Minimalisus vs. Konsumwahn (22.10.2017)

Mal abgesehen davon, dass das Thema Minimalismus gerade einen kleinen Hype erlebt, beschäftige ich mich schon länger mit dem Wunsch meinem Leben eine etwas „sinnvollere und einfachere“ Note zu geben. Hierzu habe ich in meinem Haupt-Blog schon den einen, oder anderen Beitrag geschrieben, habe bereits diverse Maßnahmen durchgezogen und bin letztlich doch immer wieder gescheitert. Nur wenige Wochen später war / bin ich wieder gefangen in der Welt des Konsums. Dann zwar mit einem schlechten Gewissen – aber ich bin wieder drin. Warum?

Wenn ich nach AUßEN blicke, ist es natürlich die Gesellschaft, das persönliche Umfeld. Ich  / wir alle sind ständig von Konsum umgeben. Ich beschäftige mich im Job damit, bin dazu gezwungen auf technische Hilfsmittel zurückzugreifen und werde regelrecht damit zugeballert. Entsprechend gestalten sich die Gespräche mit Arbeitskollegen etc. Ich bin mir diesem Wahnsinn durchaus bewusst, kann jedoch an der Situation an sich nichts ändern, ohne meine Familie und mein Lebensumfeld mitzureißen – im gewissen Sinne dazu zu zwingen meinem Weg zu folgen. Nun… Zwang ist mir ein Graus, ein nicht selbstbestimmtes Leben führen zu müssen ebenso, jedoch bin eher ICH dazu bereit, wenn nur meine Familie die Möglichkeit hat wählen zu dürfen.

Wenn ich nach INNEN schaue ist es eher die Leere, mit der ich nur wenig anfangen kann. Ich versuche dann diese Leere zu greifen, mit ihr umzugehen, aber ich lasse mich hier leider zu schnell ablenken und wieder in die Spirale hineinziehen.

Warum ist das aber so? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach und ich schreibe hier absichtlich: EIGENTLICH. Wir haben keine Zeit. Keine Zeit sich mit uns selbst zu beschäftigen, nicht die Ausdauer und vielleicht auch nicht mehr das Verlangen. EIGENTLICH, weil wir es auch nicht wirklich anders wollen.

Eigentlich… dieses KEINE ZEIT HABEN für die Beschäftigung mit sich selbst lässt sich auf ganz viele Bereiche herunterbrechen. Sport, selber Kochen, im Biomarkt einkaufen, das Rauchen… eigentlich müsste man ja, aber man hat ja keine Zeit…

Natürlich hätten wir die Zeit, wir verballern einfach nur viel zu viel davon.

Aber ich wollte gar nicht auf den Zeitfaktor hinaus, sondern etwas anderes ansprechen – wobei: irgendwie ist das ja auch alles miteinander verzahnt.

Heute Morgen beim Frühstück haben wir uns sehr lange über Träume, Wunschvorstellungen, frühere Lebenskonzepte etc. unterhalten und ich fand es spannend meinen Kindern beim Philosophieren zuzuhören. Interessant, wie erwachsen und abgeklärt ein Kind sein Leben beschreiben und theoretisch entwickeln kann…

Aber mal davon ab ist mir aufgefallen, wie weit mein jetziges Leben von dem entfernt ist, was ich mir seit meiner Kindheit für mich vorgestellt habe. Der Rückblick war jetzt nicht bedauernd, oder melancholisch – schlicht interessiert. Ich habe mich natürlich gefragt, was ich denn heute alles machen müsste, um mein ursprüngliches Konzept in die Tat umzusetzen und eines ist klar: ich müsste meine Familie aus ihrem jetzigen Leben herausreißen. Das käme mir egoistisch vor.

Auch wenn ich kein Minimalist bin, bin ich ein Fan des Minimalismus‘. Konsumverzicht und Abspecken bei Dingen, die man nicht mehr benötigt, materieller oder auch geistiger Natur, habe ich mir schon länger auf aufs Fähnchen notiert – jedoch habe ich das Fähnchen nie wirklich gehisst.

