Rumgezocke

 

Ich habe schon lange nichts mehr zum Thema GAMING geschrieben. Das hat natürlich einen Grund und zwar folgenden: Tatsächlich hat mich nichts mehr so richtig angefixt.

Ich bin bekennender RPler und neben dem einen oder anderen offline-Game (Fallout, Skyrim, etc.) zocke ich unheimlich gerne MMORPGS – wie man sich im Blog unschwer erlesen kann (deutet auf die Kategorie „GAMING“).

Nach den desaströsen Untergang meiner liebevoll aufgebauten Verlassenen-Gilde in WoW habe ich mich einer Nachtelfen Gemeinschaft angeschlossen, die tolles RP machte (und immer noch macht), aber als bekennender Horde-Anhänger, konnte ich mich nicht auf Dauer mit der Allianz anfreunden. Und irgendwie ging mir WoW nach all den Jahren sowieso auf den Zwirn. Eine Pause musste her, also habe ich meinen Account lahmgelegt und bis heute nicht mehr aktiviert.

Nach einer kurzen Elder Scrolls Online-Phase schloss ich ein wenig übersättigt den Deckel meines Gaming-Notebooks und begab mich in eine etwas länger andauernde Zocker-Pause.

ESO ist ein gutes Game und als Bethesda- und Skyrim-Fan ist das Game ja schon fast ein MUSS, dennoch hat es ESO nicht geschafft mich dauerhaft zu fesseln. Ich weiß eigentlich gar nicht so recht warum. Story ist gut, Grafik ist fett, die Quests sind spannend, langweilig und lustig – ganz so, wie es nunmal in einem MMORPG sein soll. Vielleicht war es der Name des Initiators all des Bösen, das in der Ära in der das Spiel stattfindet:

MANNIMARCO! 

Oder auch seine Sprecherstimme, die mich ständig an die alte Praktiker-Werbung erinnerte… ich weiß es nicht.

Seit ein paar Wochen bin ich aber wieder in meinem Steam-Account unterwegs und probiere ein wenig herum. Okay, diese ganzen Survival-Games erleben ja gerade einen unfassbaren Hype. Ich denke, ich habe alle relevanten Games dieses Genres ausprobiert. Natürlich unter Berücksichtigung des Alpha-Status‘ konnte ich mir ein gutes Bild von den folgenden Games machen: Conan Exiles, Life is Feudal, the Black Death, Valnir Rock.

Die Story ist bei allen irgendwie gleich. Du strandest alleine in einer verlassenen Gegend und versucht mit Dir selbst klar zu kommen. Du hast Hunger und musst essen, Du hast Durst und musst trinken, Du kannst an einem Kratzer krepieren, oder auch erfrieren. Das Setting ist  je nach Game ein wenig unterschiedlich. In Conan hängst Du an einem Kreuz in der Wüste, in Valnir Rock und Life is Feudal strandest Du auf einer Insel und in the Black Death kommst Du in einem mittelalterlichen Örtchen an mit dem Wunsch eine seltsame Seuche zu erforschen.

Am Besten gefallen mir hier Valnir Rock und the Black Death. Ersteres wegen der Rollenspielelemente (man trifft NSCs und erhält entsprechende Quests), letzteres wegen des Themas und der Stimmung. In beide Games schnuppere ich gelegentlich rein, um den aktuellen Stand des Games zu checken.

Dennoch fehlte mir immer noch ein Game auf das ich so richtig Bock habe, wo ich nicht Stunden über Stunden investieren muss und trotzdem meinen Spaß haben kann. Ein Spiel, das einfach Fun vermittelt und eine stabile MMORPG-Community hat – die nicht unbedingt groß sein muss.

Durch Zufall bin ich dann (mal wieder) über WILDSTAR gestolpert. Ich wusste gar nicht, dass das Dingen f2p ist… also habe ich es mal heruntergeladen und gestartet. Yo. Was soll ich sagen… das Spiel trifft so ziemlich all das, was ich im Moment von einem Game erwarte.

