dann der Weg… die einen gehen ins direkt körperlich bezogene und analysieren hier. Essen, Trinken, Rauchen, Weggehen, Sport, Faulheit, etc…. andere wiederum beginnen mit dem Äußeren… Kleidung, Möbel, Auto, technische Spielereien (Smartphone, Tablet, Notebook, Smartwatch, etc.).

Ich würde mir nicht anmaßen und be(ver)urteilen wollen, welcher Weg der Richtige wäre. Beide Wege sind gut, denn beide stoßen eine Veränderungen an und kreuzen sich ohnehin wieder an späterer Stelle, denn das EINE funktioniert nicht ohne das ANDERE.  (Sicherlich gehen auf einem der beiden Wege manche wieder zurück, biegen irgendwo anders ab, was weiß ich… aber gehen wir mal davon aus, dass es nicht so ist.)

Was passiert aber eigentlich auf dieser Strecke? Nun… der persönliche Minimalismus nimmt eine Form an, er gestaltet sich, bildet sich heraus. Die Auseinandersetzung mit den oben genannten Dingen bedingt schlicht und einfach ein darüber Nachdenken, Herumgrübeln und ein Durchkauen. Mein innerer Dialog bezüglich meiner Hemden-Arie verlief etwa wie folgt:

Brauche ich DIESES Hemd? Wie oft hatte ich das eigentlich an? Hu, habe ich hier viele Hemden hängen… brauche ich wirklich die Menge von dem Zeug? Was sind das überhaupt für Teile… hm… H&M? Wie und wo stellen die eigentlich ihr Zeug so her…?

Aus der einfachen Frage, brauche ich DIESES Hemd wird innerhalb eines solchen Prozesses die generelle Frage nach nachhaltiger Fertigung der Klamotten, die man am Leibe trägt. Dieser Werdegang lässt sich eigentlich auf alles übertragen und ist in meinen Augen ein normaler Prozess, der unweigerlich auftritt.

Wo und wann endet das alles? 

Es endet nirgendwo, niemals (solange man lebt). Wir leben, sind also in einem permanenten Entwicklungsprozess (auch Degeneration ist eine Form der Entwicklung) und in ständiger Konfrontation mit Konsum und Materialismus. Uns bleibt also gar nichts anderes übrig, als uns permanent mit diesem Thema beschäftigen zu „müssen“.  Sicherlich entwickelt sich irgendwann eine gewisse Routine, so dass uns dieses „sich damit beschäftigen“ nicht mehr großartig bewusst auffällt. Aber es ist permanent und andauernd.

Das Widerstehen von Verlockungen ist eine Sache die man trainieren kann. Anfangs ist das Verweigern von Schokolade vielleicht noch schwer – irgendwann ist es okay und etwas später dann auch wirklich gut. Auch dies lässt sich auf alles andere adaptieren. Ich bin ja auch nicht blind oder abgestumpft, es gibt Dinge die reizen mich einfach. Wenn ich bei meiner Hemdengeschichte mal bleiben darf, gibt es immer noch Hemden, die ich geil finde und der Klick in den Warenkorb ist ja nun auch nicht wirklich „Arbeit“. Ich muss zugeben, dass ich dieses Stöbern und Suchen auch in einem gewissen Maße genieße. Doch bevor ich mich für einen Kauf entscheide, stelle ich mir folgende Fragen: Brauche ich es wirklich? Würde es mich weiterbringen? Gibt es das Teil auch nachhaltig?

Und erst wenn ich alle drei Fragen mit JA beantworten kann, ist der Kauf für mich eine Option.

Das wird nicht immer funktionieren, das ist mir klar. Ich versuche es dennoch mich irgendwie aus dem Konsumverhalten auszukoppeln und den Irrsinn mit etwas Abstand zu betrachten. Hier hilft mir besonders folgendes Zitat aus dem „Buch des Gleichgewichts und der Harmonie„, das ich mir von Zeit zu Zeit immer mal wieder ins Gedächtnis rufe:

Kraftvolles Handeln heißt, den Körper zu trainieren, ohne sich vom Körper belasten zu lassen; in der Welt zu arbeiten, ohne sich von der Welt berühren zu lassen; und  Aufgaben auszuführen, ohne sich von den Aufgaben behindern zu lassen.

Soviel mal dazu. 🙂

In diesem Sinne!