Und auf dieses viel beschworene „ABER JETZT “ möchte ich ebenfalls verzichten, zu sehr bin ich in dieser Welt verhaftet und mit ihr verwoben. Im Kleinen sind aber Veränderungen möglich und diese „KLEINE“ sollten wir nicht unterschätzen, oder gleich beiseite packen, weil es uns vielleicht zu klein und unwichtig erscheint. Auch ein kleines Steinchen ist in der Lage Kreise auf einem großen See zu bilden.

Diesen Blog habe ich am 24. Februar 2017 eröffnet mit dem Hintergrund Themen wie Philosophie, Kampfkunst, Taoismus, etc. aus meinem Hauptblog herauszufiltern. Das Problem ist, dass fast alle Themen, über die ich schreibe, sich genau mit diesen Dingen beschäftigen! Der Sinn eines separaten Blogs relativiert sich dadurch, so dass ich beschlossen habe beide Seiten wieder zusammen zu führen.

Das spart vorrangig erstmal Kosten und Aufwand, was ja schon mal nicht schlecht ist, im zweiten Schritt sind zwei Blogs schlicht und einfach unnötig.

In den nächsten Tagen / Wochen werde ich also nach und nach die Beiträge von dieser Seite in meinem Hauptblog integrieren und dort den „Schmetterlingstraum“ weiterträumen… :)… oder eben umgekehrt – ich weiß es noch nicht.

Und was wollte ich mit diesem Beitrag nun erreichen? Nun, vielleicht genau dies! Oder auch etwas ganz anderes. 🙂

Alsdann!

Tao Te King – Kapitel 7 (10.10.2017)

Mit einem leichten Schreck habe ich gerade festgestellt, dass ich meinen letzten Beitrag zum Tao Te King am 24.05.2017 geschrieben habe…. SO GEHT DAS ABER NICHT, daher schnell zu Kapitel 7… 🙂

Kapitel 7Kapitel 7 b

Sodelle… die Übersetzung von Herrn Wilhelm lasse ich mal außen vor, die finde ich persönlich nicht wirklich gut getroffen.

Beide Übersetzungen da oben sind an sich nicht wirklich unterschiedlich, der Sinn wird in beiden Varianten sehr schnell klar und doch bleibt hier ein etwas … sagen wir: seltsames Gefühl kleben. Das „Selbst“ aufgeben? Keine „Eigeninteressen“ haben?

Aber kommen wir zuerst auf „Himmel und Erde“. Während in der ersten Übersetzung geschrieben wird, dass Himmel und Erde allzeit leben, weil sie „ungeboren“ sind, wird die zweite Übersetzung ein wenig deutlicher: sie sind von Dauer, weil sie nicht „für sich selbst“ leben.

Was mich ein wenig verwirrt hat ist die Tatsache, dass sich die Taoisten sehr wohl der Entstehung und Vergänglichkeit von Himmel und Erde bewusst waren. Im Verhältnis zu einem Menschenleben mag das vielleicht keine große Rolle gespielt haben… alleine schon aus diesem Grund gefällt mir persönlich die Version „beständig und von Dauer“ wesentlich besser.

Laotse macht dem Leser klar, dass Himmel und Erde nicht für sich leben, sie SIND einfach. Sie verfolgen kein bestimmtes Ziel, ihr Sein hat keinen konkreten Zweck – dadurch, dass Himmel und Erde einfach SIND, sind beide genau so perfekt.

Diese Empfehlung will Laotse somit auch dem Mensch geben. Perfekt zu sein, SELBST zu sein – einfach aus dem Grund, dass man existiert. Er gibt dem Menschen sogar einen Handlungsrahmen mit, in dem er schreibt, dass der Mensch eigentlich nichts tun muss, als sich selbst aufzugeben und sein Eigeninteresse hinten an zu stellen.