Es ist überraschend! Klar gibt es auch die klassischen „sammle 23 davon…. töte 40 hiervon…“– Quests, aber dennoch steckt in jeder Quest ein teils sonderbares, augenzwinkerndes, oder auch lustiges Zückerli. Das mag nicht gleich auffallen, aber irgendwann kommt es einem plötzlich wieder Sinn. Dass man nach dem Scannen eines Kristalls hunderte Meter hochspringen kann (und mal so nebenbei eine eine Quest auf der anderen Seite der Bergkette erhält, wo man NIEMALS sonst hingekommen wäre) mag einem währenddessen erstmal „normal“ vorkommen. Mit einer Nacht drüber schlafen steigt einem aber das Grinsen ins Gesicht… schlafende Kühe umschubsen, mit dem Hooverboard durch die Gegend düsen oder alleine der gelangweilte Materialisierer (ähnlich dem Hearthstone), der gelangweilt sagt: „Ach, schon wieder Du… dachte Du bist längst draufgegangen…“ Herrlichst!

Comic-Style DeLuxe: Möglicherweise bin ich zu sehr WoWgeprägt, aber ich stehe auf diesen halbrealistischen Comic-Style. Möglicherweise hatte ich mit Skyrim, Fallout, Wolfenstein, the Witcher, ESO, etc. pp. zu „realistisch“ aufgezogene Games, die teilweise an einen Spielfilm erinnern… k.A. Der Wildstar-Style wirkt nicht minder ansprechend, und lange nicht so kantig, wie in WoW. Er ist liebevoll detailliert, nah am Rande des überzogen seins, aber dennoch realistisch genug, um das Spiel „ernst“ zu nehmen. Die perfekte Mischung halt.

Es ist lustig: Im „überraschend“-Teil schon kurz angesprochen… es ist voll mit Kopf/Tisch-Humor, schmunzelnden Andeutungen, echten Lachern und perfiden Fragezeichen-Witzen. Das mag an der deutschen Übersetzung liegen, an den permanenten, unterschwelligen WoW-Spitzen, oder auch an der Kombi Charakter/Witz – keine Ahnung – ich find’s super.

Es frisst wenig Zeit (für ein MMORPG): Eine Quest ist mit relativ wenig Zeitaufwand erledigt, ein Event dauert etwas länger, aber auch das ist binnen 30min beendet. Instanzen habe ich noch nicht hinter mich gebracht, aber wenn der Eindruck stimmt ist man hier auch nicht 3-4 Stunden lang beschäftigt. Vielleicht liegt es aber auch an meinem Alter und meiner Arroganz  den Rechner „mitten drin“ abschalten zu können… 😉

Herausfordernd: Interessanterweise ist es trotz der oben stehenden, angenehmen Seiten äußerst herausfordernd. Natürlich gibt es auch Gegner, die umfallen, wenn man nur in der Nähe steht, aber je weiter man im Game kommt, desto härter wird es. Die Kollegen teilen ziemlich aus und stecken ne Menge ein. Das ist teils frustrierend, teils anspornend – je nach Tageszeit. Zudem erscheint mir die  Respawn-dauer verdammt kurz. Kaum habe ich den letzten Mob niedergeknüppelt, steht der erste wieder bereit. Aber vielleicht brauche ich auch nur zu lange, um die Gegner zu legen… kann auch sein… *kopfkratz*. Dann sind da noch etwaige „Überraschungsgegner“. Nichtsahnend bin ich heute Morgen mit meinem Hooverboard in einen Felsgiganten hineingerauscht, der mich – mit Hilfe eines zuvor plattgemachten und respawnten Mobs- so kräftig vermöbelte, dass ich in meine Maus gebissen habe. Schlimm!

Also es macht auf jeden Fall Bock und fristet ein IMO ungerechtfertigtes Nischendasein im MMORPG-Himmel. Sofern ihr also auch noch auf der Suche nach einer MMORPG Heimat seit, testet es mal an – ich finde es lohnt sich… :

 

Minimalisus vs. Konsumwahn (22.10.2017)

Mal abgesehen davon, dass das Thema Minimalismus gerade einen kleinen Hype erlebt, beschäftige ich mich schon länger mit dem Wunsch meinem Leben eine etwas „sinnvollere und einfachere“ Note zu geben. Hierzu habe ich in meinem Haupt-Blog schon den einen, oder anderen Beitrag geschrieben, habe bereits diverse Maßnahmen durchgezogen und bin letztlich doch immer wieder gescheitert. Nur wenige Wochen später war / bin ich wieder gefangen in der Welt des Konsums. Dann zwar mit einem schlechten Gewissen – aber ich bin wieder drin. Warum?