 

 

 

 

 

Ausmisten angesagt

Alle paar Monate habe ich das mal. Dann klemme ich mich vor meine Utensilien und miste aus. Das heißt: ich versuche es.  Meistens nehme ich jedes Teil in die Hand und denke mir: „Eigentlich könnte ich es irgendwann doch mal wieder brauchen.“

So war es bis vor etwa 5 Wochen. Dann war es anders. Ich stand vor meiner Hälfte des Kleiderschranks, sammelte meine Schuhe aus dem Schuhschrank dazu und habe mir vorgenommen, nach der vorgenommenen Ausmist-Arie HÖCHSTENS nur noch die Hälfte an Klamotten und Schuhe zu besitzen. Ich dachte bisher immer, dass ich gar nicht so viele Klamotten hätte – so denkt halt der Mann – bis mir dann irgendwann aufgefallen ist, dass ich eines morgens vom Duschen bis zum Verlassen der Wohnung etwa 4 verschieden Hemden, 2 unterschiedliche Hosen und 2 Paar Schuhe anhatte. Brutaler Scheiß. Wieviel blöde Zeit drauf geht das richtige OUTFIT für den Tag zu finden ist einfach ätzend.

Mir kam dann die Einsteinsche Lösung in den Sinn. Ich kaufe mir 4 gleiche Anzüge mit identischen Hemden , 4 gleiche paar Schuhe, 4 gleiche Pullis  (falls es mal kalt ist), verzichte auf Socken und alles ist gut. Kein Gedanke geht mehr an der Klamotte verloren. Aber so richtig sexy fand ich das nun nicht… auch wenn Einstein eine coole Sau war.

Erstmal musste eine Reduktion der Klamottenbreite ausreichen. 50% war – wie bereits geschrieben – das Ziel.

Ich holte also eine Rolle blauer Säcke aus dem Keller und legte los. Der Start war leicht. Alte Socken und Unterhosen, dann noch 2 Jeans und eine Chino die mir zu groß geworden sind und die man aber immer noch mal hätte gebrauchen können, zum…. Streichen! Oder wenn ich wieder fett werde, oder so! Ein kleiner Stapel alter T-Shirts mit aufgerubbelten Nähten und ausgewaschenen Metal-Bands vorne drauf. Ich stopfte alles in einen Sack und machte ihn zu. Stolz blickte ich auf meinen Schrank und stellte fest: irgendwie hat sich nichts geändert. Ich musste also tiefer rein. Ich wandte ich mich also der langen Reihe Hemden zu: unsortiert, farblich eher gedeckt, kein spezieller Hersteller, unterschiedliche Größen… ein Sammelsurium eben.

waescheberg_01Ich ging zwei Schritte zurück und betrachtete die Reihe. Ehrlicherweise musste ich zugeben, dass sich meine Auswahl der Hemden die ich anziehe, auf etwa eine handvoll konzentriert. Diese sortierte ich und schob sie auf der Stange zusammen. Dann schnappte ich mir noch 2 Gammelhemden, also Hemden die man am WE auf dem Sofa anzieht, oder so. Übrig blieben immer noch irgendwie 12 Hemden die mir auf die ein oder andere Weise nicht passten. Zu eng an den Schultern, zu kurz, spannt zu sehr, zu klein, undsoweiterundsofort. Ich gebe zu, ich habe mit mir gerungen… Ich kann doch nicht einfach all diese Hemden hergeben! Vielleicht wachse ich ja nochmal rein! Werde wieder schmaler um die Schultern und mal soll ja auch wieder schrumpfen, wenn man älter wird!

Letztlich habe ich mich mit mir selber darauf geeinigt die Hälfte von den Hemden wegzugeben. Die Ausgewaschenen, die Farblosen, die eigentlich noch nie gerne Angezogenen.

Somit hatte ich nun 2 gefüllte blaue Säcke neben meinem Schrank stehen. Ich riss mir den dritten blauen Sack ab und ging zu meiner Kommode mit dem Jacken, Schals, Handschuhen und Mützen. 3 Schubladen voll mit dem Zeug. Hier ging ich irgendwie ungeplanter ans Werk und leerte alle 3 Schubladen (es sind wirklich große Schubladen) auf dem Boden aus und betrachtete diesen Großglockner an Klamotten. Dann riss ich einen weiteren Sack von der blauen Rolle.