So weit so gut.  Klingt aber irgendwie doof, oder? So völlig konträr zu dem was uns hier eingebläut wurde in all den Jahren… was soll das denn eigentlich?

Uns wurde immer wieder gesagt, wir sollen für die Dinge einstehen, die wir wollen, uns auch mal BEHAUPTEN, uns eben NICHT alles gefallen lassen und uns über andere ERHEBEN um JEMAND ZU SEIN! Und dann kommt so ein alter Chinese und behauptet das genaue Gegenteil?!

Ich habe auch so meine Probleme damit und ich muss zugeben, so ganz bin ich damit auch nicht einverstanden. Nun… einverstanden vielleicht schon, aber für einen Menschen aus unserer westlichen Welt ist das schon ein ziemlicher Klopper. Einfach nur zu sein hat in meinen Augen auch viel mit Egoismus zu tun. Ich persönlich gehe davon aus, dass alles auf irgendeine Art und Weise miteinander vernetzt ist. Die Quantentheorie hat hierzu ja viele Beispiele parat. Wenn ein Mensch sich nun entscheidet aus diesem Netzwerk auszusteigen, um in einer Höhle einfach nur sich selbst zu fröhnen, ist in meinen Augen egoistisch. Es ist ein egoistisches Ziel mit der klaren Verneinung eines zusammenhängendes Daseins.

Anders sieht es aus, wenn ein Mensch seine Position im Netzwerk gefunden hat und diese Position ausfüllt, in dem er einfach nur IST. Ein Tischler tischlert, weil er ein Tischler ist. Nicht um Geld zu verdienen, nicht um bewundert zu werden, sondern einfach nur, weil das seine Berufung ist. Er IST ein Tischler.

Ich interpretiere daher dieses Kapitel als eine Aufforderung zu versuchen seine Berufung zu finden und zu erfüllen.

Natürlich gelingt uns das in unserer Welt nicht (häufig). Wir sind zu organisiert, von vornherein zu sehr auf bestimmte Lebensarten hingetrimmt und -trainiert. Von klein auf drin in der Maschinerie und beinahe ohne die Möglichkeit darauf einzuwirken. Und später ist man wieder zu stark verstrickt im Alltag, so dass manch einer sich vielleicht denkt: „Ach, jetzt lohnt sich das auch nicht mehr…“

Also JA, es ist nicht leicht, um nicht zu sagen: fast unmöglich. Ich für meinen Teil habe mir durch dieses Kapitel zumindest angewöhnt grundsätzlich keine Erwartungen mehr zu haben. Natürlich gelingt auch das nicht immer, es hilft jedoch sich nicht von Gedankenspiralen anketten zu lassen… es macht frei(er).

Keine Erwartungen haben hilft also? In meinen Augen ja. Ich mache die Dinge daher nicht mehr um etwas zu erreichen, oder ein Lob einzuheimsen. Auch nicht mehr um besonders toll dazustehen, oder vor Stolz zu platzen. Ich mache sie, weil sie gemacht werden müssen, weil es meine Aufgabe ist, sie zu tun – und zwar so gut wie es mir möglich ist. Ebenso erwarte ich nichts von anderen. Ich erwarte eben NICHT, dass sie Dinge tun, Dinge sagen, oder die große Stütze sind, die man sich vielleicht erhofft.

Dadurch spart man sich viele Enttäuschungen in unserer fabulösen Ellenbogengesellschaft und freut sich um so mehr, wenn sich aus keiner Erwartung etwas Positives entwickelt.

Das klingt jetzt vielleicht beim ersten Lesen etwas… abgehärmt, oder sogar abweisend… vielleicht sogar melancholisch oder überaus eigenbrötlerisch. Aber seid ganz beruhigt, ich bin durchaus ein fröhlicher und überaus freundlicher Charakter… meistens… 😀

Denkt einfach mal selber darüber nach und lasst es sacken. Es hilft.