Wenn ich nach AUßEN blicke, ist es natürlich die Gesellschaft, das persönliche Umfeld. Ich  / wir alle sind ständig von Konsum umgeben. Ich beschäftige mich im Job damit, bin dazu gezwungen auf technische Hilfsmittel zurückzugreifen und werde regelrecht damit zugeballert. Entsprechend gestalten sich die Gespräche mit Arbeitskollegen etc. Ich bin mir diesem Wahnsinn durchaus bewusst, kann jedoch an der Situation an sich nichts ändern, ohne meine Familie und mein Lebensumfeld mitzureißen – im gewissen Sinne dazu zu zwingen meinem Weg zu folgen. Nun… Zwang ist mir ein Graus, ein nicht selbstbestimmtes Leben führen zu müssen ebenso, jedoch bin eher ICH dazu bereit, wenn nur meine Familie die Möglichkeit hat wählen zu dürfen.

Wenn ich nach INNEN schaue ist es eher die Leere, mit der ich nur wenig anfangen kann. Ich versuche dann diese Leere zu greifen, mit ihr umzugehen, aber ich lasse mich hier leider zu schnell ablenken und wieder in die Spirale hineinziehen.

Warum ist das aber so? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach und ich schreibe hier absichtlich: EIGENTLICH. Wir haben keine Zeit. Keine Zeit sich mit uns selbst zu beschäftigen, nicht die Ausdauer und vielleicht auch nicht mehr das Verlangen. EIGENTLICH, weil wir es auch nicht wirklich anders wollen.

Eigentlich… dieses KEINE ZEIT HABEN für die Beschäftigung mit sich selbst lässt sich auf ganz viele Bereiche herunterbrechen. Sport, selber Kochen, im Biomarkt einkaufen, das Rauchen… eigentlich müsste man ja, aber man hat ja keine Zeit…

Natürlich hätten wir die Zeit, wir verballern einfach nur viel zu viel davon.

Aber ich wollte gar nicht auf den Zeitfaktor hinaus, sondern etwas anderes ansprechen – wobei: irgendwie ist das ja auch alles miteinander verzahnt.

Heute Morgen beim Frühstück haben wir uns sehr lange über Träume, Wunschvorstellungen, frühere Lebenskonzepte etc. unterhalten und ich fand es spannend meinen Kindern beim Philosophieren zuzuhören. Interessant, wie erwachsen und abgeklärt ein Kind sein Leben beschreiben und theoretisch entwickeln kann…

Aber mal davon ab ist mir aufgefallen, wie weit mein jetziges Leben von dem entfernt ist, was ich mir seit meiner Kindheit für mich vorgestellt habe. Der Rückblick war jetzt nicht bedauernd, oder melancholisch – schlicht interessiert. Ich habe mich natürlich gefragt, was ich denn heute alles machen müsste, um mein ursprüngliches Konzept in die Tat umzusetzen und eines ist klar: ich müsste meine Familie aus ihrem jetzigen Leben herausreißen. Das käme mir egoistisch vor.

Auch wenn ich kein Minimalist bin, bin ich ein Fan des Minimalismus‘. Konsumverzicht und Abspecken bei Dingen, die man nicht mehr benötigt, materieller oder auch geistiger Natur, habe ich mir schon länger auf aufs Fähnchen notiert – jedoch habe ich das Fähnchen nie wirklich gehisst.

Und auf dieses viel beschworene „ABER JETZT “ möchte ich ebenfalls verzichten, zu sehr bin ich in dieser Welt verhaftet und mit ihr verwoben. Im Kleinen sind aber Veränderungen möglich und diese „KLEINE“ sollten wir nicht unterschätzen, oder gleich beiseite packen, weil es uns vielleicht zu klein und unwichtig erscheint. Auch ein kleines Steinchen ist in der Lage Kreise auf einem großen See zu bilden.

Diesen Blog habe ich am 24. Februar 2017 eröffnet mit dem Hintergrund Themen wie Philosophie, Kampfkunst, Taoismus, etc. aus meinem Hauptblog herauszufiltern. Das Problem ist, dass fast alle Themen, über die ich schreibe, sich genau mit diesen Dingen beschäftigen! Der Sinn eines separaten Blogs relativiert sich dadurch, so dass ich beschlossen habe beide Seiten wieder zusammen zu führen.