Mit einem kleinen Anlauf sprang ich kopfüber in den Wäscheberg, wühlte mich durch Jacken, Schals und fand eine Socke, die mich schon seit Monaten nervte und nach einer Achterbahnfahrt bestehend aus Gerüchen vergangener Zeiten und Farbexperimenten mit seltsamen Stoffansammlungen, lagen auf der „Behalten“-Seite 2 Jacken, 3 Schals, 5 Mützen (ich trage gerne Mützen) und 2 Paar Handschuhe. Dann riss ich einen DRITTEN blauen Sack von der Rolle und stopfte alles was weg sollte in die besagten 3 Säcke rein.

Mein Blick wanderte dann zu den Sportklamotten und ich seufzte – auch hier musste ich ran. Ein weiterer Sack wurde von der Rolle gerissen und ich zog meine Sportsachen hervor. 2 Japanische Gi’s vom Aikido, ein Bademantel, mehrere kurze Laufhosen, 2 lange Laufhosen, 3 Paar Laufschuhe, einige Kung Fu Shirts, -Shuhe und -Hosen plus diverses Trainingszeug wie Tiefschutz, Handschuhe, etc.

Meine 3 Paar Laufschuhe reduzierte ich auf 1 Paar, von den kurzen Laufhosen ziehe ich sowieso immer nur 2 an und meine Kung-Fu Klamotten reduzierte ich ebenfalls auf 2 Sätze – für 2x Training die Woche eben. Mit Aikido habe ich vor einem halben Jahr aufgehört, mein Bedarf an einem Gi war also nicht mehr vorhanden. Und BÄM Sack Nummer 6 stand gefüllt vor mir.

Die nunmehr sechs rappelvollen, blauen Säcke wuchtete ich erstmal neben meinen Schrank, dann fühlte ich mich leer und füllte diese Leere mit einem wunderbaren Espresso aus meinem Bialetti-Espressokocker.

blaue-saeckeAm nächsten Morgen stand ich vor meinem – nun äußerst – übersichtlichen Kleiderschrank und überlegte was ich anziehen soll. Vielleicht das karierte Hemd? Wo war es den nur… ach ja… mein Blick fiel auf die blauen Säcke. Ich habe es geschafft dem Drang nicht nachzugeben und griff nach einem standardblauem Hemd. Gut. Tag 1 geschafft.

Tag für Tag kam so die ein oder andere Frage auf, ob nicht vielleicht DOCH eine Klamotte aus einem dieser Säcke wieder seinen Weg in den Schrank finden könnte… ich blieb jedoch eisern. NEIN! Und um mich selber zu testen und auch etwas unter Druck zu setzen, ließ ich die Säcke bis zum letzten Wochenende neben meinem Schrank stehen. Ich hielt durch. Am Samstag habe ich die Säcke dann endlich in mein Auto gefüllt und habe die Klamotten weggespendet.

In den nun sechs Wochen andauernden „Verzicht“ habe ich angefangen weitere Klamotten, die ich nicht mehr anziehe zur Seite zu packen. Dieses „Beobachten“ habe ich auch auf andere Dinge erweitert, sei es nun Schmuck, Pflegeartikel, Papier, Technikkram (Tablets, Smartphones, etc) und so weiter und so fort und diese Idee die Dinge zu reduzieren habe ich mittlerweile auch auf diese Bereiche ausgeweitet. Wozu brauche ich eine teure Smartwatch, wenn mir die Dinge auf meinen Smartphone schon so sehr auf den Sack gehen, dass ich die Verbindung zur Smartwatch deaktiviert habe? Oder wozu brauche ich eine GPS-Laufuhr mit Herztracking-Funktion, wenn ich sowieso nur 2x wtl. Abends meine 5 km zur Entspannung laufe? Im SOMMER!!  Was soll ich mit 2 Duschgels? Und einem Shampoo – vor allem, weil ich mir den Schädel seit Jahren RASIERE??

Es gibt viele Dinge, die es sich zu hinterfragen lohnt. Es ist nicht leicht gewohnte Dinge einfach wegzuschieben, Verhaltensweisen zu ändern und Liebgewonnenes zu entsorgen.

Ich bin sicher kein Moralapostel und nur weil ich mal meinen Schrank ausgemistet habe, bin ich nicht plötzlich der Minimalismus-Held…. aber es fühlt sich dann doch ein bisschen so an… 😉

In diesem Sinne!