 

Lebenszeichen

Ja, ich gebe zu, ich habe mich etwas rar gemacht. Nicht, weil es nichts zu schreiben gab, oder mich eine Art allgemeine Langeweile in den Klauen hat, sondern einfach, weil mit die Zeit, die Lust und zum Teil auch die Muße gefehlt hat, ein Thema (in meinen Augen) vollständig abzugreifen. Ich habe locker eine Handvoll Entwürfe im Speicher, die ich aufgrund mangelnder Motivation nicht zu ende gebracht habe.

Diese Entwürfe beinhalten im Großen und Ganzen folgende Themen:

  • 1860 München
  • Kampfkunst (Taiji in den Alpen ist schon echt geil)
  • Asatru
  • Urlaub, Zähne,  (ja, die nerven weiter)
  • Weißbier

Über die Löwen kann man immer schreiben, auch über Weißbier geht immer mal wieder was. Die Themen Asatru und Kampfkunst benötigen etwas Hirnschmalz und den verplempere ich derzeit in meinem Job. Dennoch werden – sobald es wieder etwas ruhiger für mich wird – diese Themen noch zeitnah angepackt. Asatru beispielsweise ist ein mächtig faszinierendes Thema, das sowohl politisch, wie auch spirituell oder auch philosophisch angegangen werden kann. Seltsamerweise – oder vielleicht auch logischerweise – hat es eine gewisse Nähe zum Taoismus und somit sogar zum Taiji. Das würde ich gerne mal zerpflücken, benötigt aber etwas mehr Zeit.

Daher darf man gespannt sein – wenn einen denn solche Themen interessieren.

In diesem Sinne!

 

Wie oft übst Du Taiji? (02.08.2017)

Eine interessante Frage, die neulich mal im Unterricht auftauchte. Wie oft übst Du Taiji (außerhalb des Unterrichts)?

Im ersten Moment antwortete ich, über den Unterricht hinaus so etwa 1,5 bis 2 Stunden die Woche, wobei ich lediglich das Ablaufen der Form und gelegentliche Übungseinheiten mit meiner Karate-Tochter im Kopf hatte.

Als ich dann zu Hause war und etwas länger über diese kleine Frage nachdachte, musste ich meine Antwort  revidieren und eine Frage voranstellen:

Was bedeutet es eigentlich Taiji zu praktizieren?

Taiji ist letztlich mehr, als „nur“ die Form zu laufen. Es ist Philosophie und so eng mit dem Daoismus verknüpft, dass eigentlich keine wirkliche Trennung existiert.

Taiji bedeutet übersetzt aus dem Chinesischen: „das höchste Prinzip“, oder auch „das große Ganze“ und ist eine Bezeichnung für die Symbiose aus Yin und Yang, was sich in dem bekannten Symbol zeigt:

2017-01-18-23-34-47

In der chinesischen Philosophie war/ist vor dem Taiji das Wuji, sprich: das Taiji ist bei der Entstehung des Universums aus dem Wuji hervorgegangen. Somit gibt es für den Begriff Wuji viele unterschiedliche Übersetzungen, wie zum Beispiel: das Chaos, der Urzustand, der Ursprung, Mutter von Yin und Yang, etc.

Für mich interpretiere ich dieses Wuji als einen Moment der Stille und Gleichheit, jenen kleinen Zeitpunkt, an dem Yin und Yang ihren idealen Zustand eingenommen haben. Natürlich ist mir bewusst, dass sich in unseren Leben an diesen Zustand höchstens angenähert werden kann… aber zumindest das kann man ja versuchen, oder?

Zhou Dunyi war ein chinesischer Philosoph und Neokonfuizianist, der den Daoismus nicht von vornherein abgelehnt hat. Er hat stattdessen versucht Erklärungen zu finden und hat ein anerkanntes Taiji-Diagramm entwickelt. Gut, auch hier gibt es wiederum Strömungen, die sagen, dass Zhou Dunyi hier lediglich auf daoistische Schriften zurückgegriffen hätte, aber das muss hier nicht interessieren.