Das spart vorrangig erstmal Kosten und Aufwand, was ja schon mal nicht schlecht ist, im zweiten Schritt sind zwei Blogs schlicht und einfach unnötig.

In den nächsten Tagen / Wochen werde ich also nach und nach die Beiträge von dieser Seite in meinem Hauptblog integrieren und dort den „Schmetterlingstraum“ weiterträumen… :)… oder eben umgekehrt – ich weiß es noch nicht.

Und was wollte ich mit diesem Beitrag nun erreichen? Nun, vielleicht genau dies! Oder auch etwas ganz anderes. 🙂

Alsdann!

Tao Te King – Kapitel 7 (10.10.2017)

Mit einem leichten Schreck habe ich gerade festgestellt, dass ich meinen letzten Beitrag zum Tao Te King am 24.05.2017 geschrieben habe…. SO GEHT DAS ABER NICHT, daher schnell zu Kapitel 7… 🙂

Kapitel 7Kapitel 7 b

Sodelle… die Übersetzung von Herrn Wilhelm lasse ich mal außen vor, die finde ich persönlich nicht wirklich gut getroffen.

Beide Übersetzungen da oben sind an sich nicht wirklich unterschiedlich, der Sinn wird in beiden Varianten sehr schnell klar und doch bleibt hier ein etwas … sagen wir: seltsames Gefühl kleben. Das „Selbst“ aufgeben? Keine „Eigeninteressen“ haben?

Aber kommen wir zuerst auf „Himmel und Erde“. Während in der ersten Übersetzung geschrieben wird, dass Himmel und Erde allzeit leben, weil sie „ungeboren“ sind, wird die zweite Übersetzung ein wenig deutlicher: sie sind von Dauer, weil sie nicht „für sich selbst“ leben.

Was mich ein wenig verwirrt hat ist die Tatsache, dass sich die Taoisten sehr wohl der Entstehung und Vergänglichkeit von Himmel und Erde bewusst waren. Im Verhältnis zu einem Menschenleben mag das vielleicht keine große Rolle gespielt haben… alleine schon aus diesem Grund gefällt mir persönlich die Version „beständig und von Dauer“ wesentlich besser.

Laotse macht dem Leser klar, dass Himmel und Erde nicht für sich leben, sie SIND einfach. Sie verfolgen kein bestimmtes Ziel, ihr Sein hat keinen konkreten Zweck – dadurch, dass Himmel und Erde einfach SIND, sind beide genau so perfekt.

Diese Empfehlung will Laotse somit auch dem Mensch geben. Perfekt zu sein, SELBST zu sein – einfach aus dem Grund, dass man existiert. Er gibt dem Menschen sogar einen Handlungsrahmen mit, in dem er schreibt, dass der Mensch eigentlich nichts tun muss, als sich selbst aufzugeben und sein Eigeninteresse hinten an zu stellen.

So weit so gut.  Klingt aber irgendwie doof, oder? So völlig konträr zu dem was uns hier eingebläut wurde in all den Jahren… was soll das denn eigentlich?

Uns wurde immer wieder gesagt, wir sollen für die Dinge einstehen, die wir wollen, uns auch mal BEHAUPTEN, uns eben NICHT alles gefallen lassen und uns über andere ERHEBEN um JEMAND ZU SEIN! Und dann kommt so ein alter Chinese und behauptet das genaue Gegenteil?!

Ich habe auch so meine Probleme damit und ich muss zugeben, so ganz bin ich damit auch nicht einverstanden. Nun… einverstanden vielleicht schon, aber für einen Menschen aus unserer westlichen Welt ist das schon ein ziemlicher Klopper. Einfach nur zu sein hat in meinen Augen auch viel mit Egoismus zu tun. Ich persönlich gehe davon aus, dass alles auf irgendeine Art und Weise miteinander vernetzt ist. Die Quantentheorie hat hierzu ja viele Beispiele parat. Wenn ein Mensch sich nun entscheidet aus diesem Netzwerk auszusteigen, um in einer Höhle einfach nur sich selbst zu fröhnen, ist in meinen Augen egoistisch. Es ist ein egoistisches Ziel mit der klaren Verneinung eines zusammenhängendes Daseins.

Anders sieht es aus, wenn ein Mensch seine Position im Netzwerk gefunden hat und diese Position ausfüllt, in dem er einfach nur IST. Ein Tischler tischlert, weil er ein Tischler ist. Nicht um Geld zu verdienen, nicht um bewundert zu werden, sondern einfach nur, weil das seine Berufung ist. Er IST ein Tischler.

Ich interpretiere daher dieses Kapitel als eine Aufforderung zu versuchen seine Berufung zu finden und zu erfüllen.

Natürlich gelingt uns das in unserer Welt nicht (häufig). Wir sind zu organisiert, von vornherein zu sehr auf bestimmte Lebensarten hingetrimmt und -trainiert. Von klein auf drin in der Maschinerie und beinahe ohne die Möglichkeit darauf einzuwirken. Und später ist man wieder zu stark verstrickt im Alltag, so dass manch einer sich vielleicht denkt: „Ach, jetzt lohnt sich das auch nicht mehr…“

Also JA, es ist nicht leicht, um nicht zu sagen: fast unmöglich. Ich für meinen Teil habe mir durch dieses Kapitel zumindest angewöhnt grundsätzlich keine Erwartungen mehr zu haben. Natürlich gelingt auch das nicht immer, es hilft jedoch sich nicht von Gedankenspiralen anketten zu lassen… es macht frei(er).

Keine Erwartungen haben hilft also? In meinen Augen ja. Ich mache die Dinge daher nicht mehr um etwas zu erreichen, oder ein Lob einzuheimsen. Auch nicht mehr um besonders toll dazustehen, oder vor Stolz zu platzen. Ich mache sie, weil sie gemacht werden müssen, weil es meine Aufgabe ist, sie zu tun – und zwar so gut wie es mir möglich ist. Ebenso erwarte ich nichts von anderen. Ich erwarte eben NICHT, dass sie Dinge tun, Dinge sagen, oder die große Stütze sind, die man sich vielleicht erhofft.

Dadurch spart man sich viele Enttäuschungen in unserer fabulösen Ellenbogengesellschaft und freut sich um so mehr, wenn sich aus keiner Erwartung etwas Positives entwickelt.

Das klingt jetzt vielleicht beim ersten Lesen etwas… abgehärmt, oder sogar abweisend… vielleicht sogar melancholisch oder überaus eigenbrötlerisch. Aber seid ganz beruhigt, ich bin durchaus ein fröhlicher und überaus freundlicher Charakter… meistens… 😀

Denkt einfach mal selber darüber nach und lasst es sacken. Es hilft.

 

Lebenszeichen

Ja, ich gebe zu, ich habe mich etwas rar gemacht. Nicht, weil es nichts zu schreiben gab, oder mich eine Art allgemeine Langeweile in den Klauen hat, sondern einfach, weil mit die Zeit, die Lust und zum Teil auch die Muße gefehlt hat, ein Thema (in meinen Augen) vollständig abzugreifen. Ich habe locker eine Handvoll Entwürfe im Speicher, die ich aufgrund mangelnder Motivation nicht zu ende gebracht habe.

Diese Entwürfe beinhalten im Großen und Ganzen folgende Themen:

  • 1860 München
  • Kampfkunst (Taiji in den Alpen ist schon echt geil)
  • Asatru
  • Urlaub, Zähne,  (ja, die nerven weiter)
  • Weißbier

Über die Löwen kann man immer schreiben, auch über Weißbier geht immer mal wieder was. Die Themen Asatru und Kampfkunst benötigen etwas Hirnschmalz und den verplempere ich derzeit in meinem Job. Dennoch werden – sobald es wieder etwas ruhiger für mich wird – diese Themen noch zeitnah angepackt. Asatru beispielsweise ist ein mächtig faszinierendes Thema, das sowohl politisch, wie auch spirituell oder auch philosophisch angegangen werden kann. Seltsamerweise – oder vielleicht auch logischerweise – hat es eine gewisse Nähe zum Taoismus und somit sogar zum Taiji. Das würde ich gerne mal zerpflücken, benötigt aber etwas mehr Zeit.

Daher darf man gespannt sein – wenn einen denn solche Themen interessieren.

In diesem Sinne!

 

Wie oft übst Du Taiji? (02.08.2017)

Eine interessante Frage, die neulich mal im Unterricht auftauchte. Wie oft übst Du Taiji (außerhalb des Unterrichts)?