Taji Diagramm

 

Also was bedeutet dieses Dingen nun?

Zhou Dunyi erklärt dies in einer zentralen Stelle seiner Schriften folgendermaßen, ich zitiere hier mal aus einer Übersetzung aus dem Taiji-Forum:

Wuji und doch/dann taiji. In Bewegung bringt das taiji das Yang hervor.

Wenn die Bewegung das Äußerste erreicht hat, entsteht Ruhe. Ruhend erzeugt das taiji das Yin, doch wenn die Ruhe das Äußerste erreicht hat, entsteht Bewegung.

Bewegung und Ruhe Wechseln einander ab. Jedes ist die Wurzel des anderen.

Durch die Unterscheidung von Yin und Yang sind diese beiden Instrumente entstanden.

Jeder Taiji-Praktizierende kennt diese Momente. Eine Bewegung begegnet diesem Punkt der leichten Ruhe und hieraus entsteht die nächste Bewegung, die sich wiederum jenem Moment der Ruhe und – zumindest sehe ich dies so – dem Wuji nähert, dem Ursprung.

In meinen Augen sind Taiji-Praxis und daoistische Philosophie eng miteinander verknüpft und um Taiji wirklich zu praktizieren muss/sollte man sich auch mit der Philosophie dahinter beschäftigen. Dies führt zu einem anderen Verständnis und eine vielleicht andere Sicht auf die Praxis, auf sein Umfeld und auf sein Leben an sich.

Und so will ich langsam wieder zu der eingangs gestellten Frage kommen. Taiji ist wesentlich mehr, als einfach nur die Form runter zu spulen. Die Grundsätze und Prinzipien (Yin Yang, natürlicher Lauf, Wu Wei, etc.) findet man überall im Alltag und sie lassen sich ebenso überall anwenden.

Wie oft übe ich nun also Taiji, außerhalb des Unterrichts?

Meine Antwort: ständig.

Ich übe jeden Tag aufs neue mir die Prinzipien ins Bewusstsein zu holen und meine Handlungen danach auszurichten. Manchmal kommt es automatisch, manchmal muss ich daran arbeiten – also Kung Fu praktizieren. Aber es ist ständig präsent.

Üben, üben, üben.

In diesem Sinne! 🙂

Wenn die Hexe einen Schuss abfeuert (11.07.2017)

Grundsätzlich bin ich ja ein recht gesundes Kerlchen. Mit knapp Mitte 40 habe ich natürlich auch das ein oder andere Zimperlein, aber im Großen und Ganzen bin ich ganz gesund.

Meinen letzten Hexenschuss hatte ich mit Anfang 30, also vor über 10 Jahren. Damals bin ich völlig durchgeschwitzt vom Wing Chun Training nach Hause gekommen und habe mir einen Auflauf-Rest in den Backofen schieben wollen. Wie ein Blitz fuhr es in den unteren Rücken und wahrscheinlich jeder Muskel in dem Bereich hat sich blockiert.

Ein Besuch beim Doc hat mir eine Spritze beschert, 2 freie Tage und eine Empfehlung Sport zu machen, die ich lächelnd zur Kenntnis genommen habe.

Letzten Sonntag hat mich die Hexe nun ein zweites Mal erwischt. Nicht nach einem schweißtreibenden Training, sondern nach einem entspannten Tag am späten Abend. Ich wollte mir den Klavierhocker an die Couch stellen und hörte noch das geckernde Lachen kurz bevor mich das Stechen im Rücken erneut erwischte.

Der Arzt am nächsten Tag verabreichte mir eine Spritze und empfahl mir erneut Sport, insbesondere rückenfreundliche Bewegungssportarten, wie etwa Tai Chi.