Im ersten Moment antwortete ich, über den Unterricht hinaus so etwa 1,5 bis 2 Stunden die Woche, wobei ich lediglich das Ablaufen der Form und gelegentliche Übungseinheiten mit meiner Karate-Tochter im Kopf hatte.

Als ich dann zu Hause war und etwas länger über diese kleine Frage nachdachte, musste ich meine Antwort  revidieren und eine Frage voranstellen:

Was bedeutet es eigentlich Taiji zu praktizieren?

Taiji ist letztlich mehr, als „nur“ die Form zu laufen. Es ist Philosophie und so eng mit dem Daoismus verknüpft, dass eigentlich keine wirkliche Trennung existiert.

Taiji bedeutet übersetzt aus dem Chinesischen: „das höchste Prinzip“, oder auch „das große Ganze“ und ist eine Bezeichnung für die Symbiose aus Yin und Yang, was sich in dem bekannten Symbol zeigt:

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In der chinesischen Philosophie war/ist vor dem Taiji das Wuji, sprich: das Taiji ist bei der Entstehung des Universums aus dem Wuji hervorgegangen. Somit gibt es für den Begriff Wuji viele unterschiedliche Übersetzungen, wie zum Beispiel: das Chaos, der Urzustand, der Ursprung, Mutter von Yin und Yang, etc.

Für mich interpretiere ich dieses Wuji als einen Moment der Stille und Gleichheit, jenen kleinen Zeitpunkt, an dem Yin und Yang ihren idealen Zustand eingenommen haben. Natürlich ist mir bewusst, dass sich in unseren Leben an diesen Zustand höchstens angenähert werden kann… aber zumindest das kann man ja versuchen, oder?

Zhou Dunyi war ein chinesischer Philosoph und Neokonfuizianist, der den Daoismus nicht von vornherein abgelehnt hat. Er hat stattdessen versucht Erklärungen zu finden und hat ein anerkanntes Taiji-Diagramm entwickelt. Gut, auch hier gibt es wiederum Strömungen, die sagen, dass Zhou Dunyi hier lediglich auf daoistische Schriften zurückgegriffen hätte, aber das muss hier nicht interessieren.

Taji Diagramm

 

Also was bedeutet dieses Dingen nun?

Zhou Dunyi erklärt dies in einer zentralen Stelle seiner Schriften folgendermaßen, ich zitiere hier mal aus einer Übersetzung aus dem Taiji-Forum:

Wuji und doch/dann taiji. In Bewegung bringt das taiji das Yang hervor.

Wenn die Bewegung das Äußerste erreicht hat, entsteht Ruhe. Ruhend erzeugt das taiji das Yin, doch wenn die Ruhe das Äußerste erreicht hat, entsteht Bewegung.

Bewegung und Ruhe Wechseln einander ab. Jedes ist die Wurzel des anderen.

Durch die Unterscheidung von Yin und Yang sind diese beiden Instrumente entstanden.

Jeder Taiji-Praktizierende kennt diese Momente. Eine Bewegung begegnet diesem Punkt der leichten Ruhe und hieraus entsteht die nächste Bewegung, die sich wiederum jenem Moment der Ruhe und – zumindest sehe ich dies so – dem Wuji nähert, dem Ursprung.

In meinen Augen sind Taiji-Praxis und daoistische Philosophie eng miteinander verknüpft und um Taiji wirklich zu praktizieren muss/sollte man sich auch mit der Philosophie dahinter beschäftigen. Dies führt zu einem anderen Verständnis und eine vielleicht andere Sicht auf die Praxis, auf sein Umfeld und auf sein Leben an sich.

Und so will ich langsam wieder zu der eingangs gestellten Frage kommen. Taiji ist wesentlich mehr, als einfach nur die Form runter zu spulen. Die Grundsätze und Prinzipien (Yin Yang, natürlicher Lauf, Wu Wei, etc.) findet man überall im Alltag und sie lassen sich ebenso überall anwenden.

Wie oft übe ich nun also Taiji, außerhalb des Unterrichts?

Meine Antwort: ständig.

Ich übe jeden Tag aufs neue mir die Prinzipien ins Bewusstsein zu holen und meine Handlungen danach auszurichten. Manchmal kommt es automatisch, manchmal muss ich daran arbeiten – also Kung Fu praktizieren. Aber es ist ständig präsent.

Üben, üben, üben.

In diesem Sinne! 🙂