Mittlerweile bin ich froh, dass die Schmerzen weitestgehend nicht mehr vorhanden sind, hier und da ein Ziehen, so manche Drehung und Belastung lässt meine Muskulatur noch etwas verkrampfen, aber grundsätzlich geht es wieder.

Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, wie es denn dazu kommen kann. Einige Faktoren liegen auf der Hand, andere eben nicht.

Klare Faktoren, die zu einem Hexenschuss führen können:

  • Der Job. Ich arbeite am Schreibtisch. Manchmal im Stehen, in der Regel aber im Sitzen.
  • Übergewicht. Ich schleppe etwa 15 Kilo zuviel mit mir herum. Im Alltag fällt es kaum auf, dennoch zuppt und ziept es hier und da.
  • Stress. Sei es nun im Job, oder auch privat, Stress ist ein wesentlicher Faktor.

Volatile Faktoren, die nicht unbedingt direkt einwirken, können folgende sein:

  • Der psychologische „Tritt ins Kreuz“, oftmals resultierend aus einem Vertrauensmissbrauch.
  • Das Gefühl „zu viel zu (er-) tragen“. Nicht jeder ist ein Atlas, dennoch hat wohl jeder gelegentlich mal den Eindruck, das alles einfach zu viel ist und weniger Ballast mal ganz gut tun würde.
  • Das Signal einer „Auszeit“. Ob nun Seele oder Körper das Signal gibt ist hierbei egal.

Ich glaube beispielsweise daran, dass das Leben, Gott, die Götter, wer oder was auch immer einem in relativen Grenzen einen gewissen Weg in die Wiege legt. Unsere Aufgabe ist es

1. den Weg (den Sinn) zu erkennen und

2. diesem Weg auch zu folgen.

Bewegen wir uns in diesem „auferlegtem“ Rahmen ist alles fein. Bewegen wir uns aber zunehmend abseits des Pfades, werden wir darauf aufmerksam gemacht. Hinweise mehren sich, es läuft grad nicht so gut, irgendwie fühlt es sich blöd an, etc. bis zu dem Punkt, an dem man einfach mal „rausgeholt“ wird aus dem Alltag und dadurch Zeit gewinnt, über die letzten Schritte in seinem Leben nachzudenken und ggf. zu ändern.

Unsere Fähigkeit des freien Willens kann man hierbei positiv, aber auch negativ nutzen. Wie immer liegt es an uns, nicht an den Umständen, dem Leben, an den Göttern, an irgendetwas oder irgendjemand anderen. Es liegt an uns.

Taiji bedeutet übersetzt soviel wie „das Große Ganze“ und dieses Prinzip, oder diese Philosophie gilt nicht nur für die Kampfkunst, sondern auch auf das Leben. Taiji ist (Lebens-) Philosophie, basierend auf dem Taoismus.

Für mich bedeutet das, diese Prinzipien auf mein Leben zu übertragen und hier eröffnen sich recht deutlich gewisse Maßnahmen, die ich ergreifen muss, insbesondere im Hinblick auf mein Rückenproblem.

Um den Hexenschuss in den Griff zu bekommen und mich selber vor weiteren Hexenschüssen zu schützen muss ich ganzheitlich an die Sache gehen, ganz im Sinne des Taiji. Tabletten, Spritzen und etwas Sport sind nur eine Sache. Vorbeugung, Selbstsicherheit und das justieren von „Lebensrädchen“ eine weitere.

Und daran werde ich nun arbeiten. Taijiquan ist Kung Fu. Kung Fu bedeutet „harte Arbeit“, oder wie mein Lehrer zu sagen pflegt: „Üben, üben, üben. Weiter, weiter, weiter.“

Ich mach mich dann mal wieder ran an die Form, zumindest soweit mich mein Rücken heute lässt und hoffe im Laufe dieser Woche noch die Trainingshalle von innen zu sehen zu können.

In diesem Sinne!